Geena Davis Geena for President


Zu schlau, zu alt: Hollywood fürchtet Frauen wie den früheren "Thelma & Louise"-Star Geena Davis. In der TV-Serie "Welcome, Mrs. President" feiert sie als US-Staatschefin ein famoses Comeback.
Von Christine Kruttschnitt

Im reifen Alter von knapp 50 Jahren wurde Geena Davis zum Pornostar. Das geschah, nachdem sie schon fast zehn Jahre lang keine anständigen Angebote mehr bekommen hatte; das klassische Schicksal von Hollywood-Schauspielerinnen, deren Blicke für die Liebhaberinnenrolle einfach nicht mehr blank genug sind. Früher, da konnte Geena Davis ihre Filmpartner noch richtig anhimmeln. Aber mit der Zeit verliert sich das. Und dann bleibt nur das harte, das schmutzige Geschäft.

Die Politik.

Als "Polit-Porno" haben Fans die Serie "Commander in Chief" bezeichnet, die ab 15. August unter dem leicht doofen Titel "Welcome, Mrs. President" bei Sat 1 (dienstags 22.15 Uhr) läuft. Geena Davis spielt darin Amerikas Regierungschefin - jawohl, eine Frau im Weißen Haus: Fleisch gewordene Feministinnenfantasie, drastische Ausreizung konservativer Lustängste. Der TV-Sender ABC war von der Kuriosität seiner Idee so berauscht, dass für den US-Start mit dem Spruch geworben wurde: "In diesem Herbst wird eine Frau Präsident!", als flögen damit gleichzeitig Schweine ins Weltall und lernten alle Eichhörnchen Wasserski.

Eigentlich heißt es "Madame President"

Denn während zum Beispiel hierzulande, in Amerikas Hinterhof Chile oder in Amerikas einstigem Ex-Sklaven-Freistaat Liberia seit einiger Zeit Frauen ohne jegliches Sensationsgehabe regieren, schießen in den USA bei der Aussicht auf eine "Madame President" - wie es eigentlich heißen müsste - die Testosteronspiegel dramatisch in die Höhe. Die Serie wurde wechselweise als unverhüllte Kampagne der Demokraten für eine Präsidentschaftskandidatur von Hillary Clinton angepfiffen oder als Seifenoper ohne jeden Bezug zur Realität verspottet. Einig war sich die Nation nur in ihrem Lob für Geena Davis: Die USA, befanden Kritiker wie Publikum, könnten durchaus schlechter dran sein mit ihrem Präsidenten. (Nun, sind sie ja auch.)

Unermüdlich wurde darauf hingewiesen, dass die Heldin nicht nur schönere Beine habe als der aktuelle Staatschef, sondern auch Mitglied bei "Mensa" sei, dem Club der Oberschlauen; schon mal 2 : 0 für Geena Davis. "Ich weiß gar nicht, warum ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin", sagt die schlaue und obendrein Oscar-preisgekrönte Schauspielerin über ihre präsidiale Rolle: Schließlich sucht sie seit Jahren nach Drehbüchern, in denen sie "etwas Cooles" machen kann. Duldsame Ehefrauen oder herumliegende Geliebte interessieren sie nicht, seit sie 1991 von "Thelma & Louise" für immer verdorben wurde.

Auf ewig Thelma

"Ich hörte damals Sätze wie: Geena, Sie haben mein Leben verändert. Wow! Und heute noch passiert es mir, dass ich auf der Straße angehupt werde, und im Auto nebenan sitzen Frauen, die mir begeistert zuwinken", erzählt sie. Sie spielte in dem erfolg- und einflussreichen Roadmovie die Vorstadtelse Thelma, blubbernd und staksig wie ein Fohlen, die an der Seite ihrer Freundin Louise das wahre, selbstbestimmte Leben entdeckt und es alsbald verlassen muss, weil böse Mädchen damals noch nicht überall hinkamen, sondern nur auf den Grund des Grand Can-yon, und zwar zerschmettert. Im Jahr darauf dehnte Geena ihre langen Glieder auf dem Baseballfeld: Als Amazone im Sport-Melodram "Eine Klasse für sich" wuchs sie endgültig zu einer Art WonderWoman des amerikanischen Kinos heran - so sexy, dass alle Männer sie großartig fanden, so smart, dass die Frauen sie verehrten, und so witzig, dass beide gemeinsam über sie lachen konnten.

Es ist natürlich das Smarte, das ihr das Leben in Hollywood manchmal erschwert. Seit neuestem zieht sie den Ärger ganzer Filmstudios auf sich: Sie gab eine Untersuchung in Auftrag über das zahlenmäßige Verhältnis von weiblichen zu männlichen Rollen in Kinderfilmen. Ergebnis: Dreimal so viele Jungs wie Mädchen tauchen in Erfolgsproduktionen wie "Toy Story" oder "Findet Nemo" auf. Weil "wir Kindern eine Welt zeigen, die nur spärlich von Frauen bewohnt wird", hat Davis "See Jane" gegründet. Die Organisation - benannt nach einem der ersten Sätze in amerikanischen Schulfibeln - will auf die Entertainment-Branche sanft-erzieherischen Druck ausüben. Damit kleine Mädchen wie Geenas vierjährige Tochter Alizeh nicht im Bewusstsein aufwachsen, irgendwie unsichtbar zu sein.

Kein zimperliches Mädchen

Geena Davis ist eine späte Mutter. Sie war schon 46, als das Mädchen zur Welt kam, zwei Jahre später folgten Zwillingsbrüder. Es lag daran, dass sie den richtigen Mann erst spät gefunden hat. Er ist fünfzehn Jahre jünger als sie, aber vielleicht braucht man das, wenn es schon die vierte Ehe ist; irgendwas daran muss sich frisch anfühlen. Ihr erster war ein New Yorker Restaurantbesitzer, ihr zweiter der Kollege Jeff Goldblum, gefolgt vom finnischen Regisseur Renny Harlin, mit dem sie versuchte, sich als Action-Heldin zu etablieren ("Tödliche Weihnachten"), aber die Filme floppten. Immerhin lernte sie in jener Zeit Taekwondo und schießen, fechten, reiten und eislaufen. Sport, sagte sie einmal, habe ihr das Gefühl gegeben, alles zu können. Ihre Arme, das sieht man auch in den Kostümen, die sie als TV-Präsidentin trägt, können anpacken. Mackenzie Allen heißt sie in der Serie, "Mac" genannt. Und dann schaut man sich dieses 1,83 große Weib mit den kräftigen Schultern und durchaus runden Hüften und diesen lebendigen, scharfen Augen an und denkt sofort: Big Mac!

Nun hat man es als Big Mac in Hollywood auch nicht leicht. Die meisten Männer dort sind klein und gern an der Seite noch kleinerer Frauen. Kein Zufall, dass Geenas jetziger Gatte nichts mit Kino zu tun hat, sondern Arzt ist, aus dem Iran. Kennen gelernt hat sie ihn allerdings wie in einer romantischen Komödie: Sie besuchte einen Freund und ließ ihren Hund in dessen Wohnung, während die beiden essen gingen. Derweil kam Reza Jarrahy vorbei, ein Freund des Freundes, und wurde vom Hund nicht nur verjagt, sondern bei der Flucht über einen Gartenzaun in den Hintern gebissen. "Als ich ihn später traf, dachte ich nur: Wer ist dieser entzückende Mann, der mich vermutlich gleich verklagen wird?"

Leider ist Geena Davis' Comeback schon wieder ausgebremst. Das Studio hat die Serie nach nur einer Saison eingestellt. Am selben Tag, als ABC das Ende bekannt gab, bekam Geena Davis einen Preis für ihre Darstellung der ersten US-Präsidentin. "Ist aber auch Zeit", sagte sie. Sie meinte nicht den Preis.

print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker