Germany's Next Topmodel "Ich sage keiner, sie soll nichts essen"


Niemand Geringeren als "Deutschlands schönstes Mädchen" will Heidi Klum finden; jetzt startet auf ProSieben ihre Suche nach "Germany's Next Topmodel". Neu-Juror Boris Entrup verrät im stern.de-Gespräch, warum ein Topmodel keine Trends mitmachen muss und welche Rolle das Essen diesmal spielen wird.

Deutschlands Topmodel hat derzeit andere Sorgen als Mode: Englisch und Geschichte im Leistungskurs, Mathe als drittes Prüfungsfach. In einem Monat schreibt Lena Gercke ihr Abitur, dass ihr Foto diese Woche auf dem Titel der "TV Spielfilm" prangt, hilft ihr da auch nicht weiter. Vor knapp einem Jahr wurde die damals 18-jährige Cloppenburgerin zur Siegerin der ersten Staffel von "Germany's Next Topmodel" gewählt, wurde auf den Titel der Modezeitschrift "Cosmopolitan" gehievt, von der weltgrößten Modelagentur IMG Models unter Vertrag genommen und bekam ihr erstes Auto geschenkt: einen orangefarben Lancia. Nun macht sie erst einmal ihr Abitur, "als zweites Standbein, weil ich weiß, dass alles schnell vorbei sein kann", wie sie bei einer Präsentation zur zweiten Staffel in Hamburg erzählte.

Ein Mannequin ist keine Miss, dennoch wird Gercke in wenigen Wochen als amtierendes Casting-Top-Model abgelöst. Ab heute Abend sucht Heidi Klum immer donnerstags um 20.15 Uhr nach dem "schönsten Mädchen Deutschlands". 16.421 Mädchen haben sich beworben, 15 werden in der ersten Show dabei sein, nach und nach werden ein bis zwei Kandidatinnen ausscheiden. Beim ersten Durchgang musste ein Mädchen gehen, weil sie mit einer Größe von 1,76 Meter 52 Kilogramm wog. Zu dick, befand die Jury und musste sich von der Presse vorwerfen lassen, mit dieser Einstellung fördere sie Magersucht. Neu-Juror Boris Entrup sprach mit stern.de darüber, was ein Topmodel mitbringen muss und welche Rolle Essen und Ernährung diesmal spielen wird.

Herr Entrup, wie arbeitet es sich mit Frau Klum?

Heidi Klum ist super. Es ist aufregend, sie persönlich kennen zu lernen. Heidi ist absolut authentisch: Wie sie über die Medien wahrgenommen wird, so ist sie auch.

Heute Abend zeigt ProSieben die erste Sendung, wie viele Folgen sind schon gedreht?

Wir stecken mitten in den Dreharbeiten, ein paar Folgen sind schon abgedreht. Ursprünglich haben sich fast 16.500 Mädchen beworben. Nach der Vorauswahl über Fotos, Setcards und Videos haben wir von der Jury 100 Mädchen tatsächlich in der ersten Runde angesehen.

Der Geschmack des Volkes und der Geschmack der Industrie gleichen sich nicht unbedingt. Was für ein Mädchen wird bei GNT gesucht?

Wir suchen das Topmodel. Jemanden, der sehr flexibel einsetzbar ist. Klar ist das Laufstegtraining durch Bruce Darnell ein Schwerpunkt bei uns, aber vor allem, um ein gewisses Körpergefühl zu vermitteln. Es soll den Kandidatinnen zeigen, was sie aus sich herausholen können und wie sie wirken. Wir merken schnell, welchen Horizont ein Mädchen hat und sehen von Sendung zu Sendung, wie sich die Mädchen zu Typen entwickeln.

Derzeit ist vor allem der osteuropäische Frauentyp auf den Laufstegen zu sehen. Muss auch Germany's Next Topmodel im Trend liegen?

Ein echtes Topmodel setzt Trends. Wir suchen schon jemanden, der hauptberuflich von dieser Arbeit leben kann. Wir wollen kein Mädchen, das dreimal auftritt und dann wieder in Vergessenheit gerät.

Haben Sie eine Favoritin?

In den ersten beiden Sendungen gab es eine, bei der dritten war es eine andere, bei der vierten hat es sich wieder geändert, und nun sieht die Sache völlig anders aus.

Was muss ein Mädchen mitbringen, um es als Model zu schaffen?

Sie muss Charakter haben und Menschenkenntnis, gescheit und medienkompatibel sein, einen eigenen Stil haben und Trends setzen können - sie darf nicht in der Masse untergehen. Wenn ein Mädchen ungepflegt und mit zu viel Make-up im Gesicht zu einem Job kommt, nehme ich sie zur Seite und erkläre ihr, wie sie zu erscheinen hat. Das gehört zu den Basics eines Models. Vor allem Professionalität ist wichtig.

Wie entscheidet die Jury, wer geht und bleibt - demokratisch oder doch eher autoritär?

Wir diskutieren gemeinsam und es wird demokratisch abgestimmt. Jedes der vier Jurymitglieder (neben Entrup Heidi Klum, Modelagent Peymann Amin und Choreograf Bruce Darnell, Anmerk. d. Red.) hat sein Fachgebiet, auf dessen Besonderheiten es hinweist.

Leiden Sie mit, wenn eines der Mädchen gehen muss?

Ganz sicher bin ich nicht emotionslos - aber ich bewerte ja nicht ihre Persönlichkeit, sondern was die Kandidatinnen draus machen, wie sie sich geben und bewegen. Wenn jemand gehen muss, ist das zwar nicht sehr schön, aber notwendig. Es kann eben nur eine gewinnen.

Was für Mädchen bewerben sich bei GNT?

Ein gewisser Prozentsatz der Bewerberinnen liegt immer daneben, einige überschätzen sich selbst oder die hohen Anforderungen, die der Job mit sich bringt. Aber es sind viele tolle Mädchen dabei. Überraschend war, dass die Bewerberinnen deutlich größer waren als bei der letzten Staffel. Wahrscheinlich, weil sie gesehen haben, dass wir wirklich nachmessen. Es ist ja auch peinlich, wenn heraus kommt, dass jemand nur 1,68 statt 1,73 Meter groß ist. Aber insgesamt waren die Kandidatinnen diesmal bedeutend besser - sie laufen besser als letztes Jahr, posieren besser und entwickeln sich schneller.

Wie ist die Stimmung unter den Mädchen?

Es ist ja ein Wettbewerb, da will natürlich jede vorwärtskommen. Die Mädchen wohnen zusammen in ihrem Landhaus, da schlagen schon mal die Emotionen hoch.

Die vergangenen Folgen sorgten für heftige Diskussionen über ein angemessenes Gewicht für Models. Wie wichtig ist das Thema Essen diesmal?

Ich glaube nicht, dass Essstörungen nur ein Model-Ding sind. Man muss nicht aufhören zu essen, sondern anfangen, bewusst gesünder zu essen: Obst, Gemüse, Vitamine. Jeder, nicht nur Models, sollte wissen, was er isst, wo Konservierungsstoffe, Glutamate, Farbstoffe drin sind. Glutamate blähen nun mal den Bauch auf. Ich verbiete niemandem, etwas zu essen, weise die Mädchen aber darauf hin, was sie essen: Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Fettsäuren. Aber ich gehe zu keinem Mädchen und sage: "Du bist zu dick". Auch für Modells darf das Essen nicht zu kurz kommen. In der Praxis sehe ich täglich, dass durch falsche Ernährung zum Beispiel auch Haut, Nägel und Haare enorm leiden.

Ihr Vorgänger, Armin Moorbach, polterte gerade, die Gewinnerin der ersten Staffel Lena habe überhaupt keine Chance im Modelbusiness, über den Laufsteg werde sie nie gehen.

So ist eben das Geschäft, zwei Profis, zwei Meinungen. Ich finde, Lena hat sich wahnsinnig toll entwickelt. Sie hat Esprit, Charme, einen grandiosen Körper und ein superschönes Gesicht. Sie wird auf jeden Fall ihren Markt finden - und dabei wünsche ich ihr viel Glück.

Interview: Claudia Pientka


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