Günther Maria Halmer, der mit rauem Charme und unbedingtem Eigensinn über Jahrzehnte das bundesdeutsche Fernsehen mitgeprägt hat, ist in der Nacht von Sonntag auf Montag gestorben. Wie übereinstimmende Medienberichte vermelden, ist der Schauspieler nach schwerer Krebserkrankung im Alter von 83 Jahren verstorben.
Halmer spielte in mehr als 150 Film- und Fernsehproduktionen mit. Auch seine eigene Biografie klingt nach einem Drehbuch und macht schnell klar, wieso man ihm seine Figuren mit Ecken, Kanten und Widersprüchen abnahm. Der 1943 in Rosenheim geborene Sohn eines Vaters, der für ihn eine Juristenkarriere vorgesehen hatte, schlug jeden vorgezeichneten Weg in den Wind. Er verließ das Gymnasium, brach eine Gastronomielehre ab, kollidierte mit der Bundeswehr - und landete schließlich in einer Asbestmine in Alaska. Dieses letzte Kapitel wurde zum Wendepunkt in seinem Leben: In der Mine wird Halmer klar, dass er Schauspieler werden will.
Von der Otto-Falckenberg-Schule zum Fernsehstar
Zurück in Deutschland ließ er sich von 1967 bis 1969 an der renommierten Münchner Otto-Falckenberg-Schule ausbilden. Es folgten erste Engagements, darunter am Residenztheater und am Theater in der Josefstadt in Wien. Der Sprung ins breite Bewusstsein kam 1974 - mit Helmut Dietls Kultserie "Münchner Geschichten". Als Karl "Tscharlie" Häusler traf Halmer einen Nerv: Seine Figur war kein Held im klassischen Sinn, sondern ein Mensch mit Schroffheiten und Wärme, so wie das Leben eben ist. Halmer spielte den Tscharlie mit einer Selbstverständlichkeit, die das Publikum nicht mehr losließ. Die Rolle machte ihn bundesweit bekannt - und blieb bis zuletzt untrennbar mit seinem Namen verbunden.
Dem Fernsehen blieb Halmer treu, ohne sich darauf zu beschränken. International stand er für Richard Attenboroughs Oscar-prämierten Film "Gandhi" sowie für Alan J. Pakulas "Sophies Entscheidung" vor der Kamera. Einem Millionenpublikum wurde er später als Strafverteidiger Jean Abel in der ZDF-Reihe "Anwalt Abel" vertraut, die von 1988 bis 2001 lief - eine Rolle, die er mit nüchterner Schärfe und leisem Humor ausfüllte.
Aktiv bis ins hohe Alter
Noch in seinen späten Lebensjahren stand er für Produktionen wie "Das Familienfest", "Enkel für Anfänger" oder "Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen" vor der Kamera. 2024 war er in der ARD-Tragikomödie "Trapps Sommer" zu sehen. 2021 ehrte ihn der Freistaat Bayern mit dem Bayerischen Verdienstorden.
Auch abseits der Kamera blieb Halmer sich treu. Seit 1976 war er mit seiner Frau Claudia verheiratet, das Paar hat zwei Söhne, Daniel und Dominik. 2017 veröffentlichte er seine Autobiografie "Fliegen kann jeder: Ansichten eines Widerborstigen".