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Britische Presse: Meghan, Harry und die Familie – was der Kern des unüberwindbaren Problems ist

Was zum Bruch zwischen Prinz Harry, seiner Ehefrau Meghan und dem Rest der Königsfamilie geführt hat, darüber wird seit Tagen spekuliert. Ein Kernproblem der Beziehung ist das sogenannte "Royal Rota"-System. 

Herzogin Meghan und Prinz Harry

Herzogin Meghan und Prinz Harry finden das "Royal Rota"-System veraltet

AFP

Wieso, weshalb, warum. Aus welchem Grund Herzogin Meghan und Prinz Harry ihrem bisherigen Lebensstil und vor allem ihren royalen Verpflichtungen den Rücken kehren wollen, darüber wird seit nunmehr zwei Tagen wild spekuliert. Einige sehen den offensichtlichen Rassismus gegen die Herzogin als Auslöser, Meghan-Hasser meinen derweil, sie habe Harry dazu gezwungen, allen, die ihm lieb sind, den Rücken zu kehren. Manche bleiben in ihrer Argumentation etwas diplomatischer, glauben, die junge Familie wolle sich schlichtweg selbst verwirklichen. 

Ein wenig Wahrheit steckt wohl in allen Theorien. Am Ende steht im Zentrum des nicht enden wollenden Royal-Dramas vor allem ein Akteur: die britische (Boulevard-)Presse, Harrys Erzfeind.

Prinz Harry und das "Royal Rota"-System

Auf ihrer neu ins Leben gerufenen Website sussexroyal.com führen Meghan und Harry aus, wie sie sich den Umgang mit der Presse in Zukunft vorstellen. Dabei beziehen sie sich auf das "Royal Rota"-System. Das dürften allerdings die wenigsten Menschen im Detail kennen. Wie die beiden erklären, wurde das System vor mehr als 40 Jahren gegründet, "um den britischen Print- und Rundfunkmedien exklusiven Zugang zu den offiziellen Engagements der Mitglieder der Königsfamilie zu ermöglichen". Meghan und Harry merken allerdings an, dass die Vereinbarung eben vor 40 Jahren getroffen wurde – vor dem Internet und Social Media – und deshalb nicht mehr zeitgemäß ist. 

Mitglieder des "Royal Rota"-Systems, und damit bei allen royalen Auftritten dabei, sind: "The Daily Express", "The Daily Mail", "The Daily Mirror", "The Evening Standard", "The Telegraph", "The Times" und "The Sun". Diese Zusammenkunft britischer Medien sollen Meghan und Harry laut "Financial Times" mal "Das Kartell" getauft haben – ein vielsagender Spitzname. 

Meghan verklagt die Presse

Eigentlich hätte man den jetzt angekündigten Schritt der beiden spätestens im Oktober vergangenen Jahres voraussehen können. Denn da wurde verkündet, Herzogin Meghan verklage die "Mail on Sunday" (die Sonntagsausgabe der "Daily Mail"). Das Blatt hatte einen privaten Brief Meghans an ihren Vater veröffentlicht. Fast zeitgleich beklagte sich Prinz Harry erneut über die skrupellose Berichterstattung und sprach von Hetzkampagnen. Seine "größte Angst" sei es, "dass die Geschichte sich wiederholt". Seit dem Tod seiner Mutter Diana hegt der 35-Jährige einen Groll gegen die erbarmungslose britische Presse. 

Nun wollen die beiden alles anders machen, das angestaubte System durchbrechen. Auf ihrer Website erklären sie, in Zukunft mit Medien zusammenzuarbeiten, die "Inklusivität, Vielfalt und Toleranz fördern". Das Problem: Der Rest der Familie macht nicht mit. Sowohl die Queen als auch Prinz Charles und die Cambridges arbeiten weiter mit der "Rota" zusammen. Mit all jenen Journalisten, die regelmäßig in niederträchtiger Art und Weise über Meghan schreiben. Aus Sicht von Harry ein unmöglicher Zustand. 

Ob er die richtige Strategie fährt oder ob die Monarchie nur deshalb so lange Bestand hat, weil die Mitglieder derartige Berichte schweigend hinnehmen, ist allerdings schwer zu sagen. 

Schlechtes Timing: Website hätte wohl noch nicht veröffentlicht werden sollen

Meghan und Harry werden insbesondere für ihr Timing kritisiert. Die Queen habe zwar gewusst, dass die beiden von ihren Verpflichtungen zurücktreten wollen, allerdings soll das Paar Statement und Website ohne eine Absprache veröffentlicht haben –mindestens ein Vertrauensbruch. Warum haben sie das so gemacht? 

Am vergangenen Dienstag veröffentlichte die Boulevardzeitung "The Sun" eine Exklusiv-Geschichte: Meghan und Harry wollen nach Kanada ziehen, hieß es darin. Die Nachricht wurde von zahlreichen anderen Publikationen aufgenommen. Den Sussexes drohte die Kontrolle zu entgleiten. Schließlich spricht die Ausführlichkeit ihrer Website dafür, dass sie den Schritt von langer Hand geplant haben. Um sich einen letzten Rest Selbstbestimmung zu sichern, wurde offenbar im Laufe des Mittwochs beschlossen, die Veröffentlichung vorzuziehen. Und so wurde bestätigt, was "The Sun" am Tag vorher schon veröffentlicht hatte – ein Timing bestimmt von der Presse. 

Am Ende wurde Prinz Harry wieder einmal von seinem Erzfeind ein Strich durch die Rechnung gezogen. Ausgerechnet. Selbst wenn die beiden ihre neuen Pläne durchziehen, die Boulevard-Mitglieder der "Rota" werden gegen sie sein. Und so wird das Drama zur Never Ending Story.

Quellen: "sussexroyal.com" / "Financial Times" / "The Sun"