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Meinung

Mutige Entscheidung : Dank Meghans Willensstärke: Der "Megxit" ist das Beste, was Meghan und Harry tun konnten

Adelsexperten sind außer sich, Royal-Fans ratlos und was im Hause Windsor los ist, will man sich gar nicht erst vorstellen: Meghan und Harry wollen als Senior Royals zurücktreten – und treffen damit die vielleicht beste Entscheidung ihres Lebens. 

Es sei "eine Kriegserklärung", "Egoismus", "ein Bürgerkrieg". Großbritannien ist erschüttert. Der Brexit war nichts gegen den Megxit. Mittlerweile wird es niemand nicht mitbekommen haben: Meghan, die Herzogin von Sussex, und Prinz Harry planen, als Senior Royals zurückzutreten. Wer dabei in den Augen vieler Adelsexperten, Journalisten und Fans die tragende und böse Rolle spielt, verrät schon die Bezeichnung "Megxit": Meghan natürlich. Die These, auf die sich viele britische Journalisten zu einigen scheinen: Meghan, die egoistische Hollywoodschauspielerin (Schauspielerin! Sagt das nicht schon alles?), hat sich einen Prinzen gekrallt, um noch berühmter zu werden. Der arme Harry hat, verblendet von Liebe, nichts gemerkt von dem Abgrund, in den Hexe Meghan ihn nach und nach hineinzerrt.

Wie ein tapsiger und leicht trotteliger Welpe, der nicht weiß wohin mit sich, lässt er alles mit sich machen und "erfüllt Meghan jeden Wunsch", wie viele Boulevardblätter von Insidern erfahren haben wollen. Nachdem "Hurricane Meghan" erfolgreich ins Königshaus eingeheiratet, und alles erreicht hat, was sie sich je erträumt hatte, macht sie nun den Rückzieher, lässt die Royals im Stich und flieht vor ihren Pflichten. Ein egoistischer und herzloser Schritt, wissen die Adelskenner. 

Schock bei den Royals: Harry und Meghan ziehen sich zurück

Viele scheinen da etwas falsch verstanden zu haben. Harry und Meghan haben niemals verkündet, nicht mehr Teil der royalen Familie sein zu wollen, alles hinzuschmeißen und von nun an als Aussiedler im Wald zu leben oder sich selbst in der Netflix-Serie "The Crown" zu spielen. Was sie schreiben, ist, dass sie sich für Veränderung entschieden haben. Dafür, "eine neue progressive Rolle innerhalb dieser Institution" anzunehmen, arbeiten zu wollen – und die Majestät dennoch weiterhin zu unterstützen. Es ist kaum verständlich, wie jemand diese Entscheidung nicht feiern kann. Der Aufschrei ist so groß wie er war, als Frauen begannen, aus ihrer traditionellen Rolle auszubrechen, ihr eigenes Geld zu verdienen und sich dennoch weiterhin um die Familie zu kümmern. "Klar, ein Royal will Meghan weiterhin sein, aber nebenbei will sie auch noch arbeiten und noch mehr Kohle machen und ihre Freiheiten haben, aber beides geht nun mal nicht!" hetzen wütende Fans. Und vielleicht geht es eben doch, wenn mehr Menschen offen für radikale Veränderungen wären. 

Meghan und Harry ebnen der Monarchie den ersten Schritt in die Moderne 

Viele scheinen gar nicht erst verstehen zu wollen, was Meghan und Harry eigentlich mit ihrem Rückzug tun: ein wichtiges Zeichen setzen. 

Das fing schon mit der Art ihrer Verkündung an. Ihre Entscheidung haben sie nicht etwa bei einer formellen Ansprache im Palast verkündet, sondern da, wo auch 20-Jährige einen neuen Lebenswandel mit der Welt teilen: auf Instagram. Auf der Plattform, auf der die meisten Nutzer zwischen 25 und 34 Jahre sind. Allein damit setzen sie ein Zeichen, das für sich spricht. Meghan und Harry sind anders. Sie sind die modernsten Mitglieder des britischen Königshauses. Dass sie sich daraus etwas zurückziehen wollen, ist nicht verwunderlich. Es sollte sich niemand etwas vormachen: Als junge selbstbewusste Feministin, die auch ohne die Royals (erfolg)reich ist, hat Meghan dort wirklich nichts verloren. Gerade das macht den Gedanken so lächerlich, sie habe Harry mit Hintergedanken geheiratet. Das Königshaus ist viel mehr eine Strafe für die erfolgreiche Schauspielerin, die ihren Job nicht mehr ausüben darf.

Meghan wurde in den Medien nicht nur rassistisch beleidigt, sie wird für alles, was nicht mit hübsch aussehen und lächeln zu tun hat, kritisiert. Als bekannt wurde, dass sie sich an der September-Ausgabe der britischen "Vogue" beteiligen würde, gab es einen Aufschrei unter Adelsexperten. Für besonderen Missmut sorgte dabei, dass auf dem Titelblatt der Zeitschrift unter anderem ausgerechnet die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern zu sehen war. Ardern hatte angekündigt, eine Debatte über die Trennung der Beziehungen zur britischen Königsfamilie zu fördern. Spätestens jetzt wissen wir: Das war kein Zufall. Alles, was Meghan tut, ist bis ins Detail durchdacht. Man könnte das berechnend nennen, oder auch sehr klug. Sie will etwas verändern. Aber das passiert nicht, wenn man sich still seinen Pflichten beugt und den Mund hält. Doch genau das haben sich viele von ihr gewünscht.

Zu den royalen Pflichten gehört auch, sich der Zeit anzupassen 

Die Entscheidung sei höchst egoistisch, wird weiter gemäkelt. Natürlich ist sie das. Die beiden wollen mehr Freiheiten, als sie die als Senior Royals jemals haben könnten. Aber dahinter steckt noch mehr: Sie haben verstanden, dass sich niemals etwas ändern wird, wenn niemand etwas anstößt. Irgendjemand muss den Anfang machen und der Monarchie vor Augen führen, wie unzeitgemäß das gesamte Konstrukt ist. 

 

Aber gerade Meghan als selbsterklärte Feministin, die die Gesellschaft verändern will, müsse doch ihre Chance nutzen, genau das innerhalb und nicht außerhalb des royalen Königshauses zu tun, es mit zu gestalten und zu verändern, mahnen Kritiker. Dabei tut Meghan gerade genau das. Anstatt ihren Mund zu halten und die perfekte, zurückhaltende Herzogin zu sein, verändert sie die Geschichte. 

Einen Prinzen zu heiraten, sollte kein Lebensziel sein

Und das Schöne ist: Verklärten Frauen, die offenbar immer noch in einer Märchenwelt leben, zeigt sie damit noch etwas anderes: Es lohnt sich nicht, eine Prinzessin zu sein. Das weiß doch jeder, könnte man meinen, aber nun ja ... etwa eine Million Kommentare im Internet beweisen das Gegenteil. Es ist ein Mythos, der nie ganz verschwunden ist: Frauen müssen alles dafür tun, um einen Prinzen für sich zu gewinnen und auf ewig zu beglücken, währen sie die Gesellschaft zugleich mit ihrer Schönheit und Liebenswürdigkeit verzaubern. Das lernen Mädchen oft schon im Alter von etwa drei Jahren – dann, wenn ihre Eltern ihnen Märchen erzählen. 

Arielle die Meerjungfrau opfert für Prinz Eric zeitweise sogar ihre Stimme. Eine Hexe zaubert ihr im Tausch dagegen Beine, damit die Meerjungfrau Zeit mit dem Prinzen an Land verbringen kann. Stumm zwar, dafür aber hübsch anzusehen und vor allem ohne negativ aufzufallen. Das ist doch absurd: Eine Frau, die für einen Mann und seine Familie ihre Stimme aufgibt und ihr komplettes Wesen verändert, um ein akzeptierter Teil der Gesellschaft zu werden. Das Beispiel von Meghan zeigt, dass diese Vorstellung immer noch fest in den Köpfen vieler verankert ist. Dass sie damit bricht und anderen jungen Frauen zeigt, dass es viel glücklicher macht, die eigene Stimme zu erheben und den eigenen Weg zu gehen – alleine dafür hat sich der "Megxit" schon gelohnt.