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Kelly Bachman: Eine Komikerin spricht über sexualisierte Gewalt. Im Publikum: Harvey Weinstein

Kelly Bachman ist Komikerin und selbst Opfer von sexualisierter Gewalt. Bei einem Auftritt in einem New Yorker Comedy-Club fällt ihr ein bekannter Gast auf: Harvey Weinstein. Wie Bachman darauf reagiert, polarisiert.

Kelly Bachman macht Witze über Harvey Weinstein

Kelly Bachman macht Witze über Harvey Weinstein – und wird ausgebuht

Es ist Mittwoch in der Downtime Bar in der Lower East Side. Die Veranstaltung, die hier an diesem Abend stattfindet, heißt "Actors Hour". Stand-up-Comedians und andere Künstler können ihre Programme vor Publikum ausprobieren und junge Talente gefördert werden. Auch Kelly Bachman ist vor Ort. Und einer, den man in letzter Zeit immer öfter in diversen New Yorker Clubs gesehen hat: Harvey Weinstein. 

Komikerin Kelly Bachman konfrontiert das Publikum

Es scheint niemanden der Gäste sonderlich zu stören, dass da jemand im Publikum sitzt, der von mehreren Frauen der Vergewaltigung beschuldigt wird, während auf der Bühne Witze gerissen werden. Außer Kelly Bachman. "Ich bin ein wenig angespannt", sagt sie zu Beginn ihrer Show und erst denken die Menschen wohl, das liege womöglich an ihrer Aufregung.

"Ich bin eine Comedienne. Und es ist unser Job, den Elefanten im Raum zu benennen. Wisst ihr, wer das ist? Es ist eine Art Freddy Krueger im Raum", scherzt sie in Anspielung auf den fiktiven Serienmörder aus der "Nightmare"-Filmreihe – und wird dann noch konkreter. "Mir war nicht bewusst, dass wir unser Pfefferspray und unsere Vergewaltigungs-Trillerpfeifen mit zu 'Actors Hours' nehmen müssen", sagt Bachman.

Die Reaktion auf ihre Weinstein-Anspielung, der nur wenige Meter entfernt sitzt, wird mit Buhrufen zahlreicher Männer quittiert. Doch die richten sich keineswegs gegen den ehemaligen Filmproduzenten, der von mehreren Frauen der Vergewaltigung beschuldigt wird, sondern gegen die Comedienne. Doch die Angriffe steigern sich noch. Ein männlicher Gast buht erst und ruft Bachman dann zu, sie solle "die Klappe halten". "Oh, die Klappe halten! Das ist ein super Witz bei einer Gruppentherapie für Vergewaltigungsopfer", kontert die Komikerin schlagfertig.

Bachman wurde selbst mal Opfer sexualisierter Gewalt und hat daraus ein Comedy-Programm gemacht. Weil Männer seit eh und je Witze über Vergewaltigung machen würden, heißt es darin, sei es jetzt an der Zeit, dass all jene, die es selbst erlebt haben, das Scherzen übernehmen. "Ich wurde selbst vergewaltigt. Überraschenderweise von niemandem in diesem Raum. Aber ich habe diese Typen nie konfrontiert. Also hier ist ein generelles 'Fuck you'", sagt sie. 

Ein weiblicher Gast wird aus dem Raum befördert

Und während eben gerade noch zahlreiche Männer die junge Frau ausgebuht haben, wird sie jetzt bejubelt. Allerdings nur von vereinzelten Frauen im Raum. 

Eine der Frauen, die von Bachmans couragiertem Auftritt begeistert war, ist Zoe Stuckless, die dem US-Klatschmagazin "TMZ" den Vorfall geschildert hat. Für sie selbst war die Stille jener Gäste im Raum, die Weinstein beim Flirten und Trinken beobachten konnten, unerklärlich. So sehr, dass Stuckless selbst das Wort ergriff. "Niemand sagt was?", fragt sie fassungslos in die Runde (ein Video davon hat "TMZ" veröffentlicht). "Ich stehe eineinhalb Meter von einem Vergewaltiger entfernt und niemand sagt etwas?" Tatsächlich sollte sie Recht behalten. Außer Stuckless und Bachman empören sich an diesem Abend nur wenige über Weinstein. Im Gegenteil, Stuckless, außer sich vor Wut, wird von Veranstaltern sogar aus dem Raum befördert.

Harvey Weinstein sucht "Trost in seinem Leben"

Weinsteins Sprecher äußerten sich nach dem Vorfall wie folgt: "Harvey Weinstein war mit Freunden unterwegs, hat die Musik genossen, um etwas Trost in seinem Leben zu finden, das auf den Kopf gestellt wurde. Diese Szene war unangebracht, geradezu unhöflich und ein Beispiel dafür, wie ein ordentliches Verfahren heute von der Öffentlichkeit zerquetscht wird und versucht wird, es dem Gerichtssaal wegzunehmen." Weinstein ließ außerdem verlautbaren, er hätte der Frau gerne Fragen beantwortet.

Die Szenen aus dem Club ereignen sich ziemlich genau zwei Jahre, nachdem die MeToo-Debatte losgetreten wurde und wenige Tage, nachdem Schauspielerin Rose McGowan Klage gegen Weinstein erhoben hat. Von vielen Usern im Netz wird Comedienne Kelly Bachman seit dem Vorfall ermutigt. Ihre Abonnentenzahl auf Instagram steigt stetig und auch auf Twitter wird sie für ihre Zivilcourage gelobt.

Quelle: "TMZ" / "Variety"