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Heinz Bennent ist gestorben: Auf Außenseiter abonniert

Besonders eindringlich spielte er Außenseiter, Einsame und Sonderlinge: Heinz Bennent war zeitlebens auf das Charakterfach abonniert. Er erreichte internationalen Ruhm, zum Star wurde er nie. Jetzt ist er im Alter von 90 Jahren im Kreis seiner Familie gestorben.

Der Schauspieler Heinz Bennent ist tot. Er starb im Mittwoch im Alter von 90 Jahren im Kreise seiner Angehörigen in Lausanne. Bennent war in rund 150 Rollen in Theater, Film und Fernsehen zu sehen. An mehr als 20 Schauspielhäusern stand er auf der Bühne - dazu zählten Theater in Stuttgart, Berlin, Hamburg und München. Bennent arbeitete mit Regisseuren wie Ingmar Bergman, Francois Truffaut, Peter Zadek oder Dieter Dorn.

Seine erste Filmrolle spielte Bennent 1966, es folgten Filme wie Volker Schlöndorffs "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", Bergmans "Aus dem Leben der Marionette" oder Truffauts "Die letzte Metro" mit Catherine Deneuve. Am Renaissance Theater spielte er zuletzt in "Ich bin der Mann meiner Frau" nach Anton Tschechow. Er galt als erfolgreicher Sonderling in der Theaterwelt, nie ganz greifbar, unnahbar, ein unabhängiger Freigeist.

"Wehtuende Contenance"

Besonders eindrücklich sind die gemeinsamen Auftritte mit seinen Kindern Anne und David Bennent in Erinnerung. Mit seinem 1966 geborenen Sohn stand er in Volker Schlöndorffs Verfilmung von Günter Grass' "Blechtrommel" (1978) vor der Kamera: Vater Heinz als Nazi-Scherge und Sohn David als kleinwüchsiger Trommler Oskar Matzerath. Auch in der Lausanner Inszenierung von Samuel Becketts "Endspiel" (1995) war Sohn David sein Partner - eine in ganz Europa umjubelte Tournee.

Trotz der zahlreichen Film- und Fernsehrollen blieb die Theaterarbeit für den gebürtigen Nordrhein-Westfalen das Lebenselixier. "Auf der Bühne habe ich alles in der Hand. Dort bestimme ich den Rhythmus", sagte er einmal. Zuletzt ging er mit einer Lesung von Friedrich Hölderlins Briefroman "Hyperion" auf Europatour.

Ein Kritiker schrieb einmal: "Heinz Bennent spielt von unten nach oben, von innen nach außen. Die Figuren, die er verkörpert, haben auf wehtuende Weise Manieren und Contenance. Sie benehmen sich tadellos, aber es sind Wölfe, auf deren Schafspelz allein Verlass ist."

Nada Weigelt/DPA / DPA