HOME

Jackson-Prozess: Zahnarzt als Vorwand

Es klingt wie eine Räuberpistole: Im Jackson-Prozess behauptet die Mutter des angeblichen Missbrauchsopfers, dass sie einen Zahnarztbesuch zur Flucht vom Anwesen des Popstars nutzen wollte.

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Popstar Michael Jackson ist nach Angaben seiner Sprecherin bereit, selbst in den Zeugenstand zu treten. Der Sänger werde sich ganz nach der Empfehlung seiner Anwälte richten, zitierte der Sender "MSNBC" am Montag Raymone Bain. Die Sprecherin führte weiter aus, dass der 46-Jährige "körperlich sehr erschöpft" sei und unter Rückenschmerzen leide.

Als Zeugin der Verteidigung hatte eine Angestellte Jacksons am Montag dessen angebliches Opfer als "wild" und "rücksichtslos" beschrieben. Der damals 13 Jahre alte Junge und sein jüngerer Brüder hätten im Frühjahr 2003 auf der Neverland-Ranch Fahrzeuge entwendet und Schaden angerichtet, sagte Violet Silva.

Der Sänger muss sich wegen sexuellen Missbrauchs des ehemals krebskranken Jungen auf seiner Neverland Ranch verantworten. Der Popstar soll den Teenager und dessen Familie im Frühjahr 2003 auch gegen deren Willen festgehalten haben. Von Mitarbeitern des Sängers seien sie dabei zur Aufnahme einer Video-Aussage gedrängt worden, in der sie Jackson als Vaterfigur und Gönner preisen.

Nach Angaben der "Los Angeles Times" führte die Frau vor der Jury in Santa Maria weiter aus, dass sie zu keinem Zeitpunkt Unanständigkeiten bei Jacksons Umgang mit Kindern gesehen habe. Die Angestellte ist seit 1991 auf der Neverland-Ranch des Popstars tätig, derzeit im Sicherheitsdienst. Der Zeugin zufolge hatten Gäste auf dem Anwesen Zugang zu öffentlichen Telefonen. Mit dieser Aussage wollte die Verteidigung deutlich machen, dass die Mutter von Jacksons angeblichem Missbrauchopfer Hilfe herbeirufen konnte, wenn sie dies für nötig gehalten hätte.

Aufgeregt, auf Neverland zu leben

Auch der Manager von Michael Jacksons Neverland Ranch wies vor Gericht Vorwürfe zurück, wonach die Familie gegen ihren Willen auf dem Anwesen des Popstars festgehalten worden sein soll. Joe Marcus sagte am Montag, die Mitglieder der Familie seien ganz aufgeregt gewesen, auf Neverland zu leben, und hätten sich nie über irgendetwas beklagt.

Er habe die Familie zu Einkäufen in die Stadt und einmal zum Zahnarzt gefahren. Danach hätten sie es eilig gehabt zurückzukehren, erklärte der Zeuge der Verteidigung. Die Mutter des Jungen, der Jackson des sexuellen Missbrauchs bezichtigt, hatte erklärt, der Zahnarztbesuch sei ein Vorwand gewesen, um zu entkommen. Marcus sagte weiter aus, er habe niemals gesehen, dass Jackson sich Kindern gegenüber unschicklich verhalten habe.

Nie Schlecht über Jackson geredet

Die Verteidigung rief auch eine frühere Hausangestellte des Sängers in den Zeugenstand. Sie zog die Aussage einer Kollegin in Zweifel, die für die Anklage im Gericht beschrieben hatte, dass sie Jackson beim unsittlichen Berühren von Kinderstar Macaulay Culkin beobachtet habe. Während ihrer dreijährigen Zusammenarbeit zu Beginn der 90er Jahre habe ihre Kollegin nie schlecht über Jackson geredet, sagte die Zeugin vor der Jury.

Culkin ("Kevin allein zu Haus"), der in früheren Fernsehinterviews jedweden Missbrauch durch Jackson abgestritten hatte, steht auf der Liste möglicher Zeugen der Verteidigung. Ein Prozessbeobachter des US-Senders CBS rechnet damit, dass der jetzt 24 Jahre alte Schauspieler Mitte dieser Woche vor Gericht aussagen wird. Im weiteren Prozessverlauf könnten auch Stars wie Elizabeth Taylor, Diana Ross und Stevie Wonder zur Entlastung des Popstars in den Zeugenstand gerufen werden.

AP/DPA / AP / DPA