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James Bond: Die Droge Craig

Zu klein und zu blond - anfangs trauten nur wenige Daniel Craig die Rolle als neuer Bond-Schauspieler zu. Inzwischen halten ihn viele für den besten Bond aller 007-Zeiten. Und er ist sogar noch besser, wenn er nicht Bond spielt. Ein Vormittag mit Daniel Craig als: Daniel Craig.

Von Jochen Siemens

Zu den Geschichten, die nur Männer verstehen, gehört die von jenem Abend auf Jamaika 1952. Der Schriftsteller Ian Fleming sollte am nächsten Morgen heiraten, die Hochzeitsgesellschaft war schon da, durch die Fenster hörte man es feiern. Fleming saß vor seiner Schreibmaschine, und über das weiße Papier huschte der Schatten eines Mannes, der ab sofort sein Männerleben weiterleben sollte: schnelle Autos, schöne Frauen, Wodka-Martinis und Schurken jagen. Einer, der den Satz "Liebling, ich komme heute später" nicht kennt. Fleming tippte dazu noch ein paar Zeilen der Sehnsucht, nannte den Mann James Bond und begab sich seufzend in die Ehe. Daniel Craig sagt erst mal nichts, wenn man ihm die Geschichte erzählt. Nein, er lächelt, "das wusste ich nicht". Jetzt wirft man noch Hemingway hinterher, "ein Mann kann zerstört werden, nicht aber besiegt", Craig wird sagen, es sei die Überraschung, verletzt zu werden, die einen Mann ausmacht; und wir sind beim Thema.

Nein, nicht bei Bond. Wir werden nicht über die Walther PPK und die Aston Martins sprechen oder darüber, ob Martinis gerührt oder geschüttelt werden müssen. Darüber hatte Craig schon in "Casino Royale" den besten Satz überhaupt gesagt: "Sehe ich so aus, als würde mich das verdammt noch mal interessieren?" Nein. Bond ist etwas anderes, Bond ist eines der vielen Synonyme, die sich Männer suchen, wenn sie mal wieder allein denken wollen. Frauen werden das nie verstehen. Männer suchen sich Prärien des Denkens; Pferde, Autos oder Raumschiffe sind nur Fantasien, sich weit weg zu denken. Darüber lohnt es sich zu reden, über die stillen Ideen. Gefragt wird Daniel Craig aber immer nur nach den Faustschlägen. Als ob Männer sich gern prügeln, wenn sie es nicht müssen. Also gut, eine "körperlich anspruchsvolle Rolle" und "eine Figur, die sich mit der Geschichte entwickelt", sagt er dann immer, und man sieht ihm die Mühe an, seine Langeweile zu verbergen. Einmal hat er zugegeben, dass es eher die Kunst sei, so zu tun, als seien die Fragen wirklich sensationell gut, und er sich die Antwort genau überlegen müsse, die er dann vorführe. Bis auf ein Mal hat Craig auch die dummen Fragen nach seiner hellblauen Speedo-Badehose, in der er in "Casino Royale" aus dem Wasser steigt, routiniert retourniert. Aber als ihn auf dem roten Teppich einer Preisverleihung der bekannte schwule englische Kolumnist Johann Hari fragte, warum er nicht in dieser Badehose gekommen sei, zuckte kurz mit "fucking fool" die Wortfaust aus seinem Mund, was ihm in der Gay-Presse die Anklage einbrachte, er sei ein Schwulenhasser.

Ist er nicht, ist aber auch egal. Die blauen Augen, die in seinen granitigen Kopf wie Glassplitter eingelassen sind, schauen kurz durchs Zimmer, und man sieht etwas Spöttisches im Blick schimmern. Spott für all diese Unwichtigkeiten des Lebens. Badehose, Schwulenhasser, bestangezogener Bond, mein Gott, geht's darum? Ich muss das ja machen, dieses Fragespiel, sagt er, schließlich ist Bond ein Geschäft. Aber wenn es nach ihm ginge, würde er lieber schweigen. "Über mich selbst zu sprechen ist für mich, wie beim Zahnarzt zu sein." Dann lächelt er und schweigt. Und sagt damit alles, was man wissen muss.

Es ist ein Vormittag in London, und Daniel Craig muss am nächsten Tag noch ein paar Stunden Bond spielen, dann ist sein zweiter 007-Auftritt fertig. Mag sein, dass er dann entspannter im Stuhl sitzt als jetzt. Er ist nicht groß, aber breit wie eine Tür. Sein Händedruck ist, anders als erwartet, kein Knochenbruch, eher von schüchterner Kraft. Sein steiniges Gesicht versucht er, mit milder Mimik zu moderieren, seine kurzen blonden Haare sehen aus wie eilig geschnittenes Stroh, über das eben ein Trecker gefahren ist. Er trägt ein dunkles Shirt und ein Jackett, das keine Falte wirft, weil es auf diesem Körpergebilde wie eine zweite Haut sitzt. Wenn er Bond ist, muss er das machen, sagt er, tägliches Work-out, Gewichte stemmen, Protein-Diät, um die Spannung zu bekommen, die man braucht, um aus einem rasenden Auto zu springen und sich dabei nicht alle Knochen zu brechen. Das Problem sei ja nicht, Hanteln in die Luft zu heben, das Problem sei, "dass man davon besessen werden muss, es zu tun. Sonst wirkt es nicht".

Frauen mögen besessen davon sein, jeden Millimeter Fett an den Oberschenkeln auf dem Laufband wegzukämpfen, aber wozu sollen Männer Leidenschaft entwickeln, unsinnig Kilos zu wuchten? Klüger macht das nicht. Craig lächelt, und man muss an die Deppen aus dem Fitnessstudio denken, die mit Maßbändern ihre Bizepse messen. Ob er mal darüber nachgedacht hat, dass er der Welt nicht eine neue Version von Bond geliefert hat, sondern eine neue Definition von Mann? Hhmm, sagt er, ob das nicht zu hoch gegriffen ist?

Nein. Als "Casino Royale" Rekordergebnisse einspielte, war den meisten ziemlich egal, ob Bond das Pokerspiel gegen Le Chiffre gewinnen würde oder nicht. Man war vielmehr erleichtert, zwei Stunden lang einen Mann zu sehen, der endlich die ganze metrosexuelle Waschlappenkultur wegfegte, die sich in ihren Altbauwohnungen zwischen Habitat-Möbeln, Milchaufschäumern und den Paulo-Coelho-Büchern ihrer Frauen breitgemacht hatte. Dieser den meisten kaum bekannte Brite war, als ob Gott auf den Tisch gehauen und "Männer, so hab ich euch gemeint!" gedonnert hätte. Craig zuzuschauen war wie eine Mahnung, die männlichen Gene zu pflegen. Nicht die Faustschlag-und Pistolennummer, Daniel Craigs Mannsein ist viel subtiler, eleganter und, ja, verletzbarer. "Das, was Daniel vor der Kamera nicht macht, ist bei ihm genauso wichtig wie das, was er macht", hat Matthew Vaughn gesagt, Regisseur von "Layer Cake" und Claudia Schiffers Ehemann, "gute Schauspieler sind so. Du denkst, sie tun nichts, und wenn du dann die Aufnahmen siehst, ist es großes Schauspiel". Und der Regisseur John Maybury fühlt sich an einen der ganz großen Männer des Films erinnert. "Ich muss an Steve McQueen denken, wenn ich Daniel sehe."

Craigs Bond ist wortkarg, er redet nicht viel, er macht. Punkt. In halbem Scherz hat Craig mal gesagt, dass er nie gern Shakespeare-Stücke spielen wollte, "die haben einfach zu viel Text". In Frauenfilmen wie "Sex and the City" wird gequasselt, dass einem schwindelig wird. Aber passieren tut da wenig. Jetzt muss Craig lachen, er mag das, "ja, da gibt es eine Diskussion. Frauen würden jetzt sagen, dass sie aus gutem Grund viel reden. So arbeiten sie ihre Probleme ab". Oder herbei? Jetzt lachen zwei Männer, und alles ist gesagt. Aber Vorsicht, Craig kann abrupt aufhören zu lachen und sein Gesicht wieder zum Fels machen. Die Welt ist kein Scherz, man sollte lachen, wenn es lustig ist, sonst nicht.

Es ist ja oft genug erzählt worden, was er gemacht hat, als ihn 2005 Barbara Broccoli, die Produzentin und Rechte-Inhaberin der Bond-Serie, anrief und ihm sagte: "Daniel, wir haben uns für Sie entschieden." Er hat eine Flasche Wodka gekauft und sich betrunken. Heute, sagt er, freue er sich auf die Tage nach den Dreharbeiten – "endlich mal wieder früh am Tag ein Bier trinken". Daniel Craig ist 40, er ist der erste Bond-Darsteller, der geboren wurde, als es schon 007-Filme gab. 1968 war das, in Chester, einer kleinen Stadt bei Liverpool. Daniels Eltern waren eine Paarung, die man in ihm wiederzuerkennen glaubt: der Vater Seemann, die Mutter Kunstlehrerin. Die Eltern trennten sich früh, und Daniel zog mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Liverpool. Kein großes Leben, Daniel ödete die Schule an, er spielte Rugby und stand in kleinen Rollen auf der Schulbühne. Wie das so ist, wenn man arm in grauen Städten lebt, ist die Flucht die Flasche oder das Kino. Nicht die kleine Scheibe Fernsehen, sondern die Leinwand, die sich wie ein Horizont vor dem eigenen grauen Leben aufspannt. Gott, wie leicht ist es zu fliehen. Daniel war 14, 15 und wohnte fast schon in den Kinos der Stadt, im Odeon an der London Road, im Plaza an der Crosby Road oder im Woolton. "Ich schaute mir alles an, von ‚Am Anfang war das Feuer‘ bis ‚Blade Runner‘. Ich dachte nur: Das ist es, was ich machen will", sagt er heute. Die Liverpool-Jahre prägten Craig. Der Junge ohne Vater mit zwei Frauen zu Hause, die ambitionierte Mutter, die den Sohn immer wieder ins Theater mitnahm, die Schauspieler, die er danach im Pub kennenlernte, und auch sein Cousin Joe Craig, der in London ein gefragter Komponist und Kinderbuchautor wurde. Die Craigs waren die kleinen Leute, die Künstler werden wollten. Keine Stars. Daniel Craig sagt, dass er nie von Hollywood oder Oscars träumte, sondern einfach nur Künstler werden wollte, so wie andere Bäcker, Schneider, Koch.

Es ist der Reichtum, zu anderen Menschen werden zu können, der so anziehend ist; die Maske, hinter der man sich verbergen kann, um sich nicht selbst zu zeigen, oder, wie es Max Reinhardt sagte, "sich unaufhörlich in andere Menschen zu verwandeln, um in den anderen am Ende sich selbst zu entdecken". Schaut man Craig in seinen Filmen genau zu, mit Nicole Kidman in "Invasion", als Soldat in "Der Schützengraben" oder in "Love Is the Devil", wenn er eine schwule SM-Liebe mit dem Maler Francis Bacon vorspielt, dann sieht man immer einen, der in sich selbst herumwandert. Typisch, auch bei Bond, der vorsichtige und forschende Blick, so als sei er gerade in einer fremden Welt zu Besuch und schaue sich erst mal um. Das hat er behalten aus seiner Liverpooler Kindheit. Genauso wie die Gewissheit, nicht gifted zu sein, nicht mit Schönheit oder einem 1,90 Meter großen athletischen Körper beschenkt zu sein. Der, zu dem nicht automatisch hochgeschaut wird, muss sich hocharbeiten, muss das, was er kann, kernschmelzen. Mit einem Zucken der Augenbraue mehr sagen als Schwarzenegger, wenn der eine Tür eintritt. "Potato Head" nannten ihn seine Freunde, Kartoffelkopf. "Ich hatte damals die Arroganz zu glauben, dass ich nichts anderes werden könnte als Schauspieler", sagt er. Mit 16 Jahren packt er seine Koffer und geht nach London.

In der Schauspielklasse der Guildhall School of Music and Drama sitzt er neben Ewan McGregor, Joseph Fiennes und Alistair McGowan. Die new boys des britischen Kinos wollten sie werden und probierten sich alle an Shakespeare aus. Craig nicht. Er hasste es, wegen der langen Texte, aber auch wegen der albernen Kostüme und der aristokratischen Steifheit, "man suchte smarte Eton-Jungs, ich wusste, posh passt nicht zu mir, ich kann es einfach nicht". Mitte der 90er-Jahre drehte McGregor schon "Trainspotting" und Fiennes "Gefühl und Verführung" mit Bertolucci; Daniel Craig wischte Tische in Londoner Restaurants ab und schlief bei Freunden auf dem Flur. Doch dann kam ein Anruf, der wie ein Gnadenbrot schien: Die BBC wollte ihn für die TV-Serie "Our Friends in the North", eine Art bessere "Lindenstraße", die großartige Kritiken bekam. Craig spielte Geordie, einen Stripclub-Besitzer, "es war eine gute Schule, wir lernten einen Charakter zu schaffen und den auch zu spielen. Wie ein Jahr russisches Theater", sagt Craig. Schon damals schauten die Frauen dem urwüchsigen Spiel Craigs mit stiller Faszination zu. Er hatte diesen gewissen Sex gut aussehender Klempner, der Ladys zu seufzenden Fantasien verführt. Frauenmagazine fragten nach Interviews, und Craig wäre beinahe eine Art englischer Til Schweiger geworden, schön anzusehen, aber... Doch er sagte Nein, keine Interviews, keine "So entspanne ich in London"-Geschichten. "Daniel hat nie den einfachen Weg genommen", sagt einer seiner ältesten Freunde, der Schauspieler Nick Reding, "er hat sich immer für die wenig befahrenen Straßen interessiert."

Einen schwulen Beischläfer, einen mordenden Dealer, einen israelischen Attentäter, einen geistesgestörten Anstaltsinsassen - Daniel Craig nahm stets die Schauspiel-Steilwand ohne Sicherungsseil, wortkarg und hoch konzentriert, ein Schauspieler wie ein Schwamm, der sich mit seiner Rolle vollsaugt. Ganz im Sinne Reinhardts ist das Schauspiel für Daniel Craig Existenzbeweis: "Irgendwann kommt der Punkt der reinen Erfüllung deiner selbst, wenn du sagen kannst 'Ich habe Menschen bewegt, ich habe geschafft, dass Menschen anders denken'. Das ist dann wie eine Droge, und du willst nie wieder damit aufhören." Wie bei vielen anderen verbirgt sich bei Craig in der Existenzsuche auch die Suche nach Applaus. Das hat bei ihm wenig mit Gefallsucht zu tun, sondern mit der Sucht, bewertet zu werden. "Du öffnest dich und erlaubst Menschen zu beurteilen, was du machst. Das ist ein großer Schritt", meint er. In der Schauspielerei ist "die Konkurrenz sehr wichtig. Wer das leugnet, lügt. Die Konkurrenz ist die Ambition".

In Hollywood dürfte er so was nicht sagen, in Hollywood sind alle gute Freunde, alle wünschen sich Glück, alle sehen great aus. Craig denkt noch heute darüber nach, ob es Pierce Brosnan ehrlich meinte, als er ihm zum Bond gratulierte: "Mach es, es ist ein großer Ritt." Alle Welt wusste, dass Brosnan den 007 gern noch weiter gespielt hätte. Was muss er gedacht haben, wenn er in den Zeitungen las, Craig sei nun wirklich der beste Bond aller Zeiten? Craig sagt, dass es 2005 auch düstere Tage gab. Kaum war er gekürt, tobte es auf Internetseiten gegen ihn. Zu klein, zu blond, und der soll ja nicht einmal ein Auto mit Schaltung fahren können, nur Automatik, die Memme. Das hat ihn, sagt er, "verletzt". Das war gegen seine Logik, erst mal zu machen und dann kritisiert zu werden. Umso mehr hat er sich in den Bond hineingegraben, "ich wusste, dass das mein Leben völlig verändern würde, und ja, ich wollte es denen allen zeigen". Sagen wir mal so: Entspannt klingt anders. Entspannt ist aber auch nicht wichtig. "Was ich an Bond und den Romanen von Ian Fleming mochte", sagt Craig, "war diese männliche Romantik, dass die Arbeit immer vorgeht." Nicht die Arbeit, um sich den dritten Porsche oder ein Haus in der Karibik zu kaufen, sondern die Arbeit als etwas Existenzielles. "Ein Mann zu sein heißt ja nicht, Macho zu sein, sondern ganz einfach die Verantwortung für das zu übernehmen, was du hast, und es zu verteidigen." Familie zum Beispiel, Kinder, Freunde. Daniel Craig kann sehr liebenswert schroff werden, wenn man jetzt weiterfragt. Mit 22 hat er mal geheiratet, die Ehe hielt drei Jahre, er hat eine Tochter, heute 15 Jahre alt. "Ja", ist sein Kommentar wenn man danach fragt. Später lebte er sieben Jahre mit Heike Makatsch zusammen, die er bei den Dreharbeiten zu "Obsession" kennengelernt hat. "Stimmt", sagt er dazu. Man könnte ihm jetzt mit Napoleon assistieren ("Von Frauen spricht man nicht, man beschäftigt sich mit ihnen"), aber das wäre zu viel Feldherrenhügel.

Nach dem Ende der Makatsch-Zeit, anno 2004, tauchten in London Bilder von Craig und Kate Moss auf. Es war noch vor Bond, und die Zeitungen schrieben: "Das Supermodel und der unbekannte Schauspieler". Dass es wüste Wochen mit Moss waren und dass Craig irgendwann vor Erschöpfung aufgab. Er selbst kommentierte das nur einmal mit: "Wenn nur die Hälfte der Geschichten stimmen würde, wäre es eine gute Story. Aber noch nicht einmal die Hälfte stimmt." Aber da war er nun auf dem Londoner Boulevard des "Wer schläft mit wem" angekommen und hatte angeblich auch gleich noch eine Affäre mit Sienna Miller und so weiter. Ob das alles stimmt oder nicht, es führt zu keinerlei Erkenntnis über den Mann, der auf der Leinwand gleichzeitig sich selbst und nie sich selbst spielt. Heute lebt Craig mit der amerikanischen Filmproduzentin Satsuki Mitchell zusammen, und natürlich weiß man nichts Genaues, außer dass sie manchmal Bio-Gemüse einkaufen.

Wenn man den Gerüchten des Boulevards glauben will, dann waren die sieben Jahre für Makatsch keine Seelenwellness. Einmal sagte sie in der "Zeit" auf die Frage, ob sie glücklich sei, "nein, aber immer mal wieder. Das private Leben ist doch ein ständiges Auf und Ab". Vielleicht ging es auch vorbei, weil sie beide Suchende waren. Wenn man sich heute "Obsession" anschaut, ist sehenswert, wie Craig und Makatsch vor der Kamera an so was wie Liebe zwischen ihnen herumzupfen, ungläubig, dass es das große Gefühl sein könnte. Aber da kommt wieder Liverpool durch, nichts ist ein Geschenk im Leben, "Beziehungen sind nicht einfach, und ich glaube, wenn du aufhörst, hart an ihnen zu arbeiten, gehen sie kaputt. Das sind Lektionen, die du lernen musst. Das Leben geht weiter".

Es ist Nachmittag in London, und Daniel Craig muss gehen. Wenn er über den Flur davongeht, schaut man ihm nach. Manche Männer versteht man besser, wenn sie gehen, weil ihre Arme und Beine eine Sprache haben. Und es fällt einem die Geschichte ein, als 1961 der Produzent Albert Broccoli einen Schauspieler für den ersten Bond-Film suchte. Das war hier in der Nähe, und sie hatten sich den fast unbekannten ehemaligen Kohlenschlepper Sean Connery ins Büro bestellt. Man sprach, und die Bond- Produzenten waren skeptisch. Connery war ihnen zu wortkarg und felsig, lieber hätten sie Roger Moore gehabt, aber der hatte abgesagt. Dann, Connery ging, stand Broccoli am Fenster und sah ihm auf der Straße nach. "Wir haben ihn", sagte er, "er hat den Gang eines Mannes."