Japans Kaiser Akihito Der Rastlose


Er sorgt er sich um sein Volk, spendet Trost und will den Menschen Hoffnung machen. Seit 20 Jahren sitzt Kaiser Akihito auf Japans Thron und machte aus der ältesten Monarchie der Welt einen modernen, volksnahen Hof.

Er setzt sich für die Bedürftigen und Älteren ein, macht den Opfern von Naturkatastrophen Mut, besucht Altenheime und Einrichtungen für Behinderte. Und auch als das Volk kürzlich über die schwer angeschlagene Gesundheit des inzwischen 75 Jahre alten Monarchen erfuhr, ließ dieser sich nichts anmerken. Lächelnd wie immer zeigte sich Akihito zu Neujahr dem Volk und drückte seine Hoffnung aus, dass 2009 für die Bürger ein besseres Jahr werden möge als das vergangene.

Kaiser Akihito, dessen Regentschaft den Namen Heisei ("Frieden schaffen") trägt, ist der erste Tenno, der sein Amt nicht mehr als Gott antrat. Sein 1989 verstorbener Vater Kaiser Hirohito, posthum Showa-Tenno genannt, hatte am 1. Januar 1946 in seiner sogenannten Menschlichkeitserklärung der Göttlichkeit des Kaisers entsagt. In seinem Namen war Japan in den Zweiten Weltkrieg gezogen. Laut der Nachkriegsverfassung muss sich sein ältester Sohn und Thronfolger Akihito, der am 12. November 1990 offiziell zum 125. Tenno ausgerufen worden war, auf die Rolle als Symbol der Einheit der Nation beschränken. Regierungsbefugnisse sind dem Kaiser alle genommen.

Das Kaiserpaar überrascht mit Lockerheit

Um die Zeremonien der Inthronisation Akihitos hatte es heftige Auseinandersetzungen gegeben. Kritiker sahen in den Shinto-Ritualen einen Verstoß gegen den Grundsatz der Nachkriegsverfassung einer Trennung zwischen Religion und Staat. Zudem basierten die Riten auf dem Befehl der Sonnengöttin Amaterasu, was unvereinbar sei mit dem verfassungsmäßigen Symbolcharakter des Tennos und damit gegen die Souveränität des Volkes verstoße. Heute, zwei Jahrzehnte nach Beginn der Regentschaft Akihitos, hat die Diskussion um das Tennosystem an Heftigkeit verloren. Mehr als 80 Prozent der Japaner sind für den Erhalt der Monarchie. Dazu trägt bei, dass Kaiser Akihito der erste Repräsentant eines etwas moderneren, dem Volke näheren Hofes ist.

Zwar lebt der Tenno hinter den Mauern seines schlichten Palastes im Herzen Tokios weiterhin ein Leben, das - weitgehend abgeschirmt vom erzkonservativen Haushofamt - von uralten Zeremonien geprägt ist. Doch der Kaiser gibt sich, anders als sein Vater, bürgerlicher und ist mit Kaiserin Michiko unermüdlich auf Reisen, wobei der Kaiser mit offenem Wagenfenster zu fahren pflegt und den Menschen zuwinkt, um den Untertanen näher zu sein. Auch auf internationalen Reisen wie 1993 nach Europa beeindruckte das Paar mit überraschender Lockerheit und dem Bruch des strengen Protokolls. Eine weitreichende Bedeutung kam ihrem Besuch 1992 in China zu, dem ersten eines Tenno im Reich der Mitte. Akihito drückte dabei sein "tiefes Bedauern" über das Leid aus, das Japan dem chinesischen Volk zugefügt habe. Auch gegenüber dem Präsidenten Südkoreas sprach der Kaiser 1998 sein Bedauern aus.

Die familiäre Tragödie am Hof

Ungewöhnlich war zudem, als der Tenno an seinem 68. Geburtstag auf die koreanischen Wurzeln seiner frühen Vorfahren hinwies und erklärte, dass er eine gewisse Verwandtschaft mit Korea spüre. Zuhause ist Kaiser Akihito jedoch nicht frei von Sorgen. Kurz vor seinem 75. Geburtstag am 23. Dezember 2008 hatten Ärzte bei ihm Rückstände von Blutungen in Magen und Darm gefunden, nachdem er wegen unregelmäßigen Pulses und hohen Blutdrucks Termine absagen musste.

Die Ärzte führten dies auf physischen und psychischen Stress zurück. Der Tenno, der sich 2003 einer Krebsoperation hatte unterziehen müssen, sorge sich um die Zukunft der Thronfolge und "vieles" andere, ließ der Chef des erzkonservativen Haushofamts, Shingo Haketa, das Volk wissen. Gemeint sei, so spekulierten viele in Japan, eine familiäre Tragödie am Hofe: Eine Kluft zwischen dem Kaiser und seinem ältesten Sohn und Thronfolger, Kronprinz Naruhito, und dessen Gemahlin, Kronprinzessin Masako. Die einst fröhliche Karriere-Diplomatin leidet bereits seit langem unter Depressionen, woran zum Teil das restriktive Leben im Palast Schuld sein soll.

Das Drama um den Thronfolger

Ihr Mann hatte 2004 für Wirbel gesorgt, als er erklärte, es habe "Bestrebungen" am Hofe gegeben, die Karriere und Persönlichkeit seiner Gemahlin zu untergraben. Masako sei "erschöpft" vom jahrelangen Versuch, sich der kaiserlichen Familie anzupassen. Jahrelang stand Masako unter Druck, einen männlichen Thronfolger zugebären. Sie bekam zwar eine Tochter, die heute siebenjährige Prinzessin Aiko, doch dem Gesetz nach ist ihr der Thron verwehrt. Naruhitos jüngerer Bruder, Prinz Akishino und dessen Frau, Prinzessin Kiko, haben das Thronfolgeproblem einstweilen dadurch gelöst, indem sie Kaiser Akihito spät noch einen Enkel schenkten, Prinz Hisahito.

Lars Nicolaysen/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker