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Atomkatastrophe: Fukushima bleibt für immer Sperrgebiet

Lasst alle Hoffnung fahren: Viele Fukushima-Flüchtlinge werden nie wieder in ihre Heimat zurückkehren. Ein hochrangiger japanischer Politiker sprach die bittere Wahrheit am Sonntag erstmals aus.

Irgendwann nimmt die Strahlenbelastung ab, irgendwann geht es zurück nach Hause. Von Anfang an war es eine ferne Hoffnung, die die japanische Regierung den Flüchtlingen der Fukushima-Region machte. Zwei Jahre nach der Atomkatastrophe hat ein führender Vertreter der Regierungspartei nun erstmals die bittere Wahrheit ausgesprochen: "Es werde die Zeit kommen zu sagen: 'Ihr könnt dort nicht mehr leben, aber ihr erhaltet Entschädigung'", sagte der Generalsekretär der Liberaldemokraten, Shigeru Ishiba der Zeitung "Asahi Shimbun" vom Sonntag. Die Regierung müsse die Gebiete benennen, die wegen der radioaktiven Verseuchung niemals mehr bewohnbar sein würden. Die Frage der Rückkehr ist in Japan politisch brisant.

Wenige Tage zuvor hatte ein japanischer Abgeordneter dem Kaiser ein Schreiben zur Atomkatastrophe in Fukushima überreicht und damit ein Tabu gebrochen. "Ich wollte dem Kaiser direkt die derzeitige Situation schildern", sagte der Atomkraftgegner Taro Yamamoto. "Er muss etwas über die Kinder wissen, die durch Radioaktivität verseucht wurden. Wenn das so weitergeht hat es ernsthafte Auswirkungen auf unsere Gesundheit." Kaiser Akihito habe den Kopf gesenkt und das Schreiben an einen Kämmerer weitergereicht. Gesagt habe der 79-Jährige nichts, so Yamamoto. In Japan gilt es als unvorstellbar, den Kaiser, der ähnlich wie der deutsche Bundespräsident eine rein repräsentative Rolle einnimmt, in politische Fragen zu verwickeln.

Tepco fährt wieder Gewinne ein

Der Fukushima-Betreiber Tepco hat derweil erstmals seit der Katastrophe vor zweieinhalb Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der japanische Energiekonzern wies am Donnerstag für die sechs Monate bis Ende September einen Nettogewinn von umgerechnet 4,6 Milliarden Euro nach einem Verlust von 2,2 Milliarden Euro vor einem Jahr. Der Umsatz stieg im ersten Geschäftshalbjahr um fast zwölf Prozent auf 24 Milliarden Euro. Möglich wurde das Gewinnplus hauptsächlich durch drastische Kostensenkungen und die Aufschiebung von Wartungsarbeiten, hieß es.

Dennoch stehen dem Unternehmen unsichere Zeiten bevor: Die Regierung erwägt, Tepco wegen seiner massiven Probleme bei der Bewältigung der AKW-Havarie aufzuspalten und Befugnisse zu entziehen. Tepco wurde vergangenes Jahr mit Steuermitteln gerettet und damit de facto verstaatlicht. Über die Frage, inwieweit die Regierung sich direkt in die Firma einmischen soll, wird in Japan kontrovers debattiert.

150.000 Japaner heimatlos

150.000 Menschen flohen im März 2011 nach der atomaren Katastrophe aus dem Gebiet um das nördlich von Tokio gelegenen Atomkraftwerk Fukushima. Ein Erdbeben und ein Tsunami hatten zu einer Kernschmelze und Explosionen in den Reaktoren geführt und große Mengen Radioaktivität freigesetzt. Auch heute noch tritt immer wieder verseuchtes Wasser aus.

Derzeit sind sämtliche 50 Atomkraftwerke im Land abgeschaltet. Die Regierung will die ersten Reaktoren aber so schnell wie möglich wieder hochfahren, sobald diese die verschärften Sicherheitsbestimmungen erfüllt haben. In den betroffenen Regionen herrscht jedoch starker Widerstand.

jwi/Reuters / Reuters