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+++ Liveticker zur Japan-Katastrophe +++: Experte: Fukushima gefährlicher als Tschernobyl

Nach Einschätzung eines deutschen Experten ist die Menge an Radioaktivität, die in Fukushima entwichen ist, ist um ein Vielfaches größer als in Tschernobyl. Die radioaktiven Partikel verteilten sich in Japan über einen Radius von 300 bis 500 Kilometern. Die Ereignisse im Liveticker.

+++15.12 Uhr: Experte: Folgen von Fukushima-Unglück dramatischer als Tschernobyl+++

Die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima wird nach Einschätzung eines deutschen Experten möglicherweise weitaus größere Schäden verursachen als das Unglück von Tschernobyl. "Die Menge an Radioaktivität, die in Fukushima entwichen ist, ist um ein Vielfaches größer als in Tschernobyl", sagte der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, der Physiker Sebastian Pflugbeil, am Mittwoch in Berlin anlässlich eines Kongresses zum 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986.

Laut Pflugbeil unterscheiden sich beide Katastrophen dadurch, dass es sich in Tschernobyl um eine massive Explosion handelte, bei der radioaktive Strahlung bis zu 15 Kilometer in die Höhe geschossen wurde. In Fukushima dagegen sei die Radioaktivität schrittweise entwichen. "In Fukushima brennt nichts", sagte Pflugbeil. Vielmehr verteilten sich radioaktiven Partikel nach und nach über einen Radius von 300 bis 500 Kilometern. Da die Bevölkerungsdichte in der Gegend um das japanische Atomkraftwerk weitaus höher sei als bei Tschernobyl in der Ukraine, würden auch die Schäden "um ein Etliches" höher sein.

+++14.00 Uhr: Japans Industrie droht Stromrationierung im Sommer +++

Um Engpässe in der Energieversorgung zu vermeiden, könnten Konzerne in der Region um Tokio auf eine Reduzierung des Verbrauchs um ein Viertel verpflichtet werden, sagte ein Regierungsvertreter, der nicht genannt werden wollte. Im Sommer schnellt wegen des weitverbreiteten Einsatzes von Klimaanlagen der Bedarf in die Höhe. Unklar ist, ob der Energieversorger Tepco den Ausfall in der Stromerzeugung durch das havarierte AKW Fukushima ausgleichen kann.

Eine phasenweise Abschaltung gilt als Mittel, unkontrollierte Stromausfälle zu verhindern. Nach Einschätzung von Experten könnte ein Energie-Engpass der drittgrößten Volkswirtschaft langfristig einen größeren Schaden zufügen als Beben und Tsunami zusammen.

+++13.48 Uhr: Neue Plutoniumfunde in Fukushima +++

Auf dem Gelände des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima ist an vier Stellen im Erdboden erneut radioaktives Plutonium entdeckt worden. Wie die Betreiberfirma Tepco am Mittwoch mitteilte, könnte ein Teil des in sehr geringer Konzentration aufgetretenen Plutoniums aus den Reaktoren des Atomkraftwerks stammen. Die Bodenproben stammten demnach vom 25. und 28. März. Zuletzt seien bei Bodenproben vom 21. und 22. März ähnlich geringe Werte von Plutonium 238, 239 und 240 festgestellt worden, die keine Gefahr für die Gesundheit darstellten.

+++13.11 Uhr: Kronprinzenpaar spendet Trost +++

Der japanische Kronprinz Naruhito und seine Gemahlin Masako haben den Opfern der verheerenden Katastrophe im Nordosten des Landes Trost gespendet. Das Paar besuchte am Mittwoch Überlebende, die in einer Sporthalle in Tokio untergebracht sind. Der Thronfolger und seine Frau knieten sich vor den Schlaflagern der Menschen auf den Boden und widmete sich ihnen in ruhigen Zwiegesprächen.

Das Volk bekommt das Paar nur selten zu sehen. Kronprinzessin Masako erholt sich von jahrelangen Depressionen und tritt nur selten in der Öffentlichkeit auf. Vor dem Kronprinzenpaar hatte sich auch Naruhitos Vater, Kaiser Akihito, mit seiner Frau Michiko mit Opfern getroffen.

Nicht mit großen Worten rührt die Kaiserfamilie derzeit ihr Volk, sondern mit kleinen Gesten. So ließ der Kaiser Baderäume für Bedienstete in einer kaiserlichen Villa im ostjapanischen Ort Nasu nahe der Unglücksregion für Opfer des Erdbebens und Tsunamis öffnen. Um die Bemühungen der Menschen zum Energiesparen zu unterstützen, lässt der Kaiser in seiner Residenz in Tokio jeden Tag für ein paar Stunden den Strom abschalten. Auch ließ das Kaiserpaar Hilfsgelder in die Katastrophenregion schicken, wie Medien meldeten.

+++ 12.53 Uhr: Japan überdenkt erlaubte Strahlendosis +++

Angesichts der Atomkrise überdenkt die japanische Regierung ihre Bestimmungen zur erlaubten jährlichen Strahlendosis. Weil die Bewohner aus der Region um das zerstörte Kernkraftwerk Fukushima Eins über einen längeren Zeitraum dem Risiko radioaktiver Strahlen ausgesetzt seien, könnten Anpassungen notwendig werden, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch laut japanischen Medienberichten. Die gegenwärtig geltenden Höchstgrenzen seien für den Fall festgelegt worden, dass Menschen über einen nur kurzen Zeitraum hoher Strahlung ausgesetzt sind.

Nach den gegenwärtigen Bestimmungen erfordert eine radioaktive Konzentration von über 50 Millisievert eine Evakuierung. Sobald 10 Millisievert überschritten sind, werden die Bewohner aufgefordert, im Haus zu bleiben. Basierend auf diesen Zahlen hatte die Regierung Bewohner im Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk Fukushima 1 aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Diejenigen Bewohner, die im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern leben, sind weiterhin aufgefordert, ihr Haus nicht zu verlassen.

+++ 9.25 Uhr: Toyota dementiert Bericht über Autoproduktion +++

Der japanische Autobauer Toyota dementiert einen Zeitungsbericht, wonach sich die Fertigung nach Beben und Tsunami bald normalisieren soll. "Es wird nächste Woche in den meisten Werken keine Wiederaufnahme der Produktion geben", sagt eine Firmensprecherin und widerspricht der Darstellung in der Zeitung "Nikkei". Toyota werde mitteilen, wann sich der Betrieb normalisiere, sagt die Sprecherin. Bislang belaufe sich der Produktionsausfall in Folge des schweren Erdbebens vom 11. März auf 260.000 Fahrzeuge. Die Zahl beziehe sich auf den Zeitraum vom 14. März bis einschließlich 8. April.

+++ 9.15 Uhr: Regierung plant Sonderhaushalt +++

Die japanische Regierung plant zum Wiederaufbau der Katastrophenregion einen ersten Nachtragsetat in Höhe von mehr als drei Billionen Yen (25 Milliarden Euro). Zur Finanzierung sollen zunächst keine neuen Schulden gemacht, sondern bereits eingeplante Ausgaben gekürzt werden, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet. Unter anderem wird darüber nachgedacht, eine Aufstockung des Kindergelds und die Einführung weiterer gebührenfreier Autobahnen auszusetzen.

Mit dem Sonderetat sollen vor allem die Aufräumarbeiten, der Bau von provisorischen Häusern und der Wiederaufbau der Infrastruktur unterstützt werden. Später soll es weitere Nachtragsetats geben, womit sich die Gesamtausgaben auf zehn Billionen Yen belaufen könnten.

+++ 8.48 Uhr: Tokios Börse schwächer +++

Der Aktienmarkt in Tokio hat angesichts der unklaren Folgen der Katastrophe in Japan für die Wirtschaft schwächer tendiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zum Handelsschluss einen moderaten Verlust von 31,18 Punkten oder 0,32 Prozent beim Stand von 9584,37 Punkten. Der breit gefasste Topix büßte um 7,55 Punkte oder 0,89 Prozent auf den Stand von 839,61 Zählern ein. Die Aktie des Atombetreibers Tepco, dem die AKW-Ruine in Fukushima gehört, sackte weiter stark um 6,91 Prozent ab.

+++ 8.39 Uhr: Weniger Touristen in Japan +++

Ausländische Touristen machen wegen der Katastrophe in Japan einen großen Bogen um das gebeutelte Land. Die Zahl der Besucher aus anderen Ländern sei dramatisch gesunken, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Erhebungen der Einwanderungsbehörden. Zwischen dem 11. März, als ein verheerendes Erdbeben und der Tsunami das Inselreich heimsuchten, und dem 31. März seien im Durchschnitt pro Tag lediglich rund 3400 ausländische Besucher am Tokioter Flughafen Narita eingetroffen. Das seien 75 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

+++ 8.06 Uhr: Stickstoff soll Explosion verhindern +++

Mit der Einspeisung von Stickstoffgas in einen Reaktorbehälter der havarierten japanischen Atomanlage Fukushima will der Betreiber Tepco dort eine drohende Explosion verhindern. Die geplanten Arbeiten beträfen Reaktor 1 der Anlage, da sich dort so viel Wasserstoffgas ansammeln könne, dass es in Reaktion mit Sauerstoff zu einer erneuten Explosion kommen könne, sagt ein Tepco-Mitarbeiter. Berichten des Senders NTV zufolge könnten die Arbeiten noch am Mittwoch beginnen. Sie sollen demnach mehrere Tage dauern.

+++ 7.20 Uhr: Fischer wütend auf Tepco +++

Japans Fischer sind stinksauer über die radioaktive Verschmutzung des Meeres wegen der Atomkatastrophe in Fukushima. "Ich bin geschockt", sagt ein 64 Jahre alter Fischer aus der benachbarten Provinz Ibaraki. Den Verantwortlichen beim Atombetreiber Tepco würde er am liebsten "Wasser ins Gesicht kippen", zitiert die japanische Zeitung "Yomiuri Shimbun" den Mann. "Die sollen gefälligst die ganzen Fische, die wir nicht verkaufen können, selbst aufkaufen. Ich bin nur noch wütend".

+++ 3.58 Uhr: Entschädigungsfonds für Katastrophenopfer +++

Der japanische Atombetreiber Tepco erwägt einen Entschädigungsfonds für die Opfer der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press meldet, würden sich demnach sowohl der Betreiber als auch der Staat daran beteiligen. Wie hoch die Entschädigung für die Opfer am Ende ausfällt, wird noch geprüft. Es sind nicht nur die Bewohner betroffen, auch Landwirte, Fischer und Produktionsfirmen haben enorme Schäden durch die weiter andauernde Katastrophe erlitten. Tepco wird nach Einschätzung von Analysten kaum in der Lage sein, alle Kosten allein zu tragen. Ministerpräsident Naoto Kan hatte denn auch zuvor versichert, dass die Regierung letztendlich die Verantwortung trägt. Auch über eine Verstaatlichung des Atombetreibers wird diskutiert.

+++ 3.48 Uhr: Kinder gehen wieder zur Schule +++

In der japanischen Katastrophenregion können Kinder endlich wieder zur Schule gehen. In der Stadt Fukushima in der gleichnamigen Provinz, wo auch das havarierte Kernkraftwerk steht, wurden mehrere Kinder aus der Evakuierungszone in für sie neue Grundschulen eingeschult, melden lokale Medien. Sie lebten ursprünglich innerhalb der jetzigen 20-Kilometer-Sperrzone nahe der Atomruine Fukushima 1. Seit Beginn der Katastrophe hausen sie in Flüchtlingslagern. Wegen der plötzlich gestiegenen Zahl an Kindern an den erhalten gebliebenen Schulen wurden nun mehr Lehrer eingestellt.

+++ 0.17 Uhr: Leck ist abgedichtet +++

Das Leck am Atomkraftwerk Fukushima, aus dem seit Tagen radioaktiv verseuchtes Wasser drang, ist laut einem Agenturbericht behoben. Aus der Leitung von Reaktorgebäude 2 laufe kein radioaktives Wasser mehr ins Meer, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Jiji. Nach vergeblichen Versuchen mit Beton und Kunststoff hatten die Einsatzkräfte Flüssiggas zum Abdichten des Risses eingesetzt.

mlr/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters