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+++Japan-Liveticker+++: Toyota legt wieder los

Die Opferzahlen in Japan steigen - genauso wie die EU-Grenzwerte für Essen aus dem Land. Immerhin: Autobauer Toyota will wieder produzieren. Die Ereignisse im Ticker.

+++20:59 Uhr: Toyota fährt Bänder wieder hoch+++

Der weltgrößte Autobauer Toyota öffnet einem Medienbericht zufolge in der kommenden Woche wieder die meisten seiner Werke in Japan. Ein Großteil der noch geschlossenen 15 Fertigungsfabriken nehme den Betrieb wieder auf, berichtet die Wirtschaftszeitung "Nikkei". Nach dem verheerenden Beben und Tsunami hatte der japanische Konzern zwischenzeitlich alle Bänder in seinem Heimatland angehalten. Laut Nikkei beläuft sich der Produktionsverlust vom 14. März bis zum Ende der laufenden Woche auf fast 300.000 Wagen. Auch in der kommenden Wochen wird Toyota wegen Lieferengpässen noch nicht alle Modelle wieder herstellen.

+++ 17.44 Uhr: EU will schärfere Grenzwerte für Essen aus Japan +++

Die EU will strengere Regeln für importierte Lebensmittel aus Japan. Die europäischen Strahlengrenzwerte für Nahrungs- und Futtermittel sollen an die strengeren japanischen angepasst werden. Das kündigt EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Straßburg an. "Ich möchte aber betonen, dass es sich hierbei nur um eine vorbeugende Maßnahme handelt", sagt Barroso vor dem Europaparlament. Ziel sei es, einheitliche Standards für alle EU-Lebensmittelimporte zu schaffen.

Indien hat unterdessen ein dreimonatiges Einfuhrverbot für Lebensmittel aus dem asiatischen Land beschlossen. Die Strahlenbelastung aus dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima könnte sich auf die gesamte Lebensmittelkette ausbreiten, begründet das Gesundheits- und Familienministerium den Schritt.

+++ 17.37 Uhr: Zahl der Toten steigt weiter +++

Die Zahl der Toten in Japan nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami steigt immer weiter. Bisher habe die Polizei 12.321 Todesfälle bestätigt, meldet der Fernsehsender NHK. Am Montagwaren rund 12.260 Opfer gezählt worden. Mehr als 10.000 Opfer wurden mittlerweile nach Angaben des Fernsehsenders identifiziert und ihren Familien übergeben. Insgesamt gelten demnach mehr als 27.000 Menschen seit der Katastrophe am 11. März als tot oder vermisst. Rund 165.000 Menschen lebten in Evakuierungszentren hauptsächlich in den Präfekturen Miyagi, Iwate und Fukushima.

+++ 16.50 Uhr: Westwinde transportieren radioaktive Partikel nach Nordamerika +++

Westwinde haben Partikel des radioaktiven Jod-131 von Japan an die Westküste Nordamerikas transportiert. Nach Angaben der Simon Fraser University in Kanada produzieren Ausgleichsbewegungen in 10 bis 16 Kilometern Höhe die stärksten natürlich auftretenden Winde mit Spitzenwerten von 540 Stundenkilometern. Mit solchen Geschwindigkeiten könnten die Partikel innerhalb eines Tages - in knapp 21 Stunden - von Fukushima nach Vancouver (Entfernung: etwa 11.200 Kilometer) gelangen. In der kanadischen Provinz British Columbia war das Kernspaltungsprodukt Jod-131 in geringen Mengen gemessen worden.

+++ 14.25 Uhr: Radioaktivität in kanadischem Trinkwasser +++

Im Wasser der kanadischen Stadt Vancouver sind radioaktive Spuren aus dem japanischen Kernkraftwerk Fukushima entdeckt worden. Allerdings sind die Werte "verschwindend gering", beruhigen neben dem kanadischen Gesundheitsministerium auch namhafte Experten in der Pazifikprovinz British Columbia. Der Atomforscher Kris Starosta von der Simon-Fraser-Universität (Vancouver) sagt der Nachrichtenagentur DPA: "Die Werte von radioaktivem Jod-131 stiegen sieben Tage nach dem Reaktorunglück in Fukushima an, sind seitdem aber wieder deutlich gesunken."

+++ 14.23 Uhr: Wind weht radioaktive Stoffe aufs Meer +++

Kräftiger Wind aus Südwesten weht radioaktive Stoffe aus dem japanischen Unglückskraftwerk Fukushima in den nächsten Tagen wieder aufs offene Meer. Die Temperaturen sind frühlingshaft und erreichen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach am Donnerstag Werte um 20 Grad. Regen ist erst am Freitag in Sicht.

+++ 12.50 Uhr: Kleiner Erfolg beim Stopfen des Lecks +++

Die Bemühungen des japanischen Atombetreibers Tepco, ein Leck am zerstörten Kraftwerk Fukushima zu schließen, zeigen erstmals Wirkung. Die Menge an austretendem Strahlenwasser habe sich "ein wenig" verringert, berichtet die Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf den Energiekonzern.

Arbeiter hatten nach mehreren gescheiterten Versuchen 1500 Liter Flüssigglas in den betreffenden Kabelschacht gefüllt. Die Chemikalie soll dafür sorgen, dass das unkontrolliert ins Meer strömende Wasser gestoppt wird. Es ist stark radioaktiv verseucht. Versuche, das Leck unter anderem mit Beton zu verfüllen, waren zuvor gescheitert.

+++ 12.37 Uhr: Suche nach Leck noch immer erfolglos +++

Aus den Ruinen des japanischen AKW Fukushima strömt weiter ungehindert verstrahltes Wasser in den Pazifik. Wo sich das Leck befinde, sei immer noch nicht klar, räumen die Atomaufsichtsbehörde und die Betreiberfirma Tepco ein. Zudem gelinge es nicht, Risse in einem Betonschacht am Reaktor 2 zu schließen. Südlich des Unglücksreaktors wurden in kleinen Fischen erhöhte Cäsiumwerte gemessen

+++ 12.00 Uhr: Tepco kämpft gegen verseuchte Wassermassen +++

Der Kraftwerksbetreiber Tepco braucht dringend Auffangmöglichkeiten für das Wasser, das zum Kühlen in die Gebäude des AKW Fukushima geleitet wurde und sich dort nun angesammelt hat. Die Behörden gehen davon aus, dass inzwischen 60 Millionen Liter der Brühe im Keller der Reaktorgebäude sowie in unterirdischen Kanälen stehen. Das Wasser behindert die Bemühungen, die Atomruine in den Griff zu bekommen.

Mit immer neuen Methoden versuchen die Helfer, die Strahlensuppe abzufangen. Am Dienstag setzte sich ein Tankfloß in Bewegung. Es soll später bis zu 10 Millionen Liter an radioaktiv verseuchtem Wasser aufnehmen.

+++ 10.50 Uhr: Südkorea ist besorgt +++

Südkorea bittet Japan um detaillierte Informationen über die Einleitung von radioaktiv verseuchtem Wasser aus dem Atomkraftwerk in Fukushima ins Meer. Südkorea habe eine entsprechende Anfrage über seine Botschaft in Tokio an die japanische Regierung gerichtet, sagt ein Sprecher des Außenministeriums vor Journalisten in Seoul. Südkorea benötigt demnach genaue Daten, um die möglichen Gefahren für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt abschätzen zu können. Südkorea sei nicht im voraus über die Einleitung des verseuchten Wassers ins Meer informiert worden.

Ein anderer Beamter des Außenministeriums widerspricht Berichten südkoreanischer Medien, wonach Seoul offiziell seine Bedenken gegen die Einleitung des verseuchten Wassers in den Pazifik an Tokio übermittelt habe. Aufgrund der Nähe zwischen beiden Ländern sei die Maßnahme ein "dringendes Problem" für Südkorea, zitiert die nationale Nachrichtenagentur Yonhap Regierungsbeamte in Seoul.

+++ 10.20 Uhr: Japaner bereiten Tankfloß vor +++

Japan hat zum Auffangen von radioaktiv verseuchtem Wasser ein riesiges Tankfloß in Bewegung gesetzt. Das sogenannte Megafloat legte am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in der Stadt Shimizu in der Provinz Shizuoka ab und wird zunächst in eine Werft in der Tokioter Nachbarstadt Yokohama gezogen. Dort soll es für den Einsatz an der Atomruine umgebaut werden, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtet.

+++ 9.24 Uhr: Tepco will Stromausfälle verhindern +++

Der Betreiber des japanischen Unfall-Atomkraftwerks Fukushima, Tokyo Electric Power (Tepco), will nach eigenen Angaben die Wirtschaft des Landes vor Stromausfällen im Sommer bewahren. Nach den verheerenden Naturkatastrophen kam es insbesondere im Großraum Tokio immer wieder zu Stromausfällen. Unter Experten wurden besorgte Stimmen laut, dass sich die Situation in den heißen Sommermonaten wegen der starken Nutzung von Klimaanlagen erheblich verschlechtern könnte. Ständige Stromausfälle könnten letzendlich Japan den schwersten wirtschaftlichen Schaden überhaupt zufügen. In der Region um Tokio und nördlich davon ist etwa die Hälfte der Industrie und des Gewerbes der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft beheimatet.

+++ 9.16 Uhr: Tepco pumpt weiter Wasser ins Meer +++

Am Atomkraftwerk Fukushima wird weiterhin radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gepumpt. Der Betreiber Tepco will damit Platz schaffen, um in Tanks noch stärker verstrahltes Wasser speichern zu können. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, strömten bis Dienstagmittag (Ortszeit) rund 3430 Tonnen leicht belastetes Wasser in den Pazifik. Insgesamt sollen 11.500 Tonnen abgelassen werden.

+++ 8.40 Uhr: Tepco-Aktie stürzt ab +++

Der Aktienkurs der Fukushima-Betreiberfirma Tepco ist an der Tokioter Börse weiter abgestürzt: Er rauschte um rund 18 Prozent in die Tiefe. Grund sind die Zweifel der Anleger an der Fähigkeit des Konzerns, die Lage am Atomkraftwerk Fukushima noch unter Kontrolle zu bekommen. Tepco hatte am Montag begonnen, radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik zu leiten, um Platz für stärker belastetes Wasser zu schaffen.

+++ 8.19 Uhr: Tepco leistet erste Entschädigungzahlungen +++

Die Menschen aus der Gegend um das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima sollen erste Entschädigungszahlungen bekommen. Das Geld könnte zum Monatsende fließen - wie viel, ist aber noch unklar. Über die Höhe will sich der Betreiber Tepco mit der Regierung beraten, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Konzern berichtet. Weil sich die Atomkrise noch lange hinziehen dürfte, handelt es sich um vorläufige Entschädigungen. Die Zahlungen seien von der Regierung angeordnet worden, sagt Wirtschafts- und Industrieminister Banri Kaieda.

Tepco hat bereits damit begonnen, neun betroffenen Gemeinden jeweils 20 Millionen Yen (170.000 Euro) zu zahlen. Die Gemeinde Namie in der Unglücksprovinz weigerte sich jedoch, das Geld anzunehmen. Sie verlangt, dass Tepco sich zuerst direkt bei den Bürger entschuldigt und ihnen Entschädigungen anbietet.

+++ 8.09 Uhr: Japan will Klimaziele weiterhin erreichen +++

Japans Regierung weist Behauptungen zurück, das Land wolle nach der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima auf eine Lockerung seiner im Kyoto-Protokoll festgeschriebenen Klimaziele dringen. Eine Sprecherin des Umweltministeriums in der Hauptstadt Tokio sagt, Japan wolle keine Ausnahmegenehmigung beantragen. Die japanische Tageszeitung "Nikkei" berichtete zuvor, das Land werde nach dem Erdbeben vom 11. März zur Deckung des Energiebedarfs mehr fossile Kraftstoffe in Strom umwandeln müssen und daher mehr Kohlendioxid ausstoßen.

+++ 6.51 Uhr: Schwindler nutzen Angst vor Strahlung aus +++

In Japan haben zwei profitgierige Schwindler die Angst der Menschen in der Katastrophenregion vor radioaktiver Strahlung ausgenutzt. Die Männer aus Kobe drehten ihren Opfern gefälschte Medizin an, die angeblich gegen Strahlung im Körper helfen soll, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press meldete. Mehr als 1000 Menschen fielen auf den Schwindel herein. Insgesamt 24 Millionen Yen (200.000 Euro) zogen die Täter den Opfern aus der Tasche. Jetzt flogen sie auf und wurden verhaftet. Außer dem finanziellen Verlust sei niemand zu Schaden gekommen. Die in Japan nicht zugelassenen Flaschen hatten die Täter in Amerika gekauft.

+++ 5.56 Uhr: Milbenkrankheit im Katastrophengebiet +++

In den japanischen Katastrophengebieten müssen sich die Menschen vor einer gefährlichen Milbenart in Acht nehmen. Das Nationale Institut für Infektionskrankheiten warnt vor einer Ausbreitung des durch die Herbstgrasmilbe verursachten japanischen Flußfiebers, auch "Tsutsugamushi"-Krankheit genannt.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf das Institut berichtet, könnten durch Erdrutsche in Folge des Erdbebens vom 11. März Schlammmassen mit der Tsutsugamushi-Milbe in Gebiete gelangt sein, die zuvor nie einen Ausbruch der Krankheit erlebten hatten. Bei einem zwischen 60 und 70 Jahre alten Mann in der Unglücksprovinz Fukushima, wo das havarierte Atomkraftwerk steht, war am 22. März die Krankheit diagnostiziert worden, hieß es weiter.

Frühling und Herbst sind die Jahreszeiten, in denen die Krankheit am häufigsten auftritt. Patienten, die von der Milbe gebissen wurden, leiden unter anderem unter Fieber und Ausschlag. Ohne angemessene Behandlung, könnten sich Symptome verschlimmern, hieß es. Die Krankheit ist in Japan meldepflichtig.

mlr/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters