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Jerry Lewis: Sieben Minuten Horror - das schlimmste Interview des Jahres

Es dürften wohl die schlimmsten sieben Minuten in seinem Berufsleben gewesen sein: Ein Journalist des "Hollywood Reporter" will Jerry Lewis interviewen - doch der Komiker lässt ihn permanent auflaufen.

Jerry Lewis

Mit Jerry Lewis ist nicht gut Kirschen essen.

Es ist so ziemlich der größte Alptraum, den man als Journalist erleben kann: Man trifft eine berühmte Persönlichkeit zum Interview, hat sich gut vorbereitet - und dann lässt der einen komplett auflaufen. Genau das ist einem Kollegen des "Hollywood Reporter" passiert, als er den großen Jerry Lewis traf. Da dieses Gespräch von der Kamera aufgezeichnet wurde, ist dieses siebenminütige Dokument des Scheiterns für die Nachwelt überliefert. 

Gleich mit der ersten Antwort wird absehbar, dass dies ein schwieriges Gespräch werden würde. Ob er jemals daran gedacht habe, sich zur Ruhe zu setzen, will der Reporter von Lewis wissen. "Warum?" kommt die schneidende Antwort des 90-Jährigen. Der Fragesteller präzisiert: "Gab es jemals einen Moment, an dem Sie gedacht haben, es könnte Sinn haben, aufzuhören?". Erneut bellt Jerry Lewis: "Warum?". Damit ist der Ton gesetzt. Und es wird nicht besser. Aber sehen Sie selbst:


In den folgenden sieben Minuten spielt der Komiker das komplette Repertoire an Verweigerungsmöglichkeiten aus. Er blickt den Interviewer kontinuierlich missmutig an. Antwortet auf Fragen einsilbig, sofern es geht sagt er einfach nur "nein". Und zerstört mutwillig jede Frage. Als der Interviewer wissen will, inwieweit es anders ist, heute aufzutreten als vor 20 Jahren, sagt Lewis: "Ist es nicht." Inwieweit Las Vegas heute anders ist als bei seinem ersten Auftritt dort 1947. Auch hier blockt der Star ab: "Es ist genauso wie damals." Auf Nachfrage präzisiert er sogar noch: "Exakt das Gleiche."

Jerry Lewis äfft den Interviewer nach

Immer weiter spielt Lewis seine Spielchen mit dem tapferen Fragesteller. Wie er über die Jahre sein Publikum habe halten können, will der nun wissen. "Du sagst dem, dass du einen Auftritt hast, und dann kommen sie." Einmal - ein besonders fieser Moment - äfft Jerry Lewis sogar das Lachen des Journalisten nach.

Der Mann vom "Hollywood Reporter" kämpft sich immer verzweifelter durch seine Fragen, wiederholt gegen Ende jede Antwort von Lewis, um sich an irgendwas festzuhalten. Bis dann der erlösende Satz fällt: Wir sind damit wohl fertig.

Dass der "Hollywood Reporter" dieses Protokoll eines Desasters zur Veröffentlichung freigibt - das nötigt allerdings großen Respekt ab. Denn es zeugt gleichermaßen von Selbstironie wie von einer ganz professionellen Berufsauffassung.

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