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Petersen Auto Museum: Heißer Kunststoff

"Fantasies in Fiberglass" - eine Show mit den seltensten Plastikautos, den verrücktesten Kunstfaser-Spinnereien auf vier Rädern und einem hässlichen Betrugswerkzeug. Alles zu sehen im Petersen Automotive Museum in Los Angeles.

Von Helmut Werb, Los Angeles

Im Jahr 1974, kurz nach der ersten Ölkrise, beauftragte Geraldine Elizabeth Carmichael, eine ein-Meter-achtzig große und neunzig Kilo schwere Landschönheit aus Indiana, den amerikanischen Car-Designer Dale Clift, ein dreirädriges, quietschgelbes Auto zu entwerfen, das 3,3 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen sollte. Dass Designer Dale einen recht unfertigen Prototypen ablieferte (um es mal vornehm auszudrücken), kümmerte Frau Carmichael wenig. Das gesamte Unternehmen, die 20th Century Motor Car Corp., stellte sich kurze Zeit später als einziger großer Schwindel heraus, als die Polizei in Florida Frau Carmichäl in einem Blumenladen verhaftete. Mit dem unbescheidenen Motto "Dollar für Dollar das beste Auto, das jemals gebaut wurde" war Geraldine auf Investorensuche gegangen und hatte mehrere Dutzend Gutgläubige um Millionen von Dollar betrogen. Wie sich außerdem herausstellte, war Geraldine gar keine üppige Prairieblume sondern ein Transsexueller, der in Wirklichkeit Jerry Dean Michäl hieß.

Der Stoff, aus dem die Autoträume waren

Der berüchtigte 20th Century Dale ist eines der Schmuckstücke der Ausstellung "Fantasies in Fiberglass" im Petersen Automotive Museum in Los Angeles. Neben dem gelben Bauernfänger präsentiert das Petersen zwanzig Prachtstücke aus über sechzig Jahren: vom prächtig restaurierten Maverick Sportster aus dem Jahr 1952, der ursprünglich ohne Motor- und Kofferraumhaube auskommen sollte - bei Bedarf wurde die gesamte wie bei einem modernen Dragster angehoben. Bis hin zu der ältesten Dodge Viper, die es gibt, ein Vorproduktionsmodell aus dem Jahr 1992, allesamt Fahrzeuge, deren Karosserie aus Fiberglas besteht, einem Werkstoff, der der Phantasie der Designer mehr kreativen Spielraum (im wahrsten Sinne des Wortes) gab als Aluminium oder Stahl.

In den 30er Jahren war Fiberglass hauptsächlich zur Isolierung und Wärmedämmung verwendet worden, aber nach dem Zweiten Weltkrieg benützten Ingenieure das fasrige Zeug zunehmend, um verrückte Autos in Mini-Serien zu bauen. Wer Lust auf die eigene Autofabrik in der Garage hatte, kaufte sich genügend Gips, um eine Grundform zu kleistern, lupfte die hartgetrocknete Karosserie dann einfach auf einen bestehenden Fahrzeugrahmen, und fertig war der "Friedrich Johann Special".

Die Knetmasse des Karosseriebaus

"Da hat sich bis heute nicht viel verändert", sagt Chris Brown, Sprecher des Petersen Automuseums. "Viele Kleinserienhersteller verwenden das Prinzip, vor allem hier in Kalifornien." Der sogenannte Auto-Aftermarket zum Beispiel könnte ohne Fiberglass für Kotflügelverbreiterungen und Spoiler gar nicht existieren. Viel schöner hingegen sind die fertigen Produkte aus der automobilistischen Vergangenheit. Ed "Big Daddy" Roth, Kult-Star unter amerikanischen Autofans, nützte das Material am konsequentesten aus und baute phantastische Hot Rods mit riesigen Achtzylinder-Motoren, die mit Gebrauchs-KfZs nicht mehr das Geringste zu tun hatten. "Der '59er Outlaw von 'Big Daddy' ist sicher eines der schöneren Exemplare der gesamten Ausstellung", sagt Chris Brown.

Die Ära des Überstülpens

Der Rest kann sich ebenfalls sehen lassen. Der 1946 Stout Project Y des Flugzeugingenieurs Bill B Stout gilt als das erste Auto, das aus Fiberglas hergestellt wurde, und benötigte keinen separaten Rahmen. Der Crosley Skorpion, ein skuriler Kit-Car von LeBaron-Designer Ralph Roberts und John A. Wills, wurde in Anaheim produziert - allerdings mit wenig kommerziellem Erfolg, der winzige Stecher war wohl zu klein für den US-Geschmack. Deutlich erfolgreicher waren die Devlins, Kit-Cars, die aussahen wie Ferraris und auf fast jedes amerikanisches Auto-Chassis passten. Bob Sorrell's SR-100 basierte auf dem gleichen Prinzip, jedoch mit dem Unterschied, dass der Sorrell-Manning Bob's eigenem Aluminium-Roadster nachempfunden ist. Das berühmteste Fiberglass-Car ist jedoch mit Abstand die erste Corvette aus dem Jahr 1955. Als General Motors in den frühen 50er Jahren mit den Planungen für einen "erschwinglichen Sportwagen für junge Leute" begann, rechnete der Konzern mit homöopathischen Verkaufszahlen und ließ die Corvette auf Fiberglas-Basis konzipieren, jene Bauweise, die bis in fast in die 70er Jahre beibehalten wurde. Die größte Fiberglas Karosserie hingegen hat die Mercury Studie des D-528 Concept Cars "Beldone" aus dem Jahr 1955, eine gigantische Limousine, mit Tank und Reserverad in den hinteren Kotflügeln, die ausserdem im Jerry Lewis Film "The Patsy" zu Kinoruhm kam.

Auch Old Europe mischte mit

Auch Europäer sind vertreten – eine Volvo P-1900 Studie, die der damalige Volvo Chef Assan Gabrielson 1956 in Auftrag gab, ohne Zweifel beeindruckt von Chevy's Corvette. Kurze Zeit später änderte er seine Meinung, nachdem ein schwedischer Versuchsingenieur den Prototypen getestet hatte - der Petersen Volvo ist der Letzte von rund 70 gebauten P-1900s. Ein Porsche 356 versteckt sich unter der Plastik-Haut des 1961 Covington Tiburon, dem einzigen Automodell, das jemals in Tampa, Florida, gebaut wurde. Und ein stinknormaler VW Käfer lieferte die Grundlage für den ersten Meyer's Manx, dem Vorläufer von Millionen von Dune Buggies auf Volkswagen Basis.

Ein herrlicher Pegaso aus Spanien, ein 500PS-Mittelmotor Supersportwagen aus dem Jahr 1979, ist eines der seltensten Plastik-Stücke, die Petersens Kurator Leslie Kendall zusammengetragen hat. "Wir haben den einzigen Prototypen hier stehen", bedauert Chris Brown. "Der Pegaso ging leider nie in Serie."

Ein Einzelkind also genau wie eben jener berüchtigte Dale des Schlawiners Geraldine/Jerry. Vielleicht stehen sie ja deshalb gleich nebeneinander.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.