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Häusliche Gewalt Warum der Prozess um Johnny Depp und Amber Heard nicht zum Lachen ist

Johnny Depp und Amber Heard
Johnny Depp und Amber Heard vor dem Gerichtsgebäude in London
© Victoria Jones / Picture Alliance
Der aktuell laufende Prozess von Johnny Depp gegen die britische "The Sun" offenbart Szenen seiner Ehe mit Amber Heard. Die beiden Stars demütigen sich mit Fotos und anderen Beweisen. So werden alle zu Verlierern - auch die Öffentlichkeit.

Prominente und ihre Eskapaden sorgen immer wieder für Belustigung und werden zu Scherzmaterial für all jene, die sich nicht regelmäßig in den Schlagzeilen wiederfinden müssen. Derzeit ist es der Gerichtsprozess zwischen Johnny Depp und der britischen News Group Newspapers (NGN), der allgemeine Fassungslosigkeit und viele erstaunte Reaktionen auslöst. Es geht um Fäkalien im Bett, um mutmaßliche Schlägereien an Bord von Privatjets und um Saufgelage, die in komatösen Zuständen endeten, anders gesagt: Es geht um die mittlerweile gescheiterte Ehe zwischen Depp und Schauspielerin Amber Heard.

Johnny Depp und Amber Heard: eine toxische Beziehung

Der US-Amerikaner hat das britische Boulevardblatt "The Sun" verklagt, weil dieses ihn in einer Überschrift einen "Frauenschläger" genannt hatte. Das ist sein gutes Recht. Genauso ist es das gute Recht des Medienhauses, sich zu verteidigen. Dabei stützt sich NGN auch auf Aussagen von Amber Heard, die seit Jahren behauptet, ihr Ex-Mann sei ihr gegenüber vermehrt gewalttätig geworden. Der 57-Jährige sagt wiederum, Heard habe ihn geschlagen und ihn für ihre eigene Karriere ausgenutzt. Am Mittwoch sagte Heards ehemalige Assistentin aus, die Schauspielerin habe ihre Erlebnisse mit häuslicher Gewalt benutzt und so getan, als hätte sie die Gewalt erlebt.

Noch ist der Prozess nicht vorbei, es werden noch weitere Zeugen aussagen. Es scheint, als wäre die kurze Ehe der Hollywoodstars offenbar geprägt gewesen von Drogeneskapaden und Gewaltepisoden. Eine - gelinde gesagt - toxische Beziehung, die zum Glück für alle Beteiligten ein Ende gefunden hat. Doch dieser Tage kommen so skurrile Details zum Vorschein, dass der Prozess im Internet nicht grundlos als absolute (und buchstäbliche) "Shitshow" bezeichnet wird. Nur ein Beispiel: Depp wirft Heard vor, in das gemeinsame Ehebett gekotet zu haben. Daraufhin habe er die Scheidung gewollt. Sie streitet das ab.

Es gibt nur Verlierer

Nach all den Enthüllungen - seien es Fäkalien oder abgetrennte Finger - weiß fast jeder: Dieser Prozess wird nur Verlierer hervorbringen. Die Karrieren und die öffentliche Wahrnehmung von Depp und Heard wird kaum noch zu trennen sein von den vielen Geschichten, die gerade im Umlauf sind. 

Doch schlimmer noch: Es scheint, als würde durch die belustigten Reaktionen darauf das eigentliche Thema verharmlost werden: häusliche Gewalt. Es geht hier nicht um Eskapaden von zwei Superstars, sondern um ein Thema, das viel zu viele Menschen überall auf der Welt betrifft. Gerade jetzt, da die Corona-Pandemie die Zahlen in die Höhe schießen lässt. Laut der Nachrichtenagentur dpa verzeichnete alleine die Berliner Gewaltambulanz im Juni einen Anstieg von 30 Prozent der Fälle häuslicher Gewalt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 

Eine NGO berichtete derweil, dass es während des Lockdowns in Großbritannien dreimal so viele getötete Frauen gegeben hat. Nicht grundlos sprechen die Vereinten Nationen von einer "Schattenpandemie".

Während die Fotos von Fäkalien im Ehebett, einem bewusstlosen Johnny Depp oder Läster-SMS zwischen ihm und seinen Kumpels also mancherorts für Lacher sorgen, sollte klar sein: Das zugrunde liegende Thema ist bitterernst - und ganz frei von Hollywood-Glamour. 

Quellen: dpa / "Centre for Women's Justice"


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