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K.o.-Tropfen-Witz Joyce Ilg und Faisal Kawusi: Nichts kapiert und dann nicht mal lustig

Joyce Ilg
Joyce Ilg wird für ihren K.o.-Tropfen-Witz kritisiert
© Picture Alliance
Für einen umstrittenen Witz auf Instagram bekam Joyce Ilg scharfe Kritik. Sie bezog sich in einer Erklärung auf die Kunstfreiheit. Eine schlechte Verteidigung. 

Drei Tage ist es jetzt her, dass Joyce Ilg zu einem Selfie von sich mit Luke Mockridge folgende Caption verfasste: "Hat hier irgendwer von euch Eier gefunden? Ich hab nur ein paar K.o. Tropfen bekommen." Die Reaktionen darauf waren größtenteils vernichtend. Auch von Kolleg:innen und Fans bekam Ilg Kritik. Das lag nicht nur an dem Witz selbst, sondern auch an dem Kontext, in dem er gerissen wurde, einem Foto mit Mockridge. 

Joyce Ilg: Kritik an K.o.-Tropfen-Witz

Es sollte eine Anspielung auf einen Witz aus Mockridges früherem Bühnenprogramm sein. Aber auch Mockridges Vergangenheit spielte in der Kritik an Ilgs Spruch eine Rolle. Eine Ex-Freundin beschuldigt den Comedian der versuchten Vergewaltigung, das Verfahren wurde eingestellt. Er bestreitet die Vorwürfe. "Der Spiegel" berichtete im vergangenen Jahr ausführlich über mutmaßliches Fehlverhalten des 33-Jährigen. Auch diese Anschuldigungen bestreitet er. Und doch sah Ilg ausgerechnet ein Bild mit Mockridge als gute Gelegenheit, um einen Witz über K.o.-Tropfen zu reißen.

Die überwältigende Kritik ließ Ilg danach eher kalt. Sie beschwerte sich, Todesdrohungen bekommen zu haben und versuchte, ihren Witz zu erklären. Apropos Todesdrohungen. Auf den Kommentar von Songwriterin Silvi Carlsson, sie habe selbst schon mal K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt bekommen, antwortete Ilgs Kollege Faisal Kawusi: "Das nächste Mal werde ich die Dosis verstärken, versprochen." 

Keine gute Comedy

Nach unten zu treten ist einfach, aber ist es guter Humor? Laut Verhaltensforscher und Psychologe Peter McGraw muss ein guter Witz einen wunden Punkt treffen, denn Menschen können durchaus über moralische Verstöße lachen. Ricky Gervais, der auch für seine Witze auf Kosten anderer Menschen bekannt wurde, ist da ein gutes Beispiel. Laut McGraw gibt es aber eine feine Grenze, die er in seiner "Benign Violation Theory" erklärt: Ein Witz ist eben nicht lustig, wenn er auf Kosten von Vergewaltigungsopfern geht. 

"Damit eine Verletzung Humor hervorruft, muss sie auch als harmlos wahrgenommen werden. Das heißt, sie muss in Ordnung, sicher oder akzeptabel erscheinen", erklärt der Forscher. Ein Vergewaltigungswitz ist nie gute Comedy. Umso schlimmer, wenn er in Anwesenheit eines Menschen gerissen wird, dem Fehlverhalten vorgeworfen wurde. "Der Witz ist handwerklich so schlecht geschrieben, der könnte von Luke Mockridge sein" – so brachte es die Autorin Sophie Passmann auf den Punkt. 

Statt in sich zu gehen und (konstruktive) Kritik auf sich wirken zu lassen, verlor sich Joyce Ilg in Erklärungen und bezog sich wieder und wieder auf die grenzenlose Freiheit der Kunst. Als wolle ihr jemand das freie Wort verbieten. Klar, Kunst kennt keine Grenzen. Aber Kunst kennt Qualität und vor allem: fehlende Qualität. 

Verwendete Quellen: "The Atlantic" / Peter McGraw / "Der Spiegel"

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