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Kate Middleton: Kiss me, Kate!

Prinz William liebt sie, die Queen mag sie - schon wird Kate Middleton in England als royale Braut gehandelt. Der Junge kann froh sein, wenn's klappt.

Mit allem war bei der ältesten Leibesfrucht von Charles und der seligen Diana zu rechnen. Nur gegen Normalität schien Prinz William von Geburt an gefeit. Da gibt es die pittoreske Verwandtschaft rund um Königin Elizabeth, von der britischen Kolumnistin Julie Burchill nicht ganz zu Unrecht als "Haufen dysfunktionaler Graeco-Germanen" tituliert. Da gibt es die scheintote Mutter, die zwar seit acht Jahren in einem Grab ruht, zugleich aber quietschlebendig ist, wollen doch die Enthüllungen über die so bezaubernde wie bulimische Hocharistokratin nicht abreißen. Vorläufig letzter Stand: Die selbst ernannte "Königin der Herzen" hat Kokain geschnupft (kreisch!) und eine Affäre mit John F. Kennedy Jr. gehabt (stöhn!).

Des Weiteren ist die Existenz einer Stiefmutter zu verzeichnen, die bis vor kurzem mit nichts als Jeans, Hemd, Zigarette und Hundehaaren bekleidet eine patente Figur im Pferdemist machte, nur um sich gleich nach der Trauung mit dem grämlichen Thronfolger in ein David-Hamilton-Model für Senioren zu verwandeln, so pastellfarben kommt Camilla neuerdings daher.

Geschlagen

mit einer solchen Familie, konnte aus dem 23-jährigen William eigentlich nur ein schlecht aufgerolltes Wollknäuel in Menschengestalt werden. Ein Gaga-Monarch mit eklektischen Hobbys wie Moorhuhnjagd, Minenfeld-Forschung, Metaphysik, Eurhythmie, Dolce & Gabbana und Darmspülung und Beziehungen, so langlebig und kurzweilig wie die Ehe zwischen Eva Braun und Adolf Hitler. Stattdessen scheint der Prinz aus der Art geschlagen: So erhielt er im Juni als erstes Mitglied seiner Familie die Note Gut für seine Magisterarbeit - in Geografie über das Korallenriff von Rodrigues. Und durch die Wahl seines Girlfriends hat er tatsächlich das Vorhandensein von gesundem Menschenverstand in seinem wohlgeformten Schädel bewiesen.

Kate Middleton, ebenfalls 23, verfügt über ein freundliches Lächeln, langes braunes Haar, den gestählten Körper einer Sportlerin, einen Magister in Kunstgeschichte und keinerlei Leichen im Keller. Sie kommt aus einer grundsoliden und wohlhabenden Familie, die ihr Geld nicht geerbt, sondern erarbeitet hat. Ihre Eltern, die ehemalige Stewardess Carole und Papa Michael, besitzen eine Firma namens "Party Pieces", die Zubehör für Kindergeburtstage via Internet vertreibt, und konversieren beim Abendessen wahrscheinlich nicht über Rauhaardackel, sondern Börsenkurse.

Kate, das älteste von drei Kindern, hat es offenbar geschafft, das piekfeine Internat Marlborough College mehr oder weniger ungeknutscht zu absolvieren. Dort brillierte sie weniger durch ihren Intellekt, dafür aber in Hockey, Tennis und Hochsprung sowie durch vortreffliches Betragen, Diskretion und gute Manieren.

Mithin: Sie ist nicht Rokoko, sie ist Habitat, sie ist nicht Wahn, sie ist Mittelmaß und Mittelschicht. Und somit vielleicht genau das Richtige für den blonden und hoch gewachsenen Prinzen, dessen Bedarf an Exzentrik schließlich hinreichend im Elternhaus abgedeckt wurde. Kates Leben ist ein kleines, murmelndes Bächlein. Noch.

Denn seit William der "frischen englischen Rose" ("Mirror") an der schottischen Universität St. Andrews ansichtig wurde, wo die beiden nicht nur drei Jahre lang in einer WG lebten, sondern alsbald unzertrennlich waren, wird sie als potenzielle royale Braut gehandelt. Und als die Queen Kate Ende August dann noch nach Balmoral bat - eine schwere Prüfung, die sie gleichwohl gemeistert zu haben scheint -, fiel ein Teil der britischen Presse ins Delirium. Hunderte von hungrigen Journalisten schwärmten aus, um Schauriges über sie in Erfahrung zu bringen - massenhaft frühere Boyfriends etwa, Ecstasy-Konsum, Joint-Genuss, nächtliche Trunkenheit inklusive verrucht-verrutschter Halbbekleidung, Hippie-Eltern oder auch nur splitterfasernacktes Baden in irgendeinem schottischen Loch.

Ergebnis: Zwar trat la Kate

einmal in Gegenwart des Prinzen in einem durchsichtigen Gewand auf einer Modenschau auf, darunter sich deutlich Slip, BH sowie prächtige Proportionen abzeichneten, doch das Spektakel diente selbstverständlich der Wohltat. Ansonsten: Nichts. Kate ist ein rundum "nettes Mädchen", "innen so schön wie außen" und "loyal zu ihren Freunden", bilanzierte unlängst enttäuscht die "Daily Mail". Die war ausgezogen nach Bucklebury in Berkshire, wo Kates Familie lebt, und fand lediglich heraus, dass das Anwesen ihrer Eltern, "Eichenland" geheißen, "umgeben von Eichen ist", wen wundert's, und über eine "separate Garage" mit "makelloser Kiesauffahrt" verfügt, ach Gott.

Im Umgang mit der Presse erwies sich die eventuelle Azubi-Monarchin bislang als selbstbewusst und kompetent. Öffentliche Diskussionen über ihre Kenntnis von Männern im biblischen Sinn nahm sie bislang klaglos hin. Aber als sie einmal gefragt wurde: "Ist es nicht schön für Sie, mit dem Prinzen auszugehen?", antwortete sie prompt: "Ist es nicht schön für den Prinzen, mit mir auszugehen?"

Es ist offenbar schön für ihn. Inzwischen sucht das adrette Paar nach einer gemeinsamen Wohnung in London. Sie möchte dort in einer Galerie arbeiten, er dagegen ein Praktikum in einer Bank absolvieren, bevor er die Aufnahmeprüfungen für die Militärakademie Sandhurst machen will, um sich zu stählen für diesen eigentümlichen Staffellauf, der bekanntlich 60 Jahre dauern kann und den man Monarchie nennt. Zwar blaffte William noch im Frühjahr einen Journalisten an: "Ich bin zu jung, um zu heiraten. Das kann warten, bis ich 28 oder 30 bin."

Doch vielleicht nimmt sich das Duo auch die Worte des Vizekanzlers von St. Andrews zu Herzen, der bei ihrer Abschlusszeremonie sprach: "Vielleicht habt ihr hier euren künftigen Gatten oder eure spätere Ehefrau getroffen. Wir verlassen uns darauf, dass ihr nun hinfort geht von St. Andrews und euch mehret."

Und wenn das einmal geschehen ist, dann kann William für seine Kleinen bei den Schwiegereltern niedliche Piratenhüte für 5,95 Pfund bestellen. Wie du und ich und Krethi und Plethi. Schön, nicht wahr? Und so demokratisch! Aber vielleicht doch ein klein wenig zu bürgerlich?

Macht nichts:

Denn es gibt ja auch noch Harry, den kleinen Bruder, den mit der Armbinde, der unter Umgehung eines Studiums gleich in Sandhurst gelandet ist, wo er derzeit unter Stacheldraht durchrobbt, wenn er nicht gerade mit seiner Freundin Chelsy Davy Händchen hält. Die kommt aus Zimbabwe, ist steinreich, trägt "orangefarbene Boob-Tubes" sowie "Schlangenleder-Minis", konsumiert gerne Hochprozentiges, wie der "Mirror" unlängst atemlos verkündete, und hat einen Vater, der Geschäfte mit dem finsteren Diktator Robert Mugabe macht. Eine Liaison, Lichtjahre von einer Hagebutten-tee-Idylle entfernt. Für Entertainment ist bei den Windsors somit weiterhin gesorgt.

Stefanie Rosenkranz / print