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KÖNIGLICHES ZERWÜRFNIS: Wenn Prinz Edward Prinz William filmt

Prinz William ist verärgert, Prinz Charles »kocht vor Wut«, die Königin selbst ist »not amused« - und das alles, weil Prinz Edward unbedingt TV-Journalist sein will.

Prinz William (19) ist verärgert, der Zustand von Prinz Charles (52) wird von Helfern als »kochend vor Wut« beschrieben, die Königin selbst ist wieder einmal »not amused« - und das alles, weil Prinz Edward (37) unbedingt TV-Journalist sein will. Ein Kamerateam von Edwards TV-Produktionsfirma Ardent hat versucht, die ersten Tage von Williams Kunstgeschichtsstudium an der schottischen Universität St. Andrews zu filmen. Die Reporter von Williams Onkel Edward verstießen damit als einzige gegen Regeln, die das Königshaus für die Medien aufgestellt hatte.

Der Insider-Bericht ist bereits verkauft – an die USA

Die Paparazzi, über die sich die Insassen von Buckingham Palace so oft beklagten, gehören jetzt sozusagen zur Familie. Während alle anderen Journalisten sich aus St. Andrews zurückzogen, nachdem sich William dort bei der Ankunft den Kameras gestellt und damit seinen Teil für gute Beziehungen zu den Medien getan hatte, blieben Edwards Kameraleute an Ort und Stelle und pirschten dem Neffen des Chefs hinterher. Denn Edward, Nesthäkchen im britischen Königshaus und seit 1993 um Anerkennung als Fernsehjournalist bemüht, hatte dem US- Sender E!-Entertainment den Bericht als Teil einer Serie »Monarchie von A bis Z« verkauft.

»Es ist unglaublich!«

Zuerst bestritt Ardent, dass das Fernsehteam William gefilmt habe. Edward habe gar nicht gewusst, dass sich seine Leute dort aufhielten - und dann habe er sie sofort zurückgepfiffen. Das sehen andere ganz anders. »Sie haben versucht, William zu filmen und er hat das bemerkt. Das ist sehr enttäuschend, da alle anderen Journalisten sich an die Regeln gehalten haben«, sagte Colleen Harris, Sprecherin von Prinz Charles. »Wir haben sie mehrfach aufgefordert zu gehen. Es ist unglaublich«, sagte Uni-Rektor Andrew Neil über den Bruch der Berichterstattungsregeln. »Wir wussten ja, dass irgendwann jemand dagegen verstoßen würde. Aber dass das eine Firma sein würde, die Williams eigenen Onkel gehört, so etwas kann man sich ja gar nicht ausdenken.«

Vor allem Williams Vater, Thronfolger Prinz Charles, »kocht vor Wut« - und das sei »sehr zurückhaltend ausgedrückt«, sagt ein Mann in seiner Umgebung. Am ersten Tag des Semesters hatten Universitätsangestellte das TV-Team vor der St. Salvator-Kapelle direkt gegenüber der Studentenbude von William gesichtet und des Campus verwiesen. Die Universität wandte sich an Charles - und der rief sofort Sir Robin Janvrin an, den höchsten und engsten Mitarbeiter der Königin. Der allerdings habe lediglich einem Mitarbeiter von Ardent sagen lassen, dass man dort nicht filmen dürfe, statt Edward, auch »Unsteady Eddie« genannt, direkt anzusprechen. »Charles ist wütend, dass Sir Robin die Sache nicht ernst genug genommen hat«, schrieb die »Daily Mail«.

Überschwängliche Entschuldigungen nach Entlarvung

Nach dem milden Rüffel aus dem Buckingham-Palast waren Edwards Leute am Mittwoch wieder in der Universität. Nach einem Handgemenge mit Angestellten der Universität und Williams Sicherheitsleuten wollten sie zunächst nicht sagen, für wen sie arbeiteten. Doch dann verschlug es allen den Atem: Das Team überreichte Visitenkarten von Ardent Productions. Edward rief dann bei Stephen Lamport, dem Privatsekretär von Charles, an und »entschuldigte sich überschwänglich«.

Charles fordert strikte Regeln für berufstätige »Royals«

Direkt scheinen Charles und Edward kaum noch miteinander reden. Im Juli war es zu einem denkwürdigen Zerwürfnis zwischen den beiden sowie Edwards Frau Sophie Rhys-Jones gekommen, nach dem die Kommunikation abbrach. Charles, der gerne von »Edwards Heimvideos« spricht, hatte die beiden aufgefordert, sich bei ihren Geschäften fürderhin zurückzuhalten. Nach der »Sophiegate«-Affäre, als PR-Frau Sophie im Gespräch mit einem falschen Scheich britische Politiker beleidigte, und nach weiteren Berichten über die Vermischung von Titel und Geschäft hatte Charles strikte Regeln für berufstätige »Royals« gefordert, sich damit bei der Frau Mutter aber nicht durchsetzen können.

»Familienpaparazzi« ernten nur Spott und Häme

In den britischen Medien, wo man eigentlich mit einem Bruch der Regeln durch ausländische Paparazzi rechnete, herrscht fassungslose Häme. Das Boulevardblatt »The Sun« riet William, doch beim britischen Presserat Beschwerde gegen Edward einzulegen: »Man kennt unseren Eddie dort doch schon so gut.«

Dieter Ebeling