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Kohl-Hochzeit: Mit dem Bild-Chef als Trauzeugen

Nach und nach werden die Einzelheiten der Kohl-Hochzeit bekannt: Die Söhne waren nicht da, getraut wurden der Ex-Bundeskanzler und Maike Richter von Monsignore Ramstetter, der auch schon die Trauerpredigt für Kohls erste Frau Hannelore gehalten hatte. Auch die Trauzeugen sind keine Unbekannten.

Schweigen ist eine der Lebensmaximen von Helmut Kohl. Nur ganz wenige und engste Freunde haben in den vergangenen Wochen erfahren, dass der ehemalige Bundeskanzler (1982 bis 1998) wieder an den Traualtar treten will. Die Auserwählte ist eine bis vor kurzem völlig unbekannte Frau auf der politischen Bühne: Die Regierungsdirektorin Maike Richter. Braut und Bräutigam trennen 34 Jahre. Beide sind sich - so die inoffiziellen Überlieferungen - irgendwann zwischen 2003 und 2004 näher gekommen. In einem Brief an die beiden Söhne und den Freundeskreis soll Kohl erst unlängst mitgeteilt haben, dass er wieder heiraten werde.

Der 78 Jahre alte Kohl ist inzwischen ein kranker Mann. Nur schwer atmend und mit Krücken konnte er im November 2007 bei der Vorstellung seines vorerst letzten Memoiren-Bandes die Bühne eines Berliner Hotels betreten. In der ersten Reihe bei der Pressekonferenz saß Maike Richter (44). Bei der Vorstellung der ersten Erinnerungs-Bände waren noch die langjährigen Vertrauten des Ex-Kanzlers anwesend. Sie fehlten jetzt. Vor allem Kohls Söhne Walter und Peter. Sie seien über die Hochzeit informiert gewesen und freuten sich, hieß es lapidar und unter Hinweis auf die Privatsphäre aus dem Berliner Büro des Ex- Kanzlers.

Seit mehreren Wochen wird Kohl wegen der Folgen eines Sturzes behandelt, nachdem ihm im rechten Bein ein neues Kniegelenk eingesetzt worden war. Die gleiche Prozedur hatte Kohl bereits im vergangenen Jahr über sich ergehen lassen müssen, damals am linken Bein. Bei dem Sturz habe Kohl auch ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, hieß es inoffiziell ohne nähere Angaben.

Trauzeugen: Leo Kirch und Kai Diekmann

Auf dem Gelände des Reha-Zentrums in Heidelberg steht eine kleine, unscheinbare Kapelle. Dort gab Kohl seiner Braut am vergangenen Donnerstag das Ja-Wort. Getraut hat die beiden Monsignore Erich Ramstetter, ein alter Freund. Zuvor hatten Kohl und Richter vor einem Standesbeamten die Ehe geschlossen. Trauzeugen waren der Chefredakteur und Herausgeber der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, und der Medienunternehmer Leo Kirch. Mit dem jungen Diekmann und dem betagten Kirch ist Kohl in Freundschaft verbunden. Der heutige "Bild"-Chef hatte Kohls 1996 in Buchform veröffentlichtes Bekenntnis "Ich wollte Deutschlands Einheit" zusammengeführt.

Maike Kohl-Richter, so ihr jetziger Name, stand ganz offiziell bei Kohls 75. Geburtstag am 3. April 2005 an seiner Seite. Die Beamtin, einst Mitglied der Jungen Union, gilt als glühende Verehrerin des Alt-Kanzlers. Die Volkswirtin war zunächst über das Wirtschaftsministerium in der Endzeit von Kohls Regentschaft in das Kanzleramt gekommen. In der Wirtschaftsabteilung der Regierungszentrale war sie ihrem Idol nahe, ohne dass dieser das wusste.

"Wir sind sehr glücklich"

Einige Jahre später, Kohl war nach der Wahlniederlage gegen Gerhard Schröder (SPD) abgetreten und hatte unter den Folgen des Spendenskandals zu leiden, soll sich Richter ein Herz gefasst haben. In seinem Büro habe sie ihn um eine Widmung in einem seiner Bücher gebeten. Damals - so heißt es aus Kohls Umgebung - soll der Funke auch bei ihm übergesprungen sein. "Wir sind sehr glücklich", hieß es am Dienstag in einer dreizeiligen Mitteilung des Kohl-Büros zur Hochzeit. Kohls zweite Frau wird als unkompliziert und natürlich, aber auch als äußerst durchsetzungsfähig beschrieben.

Der frühere Kanzler hatte lange Trauer getragen. Am 4. Juli 2001 hatte Hannelore Kohl, mit der er seit 1960 verheiratet war und zwei Söhne hatte, ihrem Leben in ihrem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim nach einer unheilbaren Krankheit ein Ende gesetzt. Die Trauerpredigt im Dom von Speyer hatte Monsignore Ramstetter gehalten.

Gerd Reuter/DPA