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Autor Heribert Schwan: Die spätkindliche Tragödie der Kohl-Söhne

Der Autor Heribert Schwan liegt im Clinch mit der Familie Kohl. Der Biograf der Familie fühlt sich von den Kohl-Söhnen verleumdet und attestiert den beiden Brüdern einen tragischen Geltungsdrang.

Von Hans Peter Schütz

Ein neuer juristischer Schlagabtausch zwischen dem Schriftsteller und Journalisten Heribert Schwan und der Familie Kohl steht bevor. Schwan fühlt sich von den Kohl-Söhnen Peter und Walter verleumdet. Anlass für die Fortsetzung des nun schon langjährigen Schlagabtauschs vor Gericht ist der Auftritt von Peter und Walter Kohl in der Talksendung von Markus Lanz. Hinzu kommt ein längeres Vorwort, das Peter Kohl in dem Buch "Hannelore Kohl. Ihr Leben" geschrieben hat. Das Buch ist jetzt vom Knauer-Droemer-Verleg zehn Jahre nach seinem ersten Erscheinen neu aufgelegt worden - offenbar aus Anlass des bevorstehenden 80. Geburtstages von Hannelore Kohl, die sich vor zwölf Jahren das Leben genommen hat.

Der Biograf und Politikwissenschaftler Schwan, der vor zwei Jahren selbst ein Buch über Hannelore Kohl geschrieben hat – "Hannelore Kohl, die Frau an seiner Seite" - übt jetzt überaus harsche Kritik am Auftreten der beiden Kohl-Söhne aus Anlass der Buchneuauflage und ihrem Fernsehauftritt.

"Die ewigen Kohl-Söhne"

stern.de sagte Schwan: "Die Kohl-Söhne entwickeln sich in meinen Augen immer mehr zu tragischen Figuren. Dem Vater in Aussehen, Sprache, Gestik und Geltungsdrang verblüffend ähnlich, und bislang eher nicht durch eigene biografische Verdienste aufgefallen, nutzen Walter und Peter Kohl offenbar jede Gelegenheit, sich in der Öffentlichkeit in ihrer Rolle als die ewigen Kohl-Söhne zu präsentieren."

Das Vorwort von Peter Kohl bewertet Schwan mit großem Zynismus. Er urteilt: "Offenbar von Fragen des Anstands unberührt und wohl in der Hoffnung, dass die Juristen des Vaters ihn weiterhin mit Nachsicht behandeln werden, weiß er in seinen einleitenden Worten zwar nichts wirklich Neues über die Mutter zu erzählen. Stattdessen aber ist er sich nicht zu schade, nun auch in die Schmuddelecken zu fassen und Gerüchte über den Beginn der Beziehung von Vater und Stiefmutter zu kolportieren."

Die Affären-Gerüchte waren bekannt

Das bezieht sich auf einen Passage von Peter Kohl, in der er behauptet, Kohl habe von einem dem Altkanzler sehr nahestehenden Informanten erfahren, dass die Affäre zwischen Helmut Kohl und Maike Richter schon Mitte der neunziger Jahre begonnen habe - also zu Zeiten, zu denen Hannelore Kohl noch lebte. Schwan selbst behauptet jetzt, von diesen Gerüchten habe er als Kohl-Biograf längst auch gehört, "es aber aus guten Gründen bei Andeutungen belassen." Hatte Schwan Skrupel? Offenbar, denn er erklärt dazu: "Peter Kohl hat diese Skrupel offenbar nicht, er geht in seinem Enthüllungsfuror sogar so weit, seine Stiefmutter wegen deren Begeisterung für alles, was mit dem Vater zu tun hat, mit einer Stalkerin zu vergleichen."

Die ganzen Vorgänge - das Vorwort im Buch und der TV-Auftritt der Kohl-Söhne - zeigt für Schwan, "wie klein die Hoffnung der Brüder wohl sein dürfte, jemals wieder die Gunst des übermächtigen Vaters zu erringen und wie tief die Verzweiflung sein muss, nach der leiblichen Mutter nun auch schon zu Lebzeiten den Vater verloren zu haben."

"Kohlsche Rechthaberei der Brüder"

Zutreffend an dieser Behauptung ist, dass Helmut Kohl schon lange für seine Söhne nicht mehr zu sprechen ist, weil er von Maike Richter völlig abgeschottet wird. Schwans Urteil über das Verhalten der Söhne: Eine "öffentlich zelebrierte, spätkindliche Tragödie".

Wie aus den weiteren Erklärungen von Schwan gegenüber stern.de zu entnehmen ist, rechnet der Schriftsteller mit einer neuen prozessualen Runde der Kohl-Söhne gegen ihn. Es geht dabei vermutlich, wie schon früher, um den Vorwurf Peter Kohls, Schwan habe in seinem 2011 erschienen Bestseller über Hannelore Kohl abgekupfert. Das wird von Peter Kohl jetzt erneut behauptet. Auch Walter Kohl greift Schwan massiv an: "Nicht weniger haltlos ist der von Walter Kohl bei der Lanz-Show sinngemäß wiederholte Satz, mein Buch über Hannelore Kohl enthalte falsche Tatsachen und Lebensbildverzerrungen." Das sei typisch für die "Kohlsche Rechthaberei der Brüder".

Schwan wünscht den Kohl-Söhnen dennoch, "dass sie irgendwann einmal wieder den Blick nach vorn richten und ein eigenes Lebensthema finden können." Allerdings: Seine Juristen prüfen derzeit die "nötigen rechtlichen Schritte" gegen Vorwort und TV-Auftritt der Kohl-Söhne.