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Kolumbien: Shakiras Insel der Hoffnung

Viele Emotionen, Tränen und ein großer Orden. Kolumbiens Weltstar Shakira hat sich einen Lebenstraum erfüllt: In ihrer Heimatstadt Barranquilla eröffnete die Mulitmillionärin einen aus eigenen Mitteln und deutschen Spendengeldern finanzierten Schulkomplex.

Von Tobias Käufer, Barranquilla

Wie eine unwirkliche Insel der Hoffnung wirkt das 15.000 Quadratmeter große Areal der "Fundacion pies descalzos" mitten im Armenviertel der kolumbianischen Industriestadt Barranquilla. Im Stadtviertel "La Playa" öffnen sich zwischen Wellblechhütten und Holzverschlägen ab nächster Woche für mehr als 2000 Kinder die Tore zu einer bislang unbekannten Welt voller Chancen und Perspektiven.

Die mittellosen Einwohner der Slums haben sich zu Tausenden hinter den Absperrgittern versammelt, als Kolumbiens Staatspräsident Alvaro Uribe und Shakira das beeindruckende Bauwerk inspizieren. "Jesus Christus liebt dich, du bis ein Engel", heißt es auf mitgebrachten Plakaten. In der neuen hochmodernen Schule sollen in Zukunft allerdings nicht nur die Kinder in Englisch, Kunst und Musik unterrrichtet werden, auch für deren Eltern gibt es einen eigenen Komplex: Viele haben in der eigenen Kindheit einen Klassenraum nicht von innen gesehen.

"Ciudad Shakira" (Shakiras Stadt) nennen die Einwohner der bettelarmen Millionenmetropole liebevoll die neue, rund vier Millionen Euro teure, weitläufige Anlage. "Diese Mauern zu berühren und zu spüren, dass sie Realität sind, ist eine unaussprechliche Sensation", sagte die 32-jährige kolumbianische Sängerin sichtlich bewegt.

Ein beeindruckendes Projekt

Einen Großteil des Projektes bezahlte die mehrfache Grammy-Gewinnerin aus eigener Tasche. Dazu kamen Spenden aus Deutschland: "Was wir hier gesehen haben, übersteigt unsere Erwartungen bei weitem", sagt Wolfram Kons, Charity-Chef des deutschen TV-Senders RTL. Die Kölner steuerten 785.000 Euro aus den Einnahmen des RTL-Spendenmarathons bei. Selbst für den hartgesottenen Spendenprofi Kons ist die Dimension des Projektes "mehr als beeindruckend."

Die Sängerin will mit dem Bau von Schulen und Bildungseinrichtungen in den ärmsten Regionen des Landes vor allem nachhaltig im Kampf gegen Armut und Bürgerkrieg helfen: "Wir müssen alle gemeinsam dieses Land voranbringen. Die Investition in Erziehung und Bildung ist der sicherste Weg zum Frieden".

Ob in Bogota, Quibdo oder Barranquilla: Mittlerweile durchzieht das vom Drogenkrieg gezeichnete südamerikanische Land ein Netz von Schulen der Shakira-Stiftung, das in dieser Form wohl weltweit einmalig ist. Fast 10.000 Kinder aus Regionen, die der Staat schon längst an die linke Guerilla oder rechte Paramilitärs verloren hat, erhalten auf diese Weise eine Chance, dem teuflischen kolumbianischen Kreislauf aus Drogenkriminalität, Armut und Gewalt zu entkommen. Für Shakira ist das soziale Engagement angesichts von knapp vier Millionen Binnenflüchtlingen, die der bewaffnete Konflikt in Kolumbien produziert, eine Verpflichtung: "Was wir in Kolumbien erleben, ist eine humanitäre Katastrophe." Alle Projekte sind langfristig angelegt, und selbst in umkämpfte Regionen wie die Provinz Choco reist sie wiederholt unangekündigt, um in ihren Schulen nach dem Rechten zu sehen.

In Lateinamerika schmiedete die erfolgreichste Musikerin ihres Kontinents deshalb ein Bündnis der prominentesten Künstler der Region und verhandelt als deren Sprecherin mit Staats- und Regierungschefs Südamerikas und der Karibik über eine Verbesserung der Situation der armen Bevölkerung dieses Teils der Welt.

Shakiras emotionaler Appell

In Barranquilla zeichnete Kolumbiens Staatspräsident die mit den Tränen kämpfende Sängerin vor 1000 geladenen Gästen mit einem Orden aus. Shakira nutzte dies zu einem emotionalen Appell: "Heute schließt sich der Kreis, und ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Man sieht, was möglich ist, wenn alle zusammenstehen und mithelfen. Dann können wir es schaffen, den Menschen ein Stück Hoffnung und Perspektive zurückzugeben. Dies ist ein Zeichen gegen die Gewalt und Armut in meinem Land."

Die blonde Künstlerin, die als Kind in eine kirchliche Schule ging, löst mit ihrem sozialen Engagement auch ein Versprechen an sich selbst ein: Zu Beginn ihrer Karriere legte die mit 50 Millionen verkauften CDs zu den weltweit erfolgreichsten Musikern der letzen Jahre zählende Südamerikanerin ein Gelübde ab: Von jedem verdienten Peso investiert sie mindestens ein Drittel in den Kampf gegen die Armut im eigenen Land. "Sie hat schon als Kind gerne geteilt und sich für die Schwächeren engagiert", sagt ihre ehemalige Lehrerin Schwester Ana Elisa Escobar. "Jetzt setzt sie es nur mit anderen Mitteln weiter um."