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Kurt Cobains 21. Todestag: Star einer verstörten Generation

Vor 21 Jahren machte Grunge-Legende Kurt Cobain seinem Leben ein Ende und erschütterte damit eine ganze Generation. Seine Tochter hat jetzt eine Dokumentation mit Familienaufnahmen produziert.

Der 5. April 1994 war ein Dienstag. Kurt Cobain, in zerrissener Jeans und Chucks-Sportschuhen, geht in das Gewächshaus auf seinem Grundstück. Er raucht ein paar Zigaretten und nimmt Heroin. Dann schiebt er sich die Mündung seiner Browning Auto-5 Selbstladeflinte in den Mund und drückt ab.

Der Schuss traf sinnbildlich eine ganze Generation. "Es war einer der dunkelsten, traurigsten Tage meines Lebens", sagt der Journalist und Buchautor Charles R. Cross der Nachrichtenagentur dpa in New York. Cross arbeite mehr als 15 Jahre lang beim Musikmagazin "The Rocket" in Seattle und erlebte den Aufstieg und das Ende von Nirvana mit. Vor rund einem Jahr veröffentliche er mit "Here We Are Now" ein Buch, das Cobains Einfluss auf seine Generation und die Musikszene thematisiert. "Mit Kurt ist vielleicht der letzte große Rockstar von uns gegangen", sagt Cross. "Es gibt keinen nach ihm, der dieses Charisma, diese Stimme und dieses Talent zum Schreiben von Songs in sich vereint."

Cobain-Doku mit unveröffentlichten Privatbildern

Seine Tochter Frances Bean hat jetzt den berührenden Dokumentarfilm "Montage of Heck" produziert, der den Mann hinter dieser Legende begreifen will. "I'm Kurt Cobain", sagt eine zarte Kinderstimme. Sie soll später als Sprachrohr einer ganzen Generation ihre Wut in die Welt hinausbrüllen. Doch davon ahnen die Geburtstagsgäste bei dem Fest für den fröhlichen, blonden Jungen noch nichts, der im Garten herumtollt und mit einer Gitarre spielt. Nur der Mittelfinger, den der Kleine in die Kamera zeigt, lässt einen Vorgeschmack zu auf die Rolle, die er einmal für Millionen junger Menschen auf der Welt spielen soll.

Es sind zum Teil bislang nie gezeigte Bilder von Kurt Cobain, die Regisseur Brett Morgen für seinen Dokumentarfilm über einen der größten Rockstars zur Verfügung hatte. Cobains Tochter und ermöglichte Morgen den Zugang zum bislang unveröffentlichten Nachlass der Rocklegende, der in Kisten in einem Lagerhaus verwahrt wurde.

Soundtrack einer verstörten Generation

Die Musik von Cobain und seiner Rockgruppe Nirvana war Anfang der 90er Jahre zum Soundtrack einer verstörten Generation geworden. Ihr in Seattle geborener Stil hieß "Grunge" (Schmutz) und war aggressiver Punkrock mit melodiösen Elementen. Mit Songs über zerbrochene Lieben, Gewalt, Drogen und Hoffnungslosigkeit spielten sie sich zu den Wortführern einer desillusionierten Generation hoch. "Die Musik hat Menschen berührt, weil sie sich mit sehr komplexen, universellen Emotionen wie Angst und Schmerz auseinandergesetzt hat", sagt Cross. "Das gab es vorher nicht. Vor Nirvana drehte sich die Musik um leichtere Themen."

20 Jahre nach seinem Suizid ist der Mann mit den strähnigen blonden Haaren eine Legende. In diesem Jahr wird Nirvana zum frühstmöglichen Termin in die Rock’n’Roll Hall of Fame eingehen. Die Regel besagt, dass Künstler 25 Jahre nach ihrer ersten Single oder ihrem ersten Album aufgenommen werden können – bei Nirvana ist das mit ihrer Single "Love Buzz" der Fall. Wie wichtig Cobain für heutige Generationen ist, lässt sich zwar nur schwer quantifizieren. Die Plattenfirma Universal Music wollte auf Anfrage keine Verkaufszahlen nennen. Laut Wirtschaftsmagazin "Forbes" löste Cobain 2006 jedoch kurzfristig Elvis Presley in der Liste der "am besten verdienenden Toten" ab. Ende 2008 kam eine zerschmetterte Gitarre von ihm für 100 000 Dollar unter den Hammer.

Auch andere Indikatoren verdeutlichen die Bedeutung der Grunge-Legende: Ein Beispiel ist der Hit "Smells Like Teen Spirit". Auf dem Internetportal YouTube gibt es allein von diesem Song Dutzende Versionen, die beliebteste wurde mehr als 144 Millionen Mal angeschaut. 2009 wurde der Song bei einer Abstimmung des Radiosenders Triple J in Australien zum besten Hit aller Zeiten gewählt, noch Anfang Februar diesen Jahres krönte das britischen Musikmagazine NME das Lied mit der gleichen Auszeichnung. "Junge Leute hören nach wie vor Nirvana", sagt Cross. "Natürlich verkörpert Nirvana eine gewisse Zeit, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie in dieser Zeit hängen geblieben sind, so wie viele andere Bands von damals."

"Wir haben lange versäumt, ihn zu ehren"

Trotz dieser Beliebtheit hatten Fans lange Zeit keine Anlaufstelle, um ihrem Idol zu huldigen. Die Behörden in Seattle im US-Staat Washington verweigerten der Grunge-Legende eine offizielle Grabstätte. Man fürchtete einen Ansturm hysterischer Verehrer. Und auch in seiner Heimatstadt Aberdeen nahe Seattle, wo Cobain geboren wurde und in zerrütteten Familienverhältnissen aufwuchs, gab es kein Denkmal für ihn. Bis vor kurzem. Seit Februar steht im Aberdeen Museum of History eine lebensgroße Statue des Musikers.

"Wir haben lange versäumt, ihn zu ehren", sagt Bürgermeister William Simpson. Die Statue sei direkt nach seinem Tod vor 20 Jahren angefertigt worden und schon einmal der Stadt zum Kauf angeboten worden. "Damals erschien es uns aber nicht richtig", sagt Simpson. "Die Menschen hatten Probleme mit ihm, weil er drogensüchtig war." Das würde nun in den Hintergrund treten, weil er die Musikszene und seine Generation stark beeinflusst habe. 20 Jahre nach seinem Selbstmord scheint sich durchgesetzt zu haben, dass Cobain mehr war als ein fertiger Junkie. Vielleicht tatsächlich der letzte große Rockstar.

DPA / DPA