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Kolumne

Lilli Hollunder: Ganz oft, da finde ich mich schlichtweg doof

Sich selbst zu mögen, fällt nicht immer leicht. Dieses Gefühl kennt auch Schauspielerin Lilli Hollunder. Warum sie sich manchmal schlichtweg doof findet und welche Dinge, sie besonders an sich schätzt, schildert sie in ihrer neuen Kolumne.

Von Lilli Hollunder

Schauspielerin Lilly Hollunder schreibt auf ihrem Blog "Little Hero" über Dinge, die sie beschäftigen.

Schauspielerin Lilly Hollunder schreibt auf ihrem Blog "Little Hero" über Dinge, die sie beschäftigen.

DPA

Da ich nicht über ein spezifisches Thema schreibe, wie beispielsweise Mode oder Fitness oder Food oder so, habe ich manchmal einfach gar nichts zu schreiben. Die Themen suche ich mir ja nicht aus, sie entstehen in mir.

Manchmal bin ich viel on the road, da habe ich ehrlich gesagt nicht immer Lust, anzuhalten und meinen Seelen-Krimskrams zu reflektieren. Das ist so anstrengend! Es ist schön, wenn meine Gedanken und meine Seele mich mal für einen Moment in Ruhe lassen. Die Zwei können echt nerven! 

Eine Followerin hat mir vor paar Tagen eine sehr nette Nachricht geschickt: "Lilli, ich bewundere dich, du bist so im Reinen mit dir." Unglaublich nett, oder?! Aber ich möchte keinem etwas vormachen.  Ja, es gibt sie: Die Tage oder Minuten, manchmal sind es vielleicht auch nur ein paar Sekunden, im Monat - da bin ich voll im Reinen mit mir. 

Es ist einfach, Freunde mit Liebeskummer aufzubauen und ihnen zu erzählen, warum der Ex ein Vollidiot und dumm ist, sie hat gehen zu lassen, weil sie aus den und den Gründen doch der tollste Mensch auf dem Planeten ist. Warum aber gelingt uns das bei uns selber nicht? Ganz oft, da finde ich mich schlichtweg doof. Und sich selbst die eigenen Negativ-Fakten einzureden ist auch voll easy.

Das fängt dann bei Äußerlichkeiten an: Ich hätte mir schon vor Jahren die Ohren anlegen lassen sollen. Mein Gesicht wird mit zunehmendem Alter immer schmaler, was meine große Nase betont. Und die Ohren natürlich auch. Warum habe ich eigentlich nicht die vollen Lippen meiner Mutter mitbekommen? Kein Wunder, dass ich so wenig Jobs habe. Oh Gott, sind das da Dellen an meinem Hintern??

Wenn es doch nur bei Äußerlichkeiten bleiben würde. Denn, wenn man sich schon zerfleischt, dann sollte man das auch konsequent tun: Los, Lilli! Du musst kreativer und produktiver sein! Häng nicht nur rum und schau Serien. Du erfüllst noch alle Spielerfrauen-Klischees. Geh an deinen Computer, hau in die Tasten und schreib dein Buch, mach' ne lustige Insta-Story, halte den Klimawandel auf!

An den anderen, selteneren Tagen sehe ich ein: Wir Menschen erwarten viel zu viel von uns. Oder wie meine Psychologin immer sagte: "Treten Sie mal auf die Bremse, und seien Sie einfach nett zu sich selber."

Es ist ganz schön harte Arbeit dieses "im Reinen mit sich sein". Bestimmt ist das bei einigen Leuten gottgegeben. Ich muss mich schon häufig daran erinnern, was ich an mir gut finde. Aber mit über 30 klappt das jetzt immer besser. Oder meine Toleranz für mich wird immer größer.

Ich finde es gut, dass ich mir fünf Tage die Woche nichts aus Mode mache 

Also, hier ein paar Dinge, die ich echt an mir mag:

Ich finde es sehr lustig und unterhaltsam, dass ich so ein lustiger und unterhaltsamer Clown bin. Manchmal lache zwar nur ich über meine Witze, aber das reicht ja eigentlich auch.

Ich finde es toll, dass ich ein sehr offener Mensch bin. Ich mag mein Gehirn. Es arbeitet sehr schnell. Da stehe ich manchmal daneben und denke: Cool! Cool, dass ich so ein Gehirn bekommen habe!

Ab und zu bewundere ich meine Kreativität. Sie könnte sich aber gerne regelmäßiger blicken lassen, das Miststück!

Ich finde es gut, dass ich mir fünf Tage die Woche nichts aus Mode mache und einfach nur praktisch gekleidet rumlaufe. Heutzutage ist das eine gute Gegenbewegung bei der ganzen Marken-Geilheit und Oberflächlichkeit.

Ich finde es gut, dass ich mir Gedanken mache und Mühe gebe, ein guter Mensch zu werden. Wahrscheinlich werde ich nie am Ende dieser Reise ankommen, aber das ist okay so.

Und jetzt bleib du mal einen Moment stehen, die Erde dreht sich gleich auch noch weiter. Und erzähl dir doch mal kurz (oder länger), was du gut an dir findest! Und sei heute mal spendabel!