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Kolumne

Lilli Hollunder: Wie ich mich selbst aus meiner Depri-Phase befreite

Wenn der Erfolg mal ausbleibt, sollte man nicht resignieren und sich verkriechen. Diese Erfahrung musste auch Schauspielerin Lilli Hollunder machen. Was sie geändert hat, damit es jetzt läuft.

Von Lilli Hollunder

Lilli Hollunder

Hallo, hier bin ich wieder. Ich war nicht extra untergetaucht. Eigentlich war ich gar nicht untergetaucht. Ich war einfach hier und da.

Wie auch immer. Heute möchte ich mit euch eine – nein – MEINE Lebensweisheit teilen, die mir sehr geholfen hat, durch kleine Lebenskrisen zu gehen. Wie ihr wisst, lasse ich auf meinem Blog regelmäßig die Hose runter. (Jungs, macht euch keine Hoffnung. Es ist im übertragenden Sinne gemeint.) Daher ist es auch nichts Neues, wenn ich zugebe, dass ich die letzten Jahre viel zu Hause auf der Couch saß, geheult und mein Selbstmitleid genossen habe.

Ich war depri, dass ich so wenig Engagements hatte

Ich war einfach depri, dass ich so wenig Engagements hatte. Dass ich nicht Hermine Granger in Harry Potter hatte spielen dürfen. Dass ich nicht als Ärztin Kinder in Afrika helfen würde. Dass ich es verpasst habe, einen Mannschaftssport auszuüben. Dass ich nie mehrere Jahre in fünf verschiedenen Ländern gelebt habe und acht Fremdsprachen fließend beherrschen können würde. Dass ich nie einen schwarzen Gürtel in irgendeinem asiatischen, megacoolen Kampfsport gemacht habe. Dass ich keine Meeresbiologin war, die braungebrannt mit den perfekten Abs, gesponsert von den coolsten Bikini-Firmen, die Weltmeere retten würde und 25 Millionen Follower auf Instagram hatte.

Und das alles musste ich auch noch als eine sogenannte Spielerfrau ertragen, bei der die Gesellschaft immer besonders streng hinsieht, was sie macht oder, in meinem Fall, eben nicht macht. Reden wir nicht drum herum: Die Welt war gegen mich! Und keiner konnte mir helfen!

Und jetzt gut aufpassen oder noch besser: Listen and repeat. Mir wurde klar, dass die einzige Person, die mir helfen konnte, ich selbst war! Ich habe mich von der Couch erhoben und angefangen mich zu bewegen. Meine Lebensweisheit heißt daher: Bleib in Bewegung!

Vielleicht nehmt ihr mich ernster, wenn ich nochmal aushole und das Ganze ein wenig hübscher verpacke. Ich versuche es mal: Als ich den Berg Sinai bestieg und am Gipfel ankam, saß dort ein alter, weiser, chinesischer oder buddhistischer oder koreanischer (glaube eher süd als nord, aber nord ist vielleicht noch geheimnisvoller) Mann und sagte: "Lilli, ich habe dich erwartet. Wenn du zurück in dein Leben gehst, befolge meine Worte: Bleib in Bewegung." Besser?

Es passiert einfach nichts, wenn ich nur dasitze

Mir ist klargeworden, es passiert einfach nichts, wenn ich nur dasitze (auch im übertragenen Sinn). Wenn ich mich aber bewege, in irgendeine Richtung (ebenfalls auch im übertragenen Sinn), passieren Dinge, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte.

Hier ein paar Praxisbeispiele, anhand derer ich eine fortlaufende Verkettung großartiger Umstände, die mein Leben als Mensch, Schauspielerin und professionelle Spielerfrau bereichern und zum Positiven verändern sollten, aufzeigen möchte. (Puh, was ein anstrengender Satz!)

Obwohl ich Social Media hasse, habe ich mich auf Instagram angemeldet, um meine geistige Tür zu öffnen. Dann habe ich auch meine richtige Tür geöffnet und fing an, wieder auf Veranstaltungen zu gehen. (Damit ich auch etwas auf Instagram zu zeigen hatte.) Durch den Besuch von Veranstaltungen, bekam ich mehr und mehr Einladungen für andere Events. Als ich bei einem Fashion-Week-Termin war und mich all die Oberflächlichkeit nervte, beschloss ich wieder etwas "Richtiges" zu machen.

Ich wollte wieder Theater spielen (und jetzt aufgepasst …energetische Tür offen …): Eine Woche später erhielt ich eine Einladung zu einem Vorsprechen an einem Stuttgarter Theater. Ich zog für dreieinhalb Monate nach Stuttgart, um dort Theater zu spielen. Das machte großen Spaß. Ich hatte endlich wieder eine super Ausstrahlung und Energie. Die super Ausstrahlung und Energie halfen mir, Instagram mit noch mehr Quatsch und lustigen Inhalten zu füllen. Ich postete ein Video, in dem ich klingonisch sprach. Meine Klingonisch-Sprachkenntnisse begeisterten einen Fernsehsender, der mir gleich mehrere Jobs anbot.

Da ich in Stuttgart ohne meinen Mann war, war ich gezwungen, Zeit mit mir selbst zu verbringen und mich noch ein Stückchen besser kennenzulernen. Ich hörte auf meine innere Stimme und machte mehr und mehr Dinge, einfach weil ich Lust darauf hatte. Ich entdeckte meine Leidenschaft fürs Puzzeln wieder und fing fast an zu stricken.

Steigende Follower-Zahl und spannende neue Jobs

Meine Ausstrahlung wurde besser und besser, was neben meinen Follower-Freunden bei Instagram auch das Sat.1-Frühstücksfernsehen mitbekam. Also wurde ich nach Berlin eingeladen. Es war zwar sehr früh (sehr! früh), aber die Sendung brachte mir 1000 neue Follower-Freunde. Letzte Woche habe ich endlich mal wieder gedreht, diese Woche steht ein ganz, gaaaaaaaaaaaaaanz toller Job an, auf den ich mich so freue, weil er auf mich zugeschnitten ist.

Seither versuche ich in Bewegung zu bleiben. Es ist spannend und ich bin so neugierig, was noch alles kommt. Und wenn ich jetzt mal auf der Couch sitze, kann ich es auch wieder viel mehr genießen.

Auch wenn diese Punkte vielleicht nicht auf euch zutreffen. Jeder kennt diese Phasen im Leben, wo man ein wenig orientierungslos ist und das Gefühl hat auf der Stelle zu treten. Da muss es im Kopf anfangen. Ja, der Hintern verlässt die Couch zu allererst im Kopf. Und dann folgt meist eine positive Kettenreaktion. Also, versucht es mal, kommt in Bewegung und bleibt in Bewegung.