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Lilli Hollunder Danke für gar nichts! Wie US-Präsident Trump meinen Traum zerstörte

Lilli Hollunder bei der Ausstellungseröffnung der Gianni Versace Retrospektive in Berlin
Lilli Hollunder bei der Ausstellungseröffnung der Gianni Versace Retrospektive in Berlin
© Eventpress Golejewski / Picture Alliance
Es war die Rolle, auf die sie gewartet hatte: Schauspielerin und Spielerfrau Lilli Hollunder bekam eine Zusage für einen Science-Fiction-Dreh in den USA. Doch 24 Stunden später war die Vorfreude erloschen.
Von Lilli Hollunder

Alles begann mit einer E-Mail an einem Donnerstagmorgen: "Du hast die Rolle!!!!" Ich bin gesprungen, gehüpft, habe geschrien, in die Hände geklatscht, noch mehr geschrien und noch viel mehr geschrien. Ich wusste gar nicht, wohin mit meiner endlosen Freude. Zwei Wochen später würde ich nach Utah in die USA fliegen, um dort eine Science-Fiction-Serie zu drehen. Ich, der größte Science-Fiction-Fan!! Produzent? Kein Geringerer als der Macher des "Stargate"-Films von 1994 mit Kurt Russell. Diesen Film hatte ich nur ungefähr einhunderttausend Mal geguckt. Ich glaube, das war der schönste Tag seit langem. Die schönsten 24 Stunden.

Erst war ich der glücklichste Mensch, dann das ärmste Schwein

Warum nur 24 Stunden? Weil exakt einen Tag später feststand, was zuerst nur eine Befürchtung war: Ich würde das geforderte O1-Arbeitsvisum in der Kürze der Zeit nicht bekommen. Dafür möchte ich an dieser Stelle dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und seinen erschwerten Einreisebedingungen ein herzliches Dankeschön aussprechen. Danke für gar nichts.

Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich gefühlt habe? Ich kam mir vor wie eine Manisch-Depressive. Erst war ich der glücklichste Mensch unter der Sonne, dann das ärmste Schwein. Zumindest in meinen Augen.

In den Folgetagen gab ich mir auf jeden Fall die größte Mühe ein tiefes, sehr tiefes Loch zu buddeln und mich jeden Morgen zwischen Aufstehen und Zähneputzen hineinzuwerfen. Euch ist vielleicht aufgefallen, dass kaum noch Insta-Storys von mir zu sehen waren. Ich konnte noch nicht mal mehr über meine eigenen Witze lachen. Und das sollte was heißen! Wenn überhaupt fotografierte ich in meiner Trauer hier und da mal einen Pfannkuchen oder einen Kaffee.

Du kannst jetzt sagen, dass du fast mal in den USA gedreht hast

Nach gut einer Woche entschied ich jedoch, meine Depression zu den Wintersachen zu hängen und wieder ein Sonnenschein zu sein. Steckte nicht hinter allem etwas Größeres, ein Sinn oder Schicksal? So musste es auch in diesem Fall sein: "Es hat nicht sollen sein. Die fanden dich toll. Es war ein 'Ja' zu deiner Person. Dann klappt es ein anderes Mal. Du kannst jetzt sagen, dass du fast mal in den USA gedreht hast. Es kommt etwas Besseres."

Aber: Stargate-Produzent, Utah, Science-Fiction… Ok, die Aufmunterungssätze funktionierten in diesem Fall nicht. Also besser an etwas Anderes denken.

Wenn dieses kleine Wörtchen "fast" nicht wäre, dann hätte ich so einiges in meinem Leben schon gemacht und erreicht:

"Hallo, mein Name ist Lilli Hollunder. Nachdem ich ein Praktikum im Kölner Zoo gemacht habe, bin ich in der Elften für ein Jahr nach New York gegangen. Ich bin Schauspielerin, Ärztin und Meeresbiologin. Außerdem habe ich ein abgeschlossenes Studium der Ethnologie, Zoologie und einen Bachelor in Französisch. Die Meisten kennen mich wahrscheinlich als 'Tatort'-Kommissarin. In meinen Ferien fliege ich immer nach Costa Rica, um Meeresschildkröten zu retten. Während ich diesen Text schreibe, mache ich einen Sushi-Kurs, lerne Japanisch und Griechisch und bestehe bald die Prüfung zum Krav Maga Instructor. Wenn diese Kampfausbildung abgeschlossen ist, ziehe ich mir ein Kostüm über und streife in der Nacht durch die Städte, um Leben zu retten. Und das während ich drei wunderschöne Babys in die Welt setze und einen Bestseller nach dem anderen schreibe."

Fast…  


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