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"Lindenstraßen"-Star: Georg Ueckers mutige HIV-Beichte

"Ja, ich bin HIV-positiv." Mit diesem Satz beendet Georg Uecker Spekulationen um seinen Gesundheitszustand. Seit 30 Jahren wisse er von der Infektion. Sein Geständnis ist auch heute noch mutig.

Georg Uecker

Spielt seit über 30 Jahren in der "Lindenstraße" mit: Georg Uecker

Getuschelt wurde seit Jahren. Immer dünner und eingefallener sah das Gesicht von Georg Uecker aus. Wer ihm in Köln begegnete, der erschrak. Das soll Dr. Carsten Flöter sein, der fröhliche Arzt aus der "Lindenstraße"? Dass er schwer krank sei, dieses Gerücht machte schon lange die Runde. Jetzt räumt der 53-Jährige mit allen Mutmaßungen auf.

"Ich bin vermutlich weit über 30 Jahre HIV-positiv", sagte der  Schauspieler dem Schwulenmagazin "Schwulissimo".  Definitiv wisse er von seiner Infizierung seit 25 Jahren. Wann und wo er sich angesteckt habe, könne er aber nicht mehr sagen. Dank der Fortschritte in der medizinischen Forschung und der Pharmaindustrie könne er mittlerweile nahezu beschwerdefrei leben.

Georg Uecker erlitt 2008 Zusammenbruch

Das war nicht immer so. 2008 erlitt Uecker einen Zusammenbruch auf der Funk- und Fernsehausstellung "IFA" in Berlin. Er musste eine mehrmonatige Drehpause einlegen, pausierte in der "Lindenstraße". Serienerfinder Hans W. Geißendörfer sagte damals dem Magazin "Schöne Woche": "Georg Uecker ist krank. Es ist ja nicht zu übersehen. Er hat ein Problem mit den Lymphen.“

Wie ernst es damals um den gebürtigen Münchner stand, verriet er erst jetzt - acht Jahre später. "Vor den ersten Kombitherapien habe ich schon geglaubt, ich hätte jetzt nicht mehr viel Zeit. Der Grund für meine Unsichtbarkeit: Ich war komplett überarbeitet (…) Da musste ich zwischenzeitlich mal einen Gang runter schalten", sagte Uecker der "Schwulissimo".

Aus seiner Homosexualität machte Uecker nie ein Geheimnis, hatte schon als Teenager sein Coming-Out. Auch in der "Lindenstraße" spielt er einen Schwulen, was in den 80er Jahren viele Fernsehzuschauer in Aufruhr versetzte. Als er 1990 in der Serie einen Mann küsste, war dies der erste schwule TV-Kuss im deutschen Fernsehen - und löste einen Skandal aus. Es gab sogar Morddrohungen gegen den Schauspieler.

Uecker beweist mit HIV-Beichte Mut

Ueckers HIV-Beichte ist mutig. Noch immer gibt es viele Vorbehalte gegen Menschen mit HIV. Obwohl eine Ansteckung fast ausschließlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, Blut oder Muttermilch möglich ist, haben viele Berührungsängste vor Menschen mit HIV. Anders als bei Krebs oder sonstigen lebensbedrohlichen Krankheiten glauben viele außerdem, die Infizierten hätten selbst Schuld an ihrer Erkrankung. Die Patienten werden stigmatisiert. Dabei trifft es vor allem in Afrika häufig auch Kinder, die von ihrer Mutter angesteckt werden.

Das Virus löst bei Nichtbehandlung die Immunschwächekrankheit AIDS aus. Mittlerweile kann die Krankheit so gut behandelt werden, dass sie nicht mehr ausbricht. Das HI-Virus kann soweit eingedämmt werden, dass er im Körper nicht mehr nachweisbar ist. Eine Impfung oder vollständige Heilung ist aber noch nicht möglich.

"Heute bin ich (…) völlig fit und fest entschlossen, ein schriller Alter zu werden", sagte Uecker. Er habe inzwischen eine in jeder Hinsicht positive Lebenseinstellung.