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Marissa Mayer in der "Vogue" I'm too sexy for my job ...


Yahoo-Chefin Marissa Mayer ist die prominenteste Frau des Silicon Valleys und junge Mutter. Darf sie da auch noch für die "Vogue" posieren? Ja, verflixt, warum denn nicht?
Ein Kommentar von Sophie Albers

Zum einen: Herzlichen Glückwunsch, Anna Wintour und "Vogue"! Mit einem einzigen Foto - und es ist nicht einmal der Titel - ist das alte Modemagazin globales Thema. Zum anderen hören Sie mich gerade tief durchatmen, denn die Diskussion zu diesem Foto ist gefühlte 5000 Jahre alt. Und ich frage mich, ob das wirklich immer wieder sein muss. Muss es wohl, also los:

Marissa Mayer ist die bekannteste Frau des Silicon Valleys. Vor allem seitdem die ehemalige "Google-Mitarbeiterin Nummer 20" im Juli 2012 Yahoo übernommen hat, ein Unternehmen, das kaum noch ernst genommen wurde. Dessen Aktie seitdem um fast 60 Prozent zugelegt hat. Damals war Mayer 37 und erwartete ihr erstes Kind. Drei Gründe für eine ermüdende Armada an Artikeln zum Thema "erfolgreiche Frau", "jung" und auch noch "schwanger". Mit dem "Vogue"-Artikel kommt ein weiterer Punkt hinzu: "sexy". Oder wie es manche Kollegen etwas elaborierter nennen "glamourös". Die immer wiederkehrende, so unfassbar öde Fragestellung lautet: Darf sich eine junge/erfolgreiche Frau, die gerade Mutter geworden ist, auch noch sexy/glamourös zeigen?

"Nerdige, karrierebesessene Barbie"

"Zu sexy als Chefin?" ist eine beliebte Überschrift. Manchen twittern einfach nur "Oy". Andere finden es "Gewagt in der 'Vogue'". Eine New Yorker Journalistin vergleicht Mayers Auftritt mit dem einer "nerdigen, karrierebesessenen Barbie". Und wieder andere zucken zusammen.

Hier also die Bildanalyse des "Aufregers": Mayer liegt in einem blauen Etui-Kleid mit Highheels verkehrt herum auf einer Gartenliege. Arm hinterm Kopf, Knie zusammen, Mund zu, Blick skeptisch und in einer Hand ein iPad, das ihr vergrößertes Gesicht zeigt. Oh, und ihre blonden mittellangen Haare fließen herum.

"Schüchterner, naiver Nerd"

Bei all der Aufregung wird das rund 3000 Worte lange Porträt vergessen, in dem der durchaus bekannte amerikanische Politikjournalist Jacob Weisberg dem Phänomen Marissa Mayer tatsächlich ein Stück näher kommt. Das für emotionale Wallungen sorgende Bild war schließlich "nur" als Illustration gedacht. Es ist das erste große Interview, seitdem Mayer Yahoo-Chefin ist. Weisberg beschreibt ihr Selbstbild ("ein schüchterner, naiver Nerd") und das Außenbild ("nicht so schüchtern wie sie denkt" (ihr Mann), "sehr talentiert und sehr aggressiv" (Henry Blodget). Er beschreibt ihre Arbeitsweise (hart bis zur Selbstausbeutung) und ihre Partyattitüde (entwickelt nur langsam Salon-Löwinnen-Qualitäten), ihr Büro (minimalistisch und weiß) und ihr Zuhause (fröhlich, hell, skandinavisch), ihre Kindheit (vollgestopft mit Aktivitäten), die Änderungen bei Yahoo und schließlich auch ihre Einstellung zur Geschlechterfrage:

"Ich bin ehrlich gesagt immer blind gewesen gegenüber Geschlechterunterschieden. Und ich bin es immer noch", sagt Mayer. Leidenschaft für das, was man tut, neutralisiere Geschlechterunterschiede, hat Mayer ein anderes Mal gesagt.

Also, was bleibt zu sagen über Mayers "gewagten" Auftritt? Ganz einfach: Wäre Mayer ein erfolgreicher Mann, der "maskulin" im "Playboy" posiert, hätte sich irgendjemand überhaupt zu dem Foto geäußert? Eben. Ausatmen.


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