HOME

Mark Wahlbergs 9/11-Fantasien: Größenwahn eines alternden Actionhelden

Mark Wahlberg sorgt mit einer Äußerung zum 11. September 2001 für Wirbel. Er hätte die Flugzeugentführer eigenhändig besiegen können, posaunt der Hollywoods Action-Star heraus. Die Familien der Tragödie sind empört.

Von Frank Siering, Los Angeles

Mark Wahlberg zählt zu den ganz großen Action-Helden in Hollywood. Für seine physisch herausfordernden Rollen ("The Fighter", "Four Brothers") trainiert der einstige Straßenjunge aus dem Ghetto von Boston jeden Tag in seinem gut klimatisierten Fitnessstudio mit eigenem Boxring in Beverly Hills besonders hart.

Vielleicht war es dieses Training und die damit verbundene gute körperliche Verfassung, die den 40-jährigen Amerikaner jetzt zu einer Äußerung hingerissen hat, die für viel Aufregung unter den Familien der Opfer des Terroranschlags auf die USA am 11. September 2001 sorgt.

In einem Interview mit der Zeitschrift "Men's Journal" sagte Wahlberg, dass die Geschichtsbücher heute eine andere Story erzählen würden, wenn er an "9/11" an Bord eines der von den Terroristen gekaperten Flugzeugs gewesen wäre, die in die Türme des World Trade Centers und Richtung Pentagon und Weißes Hause geflogen waren.

"Wenn ich mit meinen Kindern in einem der Flieger gesessen hätte, dann wäre es anders ausgegangen", so Wahlberg. Und weiter: "Da wäre viel Blut in der ersten Klasse geflossen und dann hätte ich anschließend verkündet: "Okay, wir landen jetzt irgendwo ganz sicher, machen Sie sich keine Sorgen."

Wahlberg entschuldigt sich bei Familien der Opfer

Das Statement wurde von den Familien der Opfer als Affront aufgefasst. "Es war absolut respektlos, was der Schauspieler da von sich gegeben hat", so Deena Burnett-Baily, eine der Witwen des Terroranschlags. Ihr Ehemann, Thomas Burnett, war einer der Bordinsassen, der tatsächlich versucht hatte, das Cockpit zu stürmen. In einer letzten Telefonnachricht an seine Frau sagte er: "Ich weiß, dass wir sterben werden. Wir sind zu dritt, und wir wissen, was wir tun müssen."

Burnett-Baily gegenüber dem Internet-Dienst "TMZ": "Hat Mark Wahlberg überhaupt eine Piloten-Lizenz? ­Der Plan der Terroristen für Flug 93 wurde von Helden vereitelt. Es ist dumm und respektlos von Wahlberg zu behaupten, seine Präsenz hätte einen Unterschied gemacht", so die Witwe.

Nachdem die Äußerungen von Wahlberg schnell die Runde im Internet gemacht hatten, sah sich der gläubige Christ gezwungen, ad hoc einen verbalen Rückzieher zu machen und sich öffentlich zu entschuldigen. "Ich möchte mich bei den Familien der Opfer persönlich entschuldigen, falls meine Antworten an Sensibilität zu wünschen übrig ließen. Es war nicht meine Absicht, jemanden zu verletzen."

Einer, der kräftig zuschlagen kann

Es ist nicht das erste Mal, dass Wahlberg zu dem Terroranschlag und seinen möglichen Heldentaten Stellung nimmt. 2006 hatte er in einem Interview zugegeben, dass er schon "mindestens 50 Träume hatte", in denen er die Entführer überwältigte. "Wir hätten mit Sicherheit versucht, sie zu bezwingen", so Wahlberg schon damals.

Es besteht kein Zweifel daran, das bestätigen auch Menschen, die Wahlberg nahe stehen, dass der Action-Held, der einst als Unterwäsche-Model und Boyband-Idol Marky Mark zu Ruhm und Reichtum gelang, kräftig zuschlagen kann.

Nicht nur auf der Leinwand hat er das in vielen Rollen in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen. Auch in seiner neuesten Rolle in "Contraband" haut er wieder gnadenlos drauf.

Kein guter Lebenswandel

Wahlberg wuchs als eines von neun Kindern in Dorchester, einem mit Gangs verseuchten Stadtteil von Boston, auf. "Wir mussten schnell lernen, uns mit Händen und Füßen durchzusetzen", so Wahlberg zu stern.de. Mit 14 Jahren verließ er die Schule und verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit dem Dealen von Drogen und kleinen Diebstählen. "Es war kein guter Lebenswandel", sagt er heute.

Nach ersten Erfolgen als Musiker ließ Wahlberg sein Leben mit Alkohol und Drogen hinter sich und "fand den Weg zum christlichen Glauben", wie er selbst sagt. Heute geht der mittlerweile vierfache Familienvater jeden Tag in die Kirche.

Wahlberg zählt nicht nur zu den erfolgreichsten Stars in Hollywood. Er gilt auch als äußerst geschickter Geschäftsmann, der seit Jahren diverse Shows für den Bezahlsender HBO produziert. So ist er zum Beispiel für den Erfolg von "Entourage" und auch "Boardwalk Empire" verantwortlich.

Die Statements im neuen "Men's Journal" allerdings beweisen einmal mehr, dass auch Ruhm und Erfolg in Hollywood vor Größenwahn nicht unbedingt schützen müssen.

  • Frank Siering