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Rassismus, psychische Gesundheit Das war's. Warum es nach Meghans und Harrys Abrechnung kein Zurück geben wird

US-Moderatorin Oprah Winfrey (r) spricht bei einem Interview mit Prinz Harry von Großbritannien und seiner Ehefrau Herzogin Meghan
Sehen Sie im Video: Prinz Harry und Herzogin Meghan lassen in TV-Interview mehrere Bomben platzen.




Der Herzog und die Herzogin von Sussex haben eine - oder gleich mehreren Bomben - platzen lassen, in einem Interview mit der US-Talkerin Oprah Winfrey. Dabei hat die Herzogin dem Umfeld der königlichen Familie Rassismus vorgeworfen. Wen genau sie dabei meinte, blieb allerdings unklar. So sagte Meghan, man habe sich vor der Geburt ihres Sohnes Archie gefragt, wie dunkel dessen Hautfarbe wohl sein werde. Meghan stellte einen Zusammenhang her zwischen dieser Sorge und dem Umstand, dass ihr Sohn keinen Prinzentitel bekommen habe. Sie habe sich schlecht gefühlt. Nachdem sie in der Familie um Hilfe gebeten habe und diese ihr verweigert worden sei, habe sie daran gedacht, sich selbst etwas anzutun. Auch dabei nannte Meghan keine Namen. Für die Queen und ihre Schwägerin Kate verlor sie Worte der Anerkennung. Meghan stellte eine Gerücht klar, nachdem sie Kate zum Weinen gebracht habe. Das Gegenteil sei der Fall gewesen - die Herzogin von Cambridge habe vielmehr ihre Gefühle verletzt. Das Interview könnte die ohnehin angespannte Beziehung zwischen dem in den USA lebenden Paar und der britischen Monarchie noch verschlechtern. Eine Einschätzung der Expertin Michelle Tauber: "Das Interview besteht für mich aus zwei Schichten. Es gab viele Anspielungen darauf, dass die Monarchie als Institution sie nicht unterstützt hat. Das Paar sagt, wären sie besser unterstützt worden, hätten sie das Land nicht verlassen. Und dann hat man all den persönlichen Schmerz bemerkt bezüglich dieser wirklich überraschenden Kommentare in puncto Hautfarbe. Man darf aber nicht vergessen, dass wir die Stellungnahme des Palastes noch nicht gehört haben." Ob die allerdings wirklich kommt, ist fraglich. Denn für gewöhnlich verfährt die Queen nach dem Motto: nie erklären, die beklagen. Meghan und Harry waren vor rund einem Jahr in die USA gezogen Zuvor hatten sie erklärt, nicht mehr im Dienste der Queen arbeiten zu wollen. Seither müssen sie angeblich auf alle finanziellen Zuwendungen seitens der Monarchin verzichten. Nun erwarten sie ihr zweites Kind, eine Tochter.
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Im Gespräch mit Oprah Winfrey haben Prinz Harry und Herzogin Meghan mit der Monarchie abgerechnet. Ihre Vorwürfe sind besorgniserregend und schlimm. Warum nach dem Interview jede Hoffnung auf Versöhnung vergebens ist. 

Es hätte so schön sein können. Mit Prinz Harry und Prinz William hatte die britische Monarchie die Chance, sich zu modernisieren. Weniger "stiff upper lip", mehr Ehrlichkeit, mehr Aufrichtigkeit. Als Prinz Harry die US-amerikanische Schauspielerin Meghan Markle als seine neue Freundin vorstellte, war die Hoffnung vieler jüngerer Royal-Fans noch größer. Doch nun, knapp drei Jahre nach ihrer Hochzeit, ist von Aufbruchstimmung keine Spur mehr. 

Meghan und Harry erzählen Oprah Winfrey schlimme Details

In ihrem mit Spannung erwarteten Fernsehinterview mit Oprah Winfrey haben Harry und Meghan ein Bild der Royal Family gezeichnet, das die schlimmsten Vorurteile bestätigt. Von Rassismus ist die Rede, von Suizidgedanken, Ausgrenzung und Mobbing. Eine Reaktion des Buckingham Palastes auf die Vorwürfe der Sussexes steht bislang noch aus. Es bleibt abzuwarten, ob Harry und Meghan 'nur' ihre restlichen Titel verlieren werden, oder ob die Royal Family gar zum Gegenschlag ausholen wird. Letzteres ist allerdings eher unwahrscheinlich. Denn der Rest der Familie — ob er will oder nicht — wird weiterhin der Regel folgen: "Never complain, never explain." Dass das Tischtuch zwischen den Sussexes und der Institution endgültig zerschnitten ist, daran besteht kein Zweifel. 

Zu belastend sind die Anschuldigen der beiden. Die Offenbarung, Harry wurde besorgt danach gefragt, wie dunkel Archies Hautfarbe nach der Geburt wohl sein könnte, wird nachhallen. Ob sie wahr ist oder nicht, die Geschichte bestätigt die übelsten Vorurteile gegen die Royal Family. 

Parallelen zu Diana

Die Parallelen zu Prinzessin Diana, Harrys und Williams verstorbener Mutter, sind offensichtlich. Als die Ex-Frau von Prinz Charles dem Journalisten Martin Bashir im November 1995 ein TV-Interview gab und darin enthüllte, ihr Mann habe eine Affäre mit Camilla Parker-Bowles, war das Gefühl der Endgültigkeit ähnlich. Wie Diana damals haben auch Meghan und Harry sich bewusst dazu entschlossen, die Karten auf den Tisch zu legen und öffentlich abzurechnen. Für Diana gab es keinen Weg zurück, für die Sussexes nun auch nicht. Ob sie das jemals wollten oder nicht, sei dahingestellt. Stimmen ihre Vorwürfe, wäre es verwunderlich, sollten sie je wieder Kontakt zu einigen Mitgliedern der "Firma" suchen. 

"Wie rassistisch muss man sein" – Twitter-User reagieren auf das Interview von Harry und Meghan

Umgekehrt dürfte es ähnlich aussehen. Für besagte Familienmitglieder führen wohl nicht nur die fürchterlichen Anschuldigungen zum Bruch. Sondern die Tatsache, dass Meghan und Harry ihr Leid der Öffentlichkeit präsentieren. So brechen sie die Kardinalsregel der Royal Family: Man beschwert sich nicht, Interna dringen nicht nach außen, schon gar nicht spricht man selbst darüber. Über allem steht der Fortbestand der Monarchie, individuelle Fehden sind da hinderlich. Eine Haltung, die von vornherein nicht zu Prinz Harry gepasst hat, der immer schon als Hitzkopf galt.

Sie haben einen Vorteil

Prinzessin Dianas Leben endete zwei Jahre nach dem TV-Interview tragisch, als sie bei einem Autounfall in Paris starb. Ein Drama, das Harrys Leben geprägt hat wie kein zweites. Im Gegensatz zu seiner Mutter haben die Sussexes einen Vorteil: Sie sind zu zweit. In den USA haben sie sich ein neues Leben aufgebaut, einen Ort geschaffen, an dem sie ihre Kinder großziehen wollen. Weit weg von "der Firma", weit weg von Vorurteilen und Ressentiments. Ihre öffentliche Abrechnung zerschlägt nun jeden letzten Funken Hoffnung, den Fans der Royal Family eventuell noch gehabt haben: auf Versöhnung, auf Modernisierung, auf die Generation Harry und William, die der angestaubten Monarchie einen neuen Anstrich verpassen könnte. 


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