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Harry und Meghan Rassismus, Suizidgedanken und ein kleines Mädchen – so lief das Interview mit Oprah Winfrey

"Wie rassistisch muss man sein" – Twitter-User reagieren auf das Interview von Harry und Meghan
Sehen Sie im Video: "Wie rassistisch muss man sein" – Twitter-User reagieren auf das Interview von Harry und Meghan.






Prinz Harry und Herzogin Meghan sprechen rund 80 Minuten mit Moderatorin Oprah Winfrey. Das Interview, das der US-Sender CBS ausstrahlt, sorgt für Furore.  
Insbesondere Meghan erhebt darin schwere Vorwürfe gegen das Königshaus.  
Sie berichtet von Bedenken innerhalb des Palastes, wie dunkel die Hautfarbe ihres Kindes sein könnte, noch bevor Sohn Archie überhaupt auf die Welt kam/geboren wurde. 
Viele Reaktionen drehen sich um dieses Thema:  
“Stellen Sie sich vor, wie rassistisch jemand sein muss, um sich Sorgen über den Hautton seines zu ¾ weißen Babys zu machen.“ 
Tennisspielerin Serena Williams sah Parallelen zwischen ihr und Herzogin Meghan:  
“Ich weiß aus erster Hand um den Sexismus und Rassismus, den die Institutionen und die Medien nutzen, um Frauen und people of color zu verleumden, um uns zu minimieren, uns zu brechen und uns zu dämonisieren. Wir müssen unsere Verpflichtung anerkennen, böswilligen, unbegründeten Klatsch- und Boulevardjournalismus anzuprangern.“ 
Ernsthaft, was ist mit der gemischten Rasse/gemischtrassigen #Meghan Markle, die so viele Royalisten in diesem Land nicht mögen? 🤔 
Der berühmte britische Moderator Piers Morgan drückt aus, was viele Briten – unter anderem auch die britische Klatschpresse – zu denken scheinen:  
Lassen Sie uns klar sein: Prinz Harry und seine Frau haben gerade zwei Stunden damit verbracht, alles zu zerstören, wofür die Königin steht und die so hart daran arbeitet, alles aufrechtzuerhalten, während sie vorgaben, sie zu unterstützen. 
Und sie haben es getan, während ihr 99-jähriger Ehemann Philip im Krankenhaus schwer krank ist. Es ist verächtlich. 
“Meghan Markles Interview hat nicht nur die Wahrheit über die Monarchie enthüllt, eine schattenhafte Institution, die geheim gehalten wird, obwohl sie angeblich die Nation verkörpert. Derzeit werden alle entlarvt, denen Rassismus oder Suizid egal sind.“ 
So oder so bietet das Interview viel Gesprächsstoff – und für die Autoren der Serie „The Crown“ viel neues Material:  

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Bereits vor der Ausstrahlung hatte das Interview von Prinz Harry und Gattin Meghan mit Oprah Winfrey hohe Wellen geschlagen. Nach der Ausstrahlung kann man sagen: zu Recht. Insbesondere Meghan erhebt schwere Vorwürfe gegen das Königshaus.
Von Andreas Renner

Englands betagte Königin Elizabeth II dürfte alles andere als "amused" sein über das, was ihr Enkel Harry und dessen Gattin Meghan Markle so alles aus dem Nähkästchen plauderten. In ihrem ersten Interview, seit die beiden ihre royalen Pflichten im Januar 2020 offiziell niederlegten, berichteten sie Talkmasterin Oprah Winfrey zwei Stunden lang im US-Fernsehen von Intrigen, Enttäuschungen und sogar Suizidgedanken.

Die gute Nachricht zuerst: Es wird ein Mädchen! Das hat das Paar während des brisanten Interviews mit Talkmasterin Oprah Winfrey, die 2018 der Hochzeit von Harry und Meghan beiwohnte und den beiden bei deren Umzug nach Kalifornien half Fuß zu fassen. Archie bekommt im Sommer also ein Schwesterchen: "Ich bin einfach dankbar", sagte Harry, "was kann man mehr wollen."

In den ersten Momenten des Interviews ging es noch recht harmonisch zu. Oprah machte einen Hausbesuch bei Harry und Meghan in deren 13-Millionen-Villa im kalifornischen Montecito und erfuhr dabei auch, dass die beiden sich Hühner im Garten halten. Winfrey streichelte zärtlich den Babybauch der Herzogin von Sussex – die wiederum will Glauben machen, dass sie etwas naiv bei den Royals einheiratete und nicht "vollständig verstanden hat, was der Job sein würde".

Das eigentliche Interview selbst fand dann im Garten von Oprahs bester Freundin Gayle King statt. Und dort verraten die beiden dann auch gleich die erste Überraschung: Meghan und Harry haben sich bereits drei Tage vor der eigentlichen Hochzeit im Mai 2018 im Garten von Schloss Windsor das Ja-Wort gegeben – ganz allein, nur mit dem Erzbischof von Canterbury. "Wir wollten unsere eigene Zeremonie für uns". Die offizielle 36-Millionen-Euro-Hochzeit sahen sie als "Spektakel für die Welt".

Dann ging es zur Sache: Die sichtbar schwangere Herzogin beschuldigte zunächst das Königshaus, ihr einen Maulkorb verpasst zu haben. Das royale PR-Team habe ihr nicht gestattet, Interviews zu geben. Die Hoffnung, vom Königshaus geschützt zu werden gegen Angriffe von außen, wenn sie nicht mehr selbst ihr Leben kommentiert, hätten sich nicht erfüllt, so Markle. Sie fühle sich als Opfer von "Rufmord" und sei froh, dass sie nun wieder selbst entscheiden könne, mit wem sie spreche. Das "Konstrukt" Königshaus sei eben ganz anders, als die Leute es sich vorstellten, so Markle weiter.  

Richtig emotional wurde die Herzogin, als sie über ihren Sohn Archie sprach. Sie berichtet von Bedenken innerhalb des Palastes noch vor der Geburt, wie dunkel die Hautfarbe des Kindes sein könnte. Wer dies gesagt haben soll, wollte sie nicht verraten. Aber es kann als klarer Rassismus-Vorwurf gegen den Palast verstanden werden.

Entsetzt sei sie auch gewesen, als der Palast ihr mitteilte, dass Archie keinen Prinzentitel bekommen würde und auch keinen Personenschutz. Ein klarer Traditionsbruch. Und ein großer Sorgenpunkt um die Sicherheit ihrer Familie, so Markle. Es habe schließlich sogar Morddrohungen gegeben.

Die 39-jährige Meghan sprach unter Tränen davon, wie die vielen Probleme letztlich zu Depressionen und sogar Suizidgedanken während ihrer Zeit im Königshaus geführt hätten: "Ich wollte nicht mehr leben. Ich dachte, es würde die Situation für alle lösen". Sie habe auch den Palast um Hilfe gebeten. Die Inanspruchnahme psychologischer Hilfe sei ihr aber verwehrt worden. Eine schockierende Enthüllung.

Prinz Harry begründete seine Motivation für das Interview mit dem Schicksal seiner 1997 verstorbenen Mutter, Prinzessin Diana. Er wolle nicht, dass "sich die Geschichte wiederholt", sagte er in Anspielung auf die ähnlichen Probleme, die seine Frau und seine Mutter innerhalb der königlichen Familie und mit den Medien erfahren haben. Diana starb 1997 bei einem Autounfall auf der Flucht vor Paparazzi.

Von seinem Vater, Prinz Charles, sei er enttäuscht. Ihm fehlte vor allem mangelnde Unterstützung im Umgang mit rassistischen Angriffen auf seine Frau Meghan. "Ich werde ihn immer lieben, aber es gab sehr viele Kränkungen", so Harry. Charles, so erklärt Harry sichtlich emotional, hätte vor seinem Wegzug aus England keine Telefonate mehr von ihm angenommen. Charles und auch sein Bruder, Prinz William, seien letztlich Gefangene des royalen Systems. So wie er es auch war, bevor er Meghan kennenlernte.

Prinz Harry berichtete von seinem neuen Familienleben als Privatmann: "Das Highlight ist für mich, Radtouren mit Archie zu machen". So etwas habe er als Kind nie machen können. Er gab zudem bekannt, die Königsfamilie habe ihm Anfang 2020 den Geldhahn zugedreht. "Aber ich habe das Vermögen, das meine Mutter mir hinterlassen hat. Ohne das hätten wir das alles nicht geschafft", so Harry.

Meghan und Harry sprachen sich alles offen von der Seele, ohne Angst vor Konsequenzen. Immerhin nehmen sie es mit einem der mächtigsten Königshäuser der Welt auf. Und das spielt bereits öffentlich mit seinen Muskeln als Reaktion auf den anhaltenden Ungehorsam gegenüber der Krone. Man leitete jüngst eine Untersuchung gegen Meghan ein, sie soll frühere Bedienstete "gedemütigt" und "gemobbt" haben.

Man konnte vor allem bei Markle schnell den Eindruck gewinnen: Da hatte sich eine ganze Menge an Frust, Schmerz und Ärger aufgestaut über die Jahre. Als Rachefeldzug will sie das Interview nicht verstanden wissen, sie wehre sich nur gegen die "Firma" (wie das Königshaus sich mitunter selbst bezeichnen soll): "Ich weiß nicht, wie sie erwarten können, dass wir weiter stillhalten. Immerhin spielen sie eine aktive Rolle in den ewigen Lügen, die über uns verbreitet wurden".

Den Druck des Kräftemessens scheint vor allem Meghan zu spüren – mehrfach während des Interviews kämpfte sie mit den Tränen. Sie betonte aber auch, dass sie durchaus Unterschiede machen müsse bei den einzelnen Mitgliedern der königlichen Familie. Die Queen etwa sei immer "wunderbar" zu ihr gewesen. Dennoch litt sie unter den strengen Regeln der Monarchin: "Ich hätte nicht einsamer sein können."

Das Interview mit Oprah dürfte dem Sender CBS enorme Einschaltquoten beschert haben. Zwischen sieben und neun Millionen Dollar soll der Sender an Oprahs "Harpo"-Produktion für die Rechte an dem Interview gezahlt haben. Harry und Meghan haben nach Angaben ihres Sprechers kein Geld für das Interview bekommen.

In England hingegen wird der Zeitpunkt der Ausstrahlung von vielen Königstreuen als sehr unpassend empfunden, da der 99-jährige Gatte der Queen, Prinz Philip, sich derzeit im Krankenhaus von einer schweren Herzoperation erholt. Es sei geschmacklos, gerade jetzt die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, argumentieren einige.

RTL zeigt das Interview in voller Länge am Montag, den 8. März ab 15 Uhr im Rahmen eines "Exklusiv Spezials". Auf Vox wird es am Montagabend um 22.15 Uhr gezeigt.


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