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US-Regisseur Michael Moore schreibt Ivanka Trump: Nur du kannst uns noch helfen, deinen Vater als Präsidenten zu stoppen

Nachdem Michael Moore seine Anhänger mit fünf Gründen für Trumps Sieg geschockt hat, wendet er sich nun direkt an Ivanka Trump. Die Tochter soll beim Vater intervenieren. Bevor Schlimmeres passiert.

Kuratiert und übersetzt von Sophie Albers Ben Chamo

Michael Moore, Donald und Ivanka Trump

Es ist Zeit für eine Intervention: Michael Moore appelliert an das Gewissen von Ivanka Trump

Vor zweieinhalb Wochen hat Michael Moore mit seinen fünf Thesen, warum Donald Trump die Wahl zum US-Präsidenten im November gewinnen wird, für Aufregung gesorgt. Am Ende dieser tragischen Mitteilung hatte er immerhin versprochen, als nächstes zu verkünden, wie man Trumps Siegeszug verhindern könne. Dem folgt nun ein offener Brief an Trumps Tochter Ivanka. Denn, so Moore, es sei Zeit für eine Familien-Intervention. Und wir erfahren auch en detail, wie Moore sich die vorstellt.

"Liebe Ivanka", schreibt der streitbare Filmemacher, "ich schreibe dir, weil es deinem Vater nicht gut geht. Jeden Tag wird es schlimmer, und nachdem er Waffenbesitzer zur Gewalt gegen Frau Clinton aufgerufen hat, ist klar, dass er Hilfe braucht. Professionelle Hilfe. Seine Sprüche und sein Verhalten werden zunehmend bizzar, fernab der Realität. Er braucht eine Intervention. Und ich glaube, du bist die Richtige dafür."

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Wenn Clinton etwas passiert...

"Er vertraut dir. Er glaubt an dich. Und auch wenn ich dich nicht persönlich kenne, du scheinst eine intelligente, geerdete Frau zu sein. Ich glaube, er würde auf dich hören. Er muss es einfach, denn er ist eine Gefahr nicht nur für sich selbst, sondern auch für die nächste Präsidentschaft der Vereinigten Staaten", so Moore. Trump habe die Verwirrten und Verstörten ermutigt und ihnen erlaubt, Hillary Clinton zu ermorden. "Ihr Leben ist noch mehr in Gefahr als eh schon, - und sollte etwas passieren, dann geht das nicht nur auf seine Kappe, sondern auch auf die seiner Nächsten, wenn sie nur zusehen und nichts tun."

"Ich sage dies mit größter Freundlichkeit, Zuneigung und Sorge, und ich weiß, dass du das Richtige tun wirst. Hol ihn rein, weg von der Straße, weg von den Leuten. Jetzt. Heute Abend."

"Und wenn du das tust, hier ist der Rat eines guten Freundes von mir, ein ehemaliger Coach und Sozialarbeiter, Jeff Gibbs. Das solltest du zu ihm sagen:"

Donald Trump


Dad, die Clintons waren deine Freunde

Dad, wir müssen reden. Geht es dir gut? Hast du kurz Zeit? Setz dich mal hin. Das wird nicht einfach, und nein, ich bin nicht schwanger. Nein, aber was gerade passiert, ist... ist... Ich mache mir wirklich große Sorgen um meinen Vater. Um dich!

Dad, ich verdanke dir alles. Du hast ein Imperium aufgebaut, eine Marke, ein Unternehmen, das bestehen bleiben wird. Du hast auf mich aufgepasst, mich inspiriert, und durch dein Vorbild bin ich zu der geworden, die ich bin: eine selbstbewusste, grundehrliche Frau.

Aber Dad, ich mache mir große Sorgen. Du bist in letzter Zeit nicht du selbst. Der Vater, den ich kenne, ist kein Mann des Hasses, und er ruft nicht zur Gewalt auf. Papa, du warst mal Liberaler. Du hast mich als Liberale erzogen! Die Clintons waren deine Freunde - Chelsea ist eine meiner besten Freundinnen! Und jetzt machst du Witze darüber, dass Hillary ermordet werden sollte. Echt jetzt?

Dad, ich hasse es, das zu sagen, aber du machst mir Angst, du machst meinen Freunden Angst und du machst dem ganzen Land Angst. Dad, ... Dad, setz dich wieder hin! Sie werden warten. Ich bin noch nicht fertig. Jetzt werde nicht sauer. Hör doch mal zu.

Ja, ich weiß, dass die Leute es lieben, die drehen durch. Aber nicht wegen DIR. Die lieben nicht DICH. Die lieben die Show, die du aufführst. Und Menschen, die sich aufs rote Fleisch stürzen, werden als nächstes auch dich angreifen. Nein, die lieben dich nicht. Ich liebe dich. Ich werde dich immer lieben. Und ich sehe, wie du dir selbst wehtust - und wie du MIR wehtust.

Reg dich nicht auf! Du bist immer noch der hübscheste Milliardär, den ich kenne. Ich werde dich immer lieben. Melania wird dich immer lieben. Vladimir wird dich immer lieben. Okay, das war jetzt vielleicht nicht witzig, aber du weißt, was ich meine. Diese Präsidentschaftskandidatur zerstört den Vater, den ich kenne und liebe. Und ganz ehrlich, du und ich wissen ganz genau, dass du diesen Job gar nicht wirklich willst! Du willst es ihnen zeigen. Okay, das hast du. Jetzt hör auf und such dir Hilfe.

Lass es uns beenden

Ich bitte dich aufzuhören. Jetzt. Das Rennen zu verlassen. Lass den netten Mann aus Indiana die Sache machen. Dein Platz in der Geschichte ist sicher. Du musst jetzt aufhören. Mach was anderes um deiner selbst Willen, für das Land, für mich.

Der Mann, der mich großgezogen hat, hat einmal eine riesige Eisbahn im Central-Park bauen lassen - für alle zur freien Benutzung! Du hast mit den größten Arschlöchern aus Politik und Finanzen auf diesem Planeten Verträge geschlossen, und bist ihnen trotzdem meist freundschaftlich verbunden geblieben. Du hast eine Familie gegründet, die dich liebt. Ich will diesen Vater zurück! Ich habe Angst, wenn du jetzt nicht aufhörst, dann wirst weder du noch das Land sich je davon erholen. 

Wein ruhig, Dad, es ist in Ordnung. Lass es alles raus. Ich weiß, dass hinter all der Schroffheit, dem harten, hübschen Äußeren ein kleiner Junge sitzt, der nie genug Liebe bekommen hat. Und dieser kleine Junge braucht Zeit, um sich selbst zu finden.

Lass uns beide jetzt da rausgehen. Die Kameras stehen bereit. Du kannst dir jede Entschuldigung ausdenken, die du willst. Du kannst wem immer du willst die Schuld in die Schuhe schieben. Darin bist du doch gut! Ich weiß einfach, dass es so nicht weitergehen kann.

Nimm meine Hand, lass es uns beenden. Und ab morgen trinken wir beide wieder Martinis auf deiner Yacht vor den Hamptons mit Chelsea und den Freunden, die wir noch haben. Ich liebe dich, Dad. Lass uns gehen. Genau, nimm meine Hand.

So endet Moores lebhafte Vorstellung von Ivankas Intervention, und der 62-Jährige schließt mit den Worten: "Ivanka, ich glaube an dich, dass du das tun kannst. Ich weiß, dass ich deinen Vater schon mal verrückt genannt habe, aber das meinte ich politisch, nicht klinisch. Mittlerweile ist es mehr als verrückt. Die ganze Nation - um genau zu sein, die ganze Welt - braucht dich und deinen Mut, diesen Schritt zu tun. Die Geschichte wird dir danken für diesen Akt der Liebe einer brillanten Tochter, die auch ihr mitgenommenes Land genug liebte, um zu sagen, dass es ihrem Vater nicht gut ging, und dass er Hilfe brauchte.

Danke, Ivanka.

Dein Michael Moore."