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US-Wahl 2020 Filmemacher und Dauermahner Michael Moore fürchtet, dass Trump wiedergewählt wird

Amerikas prominentester Linker, Michael Moore, hatte schon vor vier Jahren recht behalten, als er die Wahl Donald Trumps vorhergesagt hatte. Nun warnt er vor der Wiederwahl des US-Präsidenten - denn die Umfragen stimmten nicht.

Michael Moore, Filmemacher und linker Aktivist, hatte schon mehrfach ein gutes Gespür für die Befindlichkeiten seiner amerikanischen Landsleute. Seine Karriere begann mit einer Dokumentation über den Niedergang der Automobilindustrie in seiner Heimatstadt Flint, nördlich von Detroit in Michigan. 2016 war er eine der wenigen öffentlichen Figuren, die den Sieg Donald Trumps prophezeit hatten. Jetzt, vier Jahre später, ist er eine der wenigen öffentlichen Figuren, die die Wiederwahl Donald Trumps prophezeien.

"Es ist eine schreckliche Nachricht, dass Joe Biden in den Umfragen von Michigan mit sieben Prozentpunkten vorne liegt", sagte er dem konservativen Blatt "The Hill". "Hört zu, zum einen: Glaubt diesen Umfragen nicht. Zum zweiten: Angaben für Trump werden immer unterbewertet", so Moore weiter. Seiner Ansicht nach gibt es die sogenannten "scheuen Trump-Wähler", also Menschen, die bei Befragungen ihre politischen Ansichten nicht offenbaren. Nach dieser umstrittenen Theorie würden die Befragten stattdessen so genannte "sozial erwünschte" Antworten geben, wozu "Trump-Wählen" aber nicht gehört.

Trump-Wähler wähnen den 'Deep State' am Telefon

Der Filmemacher glaubt jedoch an einen anderen Grund für falsche Auskünfte: "Wenn Meinungsforscher einen Trump-Unterstützer ans Telefon bekommen, glaubt der, er würde vom 'Deep State' kontaktiert, der wissen will, was er wähle." Der angebliche "Deep State" ist eine Art Verschwörungstheorie, unter der vor allem rechte US-Bürger eine Art Staat im Staate verstehen, der im Hintergrund die Strippen zieht. Selbst Donald Trump spricht oft vom "Deep State", der ihm und seiner Regierung Steine in den Weg lege. Michael Moore traut den Umfragen daher nicht und meint, ein realistischeres Bild ergäbe sich, wenn man die Biden-Führung halbieren würde. "Dann läge er nur mit vier Prozentpunkten innerhalb der Fehlertoleranz vorne, was zeigt, wie eng das alles ist."

Die Umfragen waren nach der vergangenen Präsidentschaftswahl in die Kritik geraten, obwohl sie zumindest im landesweiten Schnitt weitgehend korrekt waren. Die Demoskopen haben ihre Modelle seitdem etwas umgestellt. Für die anstehende Abstimmung kommen sie für die wichtigen Swingstates fast übereinstimmend auf eine zum Teil deutliche Führung für den Demokraten Joe Biden. In einigen besonders umkämpften Staaten wie Pennsylvania aber holt Donald Trump auf.

Trumps Wiederwahlchance: zehn Prozent

Für Michael Moore ist das ein Hinweis, wie eng die Wahl werden wird: Im Juli habe Biden in Michigan noch mit 16 Prozentpunkten vorne gelegen, jetzt seien es sieben. "Trump hat Bidens Führung mal eben halbiert. Und in allen Swingstates macht er die Rennen eng. In Wisconsin liegt Biden mit fünf Prozentpunkten vorne, in Florida vielleicht nur drei, zwei in Arizona", so Moore.

Der bekannte US-Wahlstatistiker Nate Silver sieht die Wiederwahlchance für den US-Präsidenten bei zehn Prozent. Er weist aber ausdrücklich daraufhin, dass das nicht heiße, seine Wiederwahl sei unmöglich. Sondern nur nicht wahrscheinlich - aber das hieß es auch 2016.

Quellen: "The Hill", FiveThirtyEight, Upworthy.com

nik

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