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Michael Moore über Donald Trump: Fünf Gründe, warum Trump gewinnen wird

An den Brexit geglaubt haben die meisten auch erst, als er eingetreten ist. Nun rät uns Aufklärungs-Regisseur Michael Moore dazu, schon mal zu üben, die unmöglichen Worte "Präsident Trump" auszusprechen.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Michael Moore und Donald Trump

Moore TrumpMichael Moore über die Zukunft des Weißen Hauses: "Ihr müsst euch der Wahrheit stellen, von der ihr tief im Innern bereits wisst, dass sie sehr, sehr real ist"

Michael Moore, Oscar-prämierter Regisseur von Filmen wie "Fahrenheit 911" und "Bowling for Columbine" hat schlechte Nachrichten. Nachdem er im vergangenen Sommer bereits prophezeite, dass Donald Trump der Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden würde, hat er nun fünf Gründe benannt, warum der "erbärmliche, ignorante, gefährliche Teilzeit-Clown und Vollzeit-Psychopath" der Nachfolger Barack Obamas werden wird. "Los sagt es, weil ihr es in den kommenden vier Jahren dauernd sagen werdet: 'PRÄSIDENT TRUMP'.

Niemals in seinem Leben habe er sich mehr gewünscht, falsch zu liegen. Doch alle, die noch daran glaubten, dass Hillary Clinton das Rennen machen werde, lebten in einer Blase, so Moore, der zuerst in der Show von Bill Maher und dann auf seiner Website über die Zukunft des Weißen Hauses gesprochen hat. Die "Ungläubigen" wechselten zwischen Abscheu und Amüsement angesichts Trumps letztem "verrückten Kommentars oder seiner peinlich narzisstischen Haltung" gegenüber allem und jedem. Darin sieht Moore einen tragischen Fehler.


"Ihr müsst aus dieser Blase sofort raus!", schreibt Moore. "Ihr müsst euch der Wahrheit stellen, von der ihr tief im Innern bereits wisst, dass sie sehr, sehr real ist." Alles andere sei Selbstberuhigung. "Unser Hirn versucht, uns vor diesem Trauma zu bewahren. (...) Wir müssen immer an das Gute glauben, das Leben ist bereits eine beschissene Show, und es ist hart genug, von einem Gehaltszettel bis zum nächsten durchzuhalten."

Moores fünf Gründe, warum Trump gewinnen wird

Und dann packt Moore die Fakten auf den Tisch: "Wenn ihr glaubt, dass Hillary Clinton Trump mit Tatsachen und Klugheit schlagen wird, habt ihr offensichtlich die 56 Vorwahlen und Parteiausschüsse verpasst", bei denen 16 Kandidaten der Republikaner vergeblich versucht haben, Trump zu stoppen. Wie die Dinge heute stünden, werde Trump Präsident, und um damit umgehen zu können, müssten die Menschen aufhören, das als unmöglich abzutun. 

1. Die Brexit-Strategie: Trump werde sich auf vier traditionell demokratische Staaten (Michigan, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin) konzentrieren, die seit 2010 einen republikanischen Gouverneur haben und die im November die Entscheidung bringen werden, so Moore. Die werde Trump sich holen, indem er Clinton die Mittelklasse abjagt. "Was in Großbritannien mit dem Brexit passiert ist, wird hier auch passieren." Denn Trump sei der "persönliche Molotow-Cocktail" all derer, die sich von der Elite um ihren amerikanischen Traum betrogen fühlen.

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2. Die wütenden weißen Männer: Eine Frau als Präsidentin? Als nächstes womöglich ein Homosexueller! Da wählen die wütenden, weißen Männer Amerikas natürlich Trump, den einzigen, der die guten alten amerikanischen Werte in dieser zerfallenden Welt noch verteidigt!

3. Das Hillary-Problem: Lasst uns ehrlich sein, schreibt Moore. Clinton hat für den Irak-Krieg gestimmt. Sie ist ein Falke rechts von Obama. Er selbst habe sich damals geschworen, sie niemals zu wählen. Aber um einen "Protofaschisten" als obersten Befehlshaber zu verhindern, werde er es doch tun. Hillary selbst sei das größte Problem, da fast 70 Prozent der Bevölkerung sie für nicht vertrauenswürdig und unehrlich halten. Sie stehe für das alte politische System und glaube an nichts anderes als die Wiederwahl. Niemand werde sie gern wählen gehen am 8. November, so wie es bei Obama der Fall gewesen sei. "Der Enthusiasmus fehlt!" Und weil es darum gehe, wer die meisten Menschen an die Urne zieht, liege Trump vorn.

4. Der enttäuschte Bernie-Sanders-Wähler: Amerikaner, die eigentlich Bernie wählen wollten, seien nicht das Problem, Die würden sich trotzdem zur Wahl schleppen. Aber sie würden eben nicht begeistert fünf weitere Wähler mitreißen.

Und schließlich 5. Der Protest-Wahl-Effekt: Unterschätzt nicht, wie viele Millionen Menschen sich als heimliche Anarchisten feiern, warnt Moore. Die Wahlkabine sei "einer der letzten Orte ohne Überwachungskameras und Abhörmikrofone. Hier gibt es keine Ehepartner, keine Kinder, keinen Boss, keine Polizei, es gibt nicht mal ein verdammtes Zeitlimit", schreibt er. "Du kannst so lange drin bleiben, wie du willst", und du kannst machen, was du willst. "Es gibt keine Regeln", du kannst auch Mickey Maus oder Donald Duck wählen. Deshalb und weil die Wut auf ein kaputtes politisches System so groß sei, würden Millionen Trump wählen. Nicht weil sie gutheißen, was er mache, sondern einfach weil sie es können. Weil sie damit "Mami und Papi kirre machen".

Es gibt Hoffnung

Als er nach der Bill-Maher-Sendung nach Hause ging, sei er auf der Straße von einem Mann angehalten worden, berichtet Moore. Und der sagte: "Mike, wir müssen Trump wählen, wir müssen etwas bewegen". Das habe ihm völlig ausgereicht. "Etwas bewegen."

Michael Moore wäre nicht Michael Moore, wenn am Ende des düsteren Ausblicks nicht ein bisschen Hoffnung aufscheinen würde. Und das strahlt aus folgender Ankündigung: "Nächste Woche werde ich meine Gedanken über Trumps Achilles-Ferse aufschreiben - und wie wir ihn schlagen können."