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Michael Moore über Donald Trump: "Trump will gar nicht Präsident werden"

Donald Trump hat es nicht leicht mit Michael Moore. Und jetzt will der Filmemacher auch noch etwas herausgefunden haben, das den ganzen US-Präsidentschaftswahlkampf auf den Kopf stellt: Trumps Kandidatur sei ein großes Missverständnis.

Michael Moore und Donald Trump

"Donald Trump wollte nie ins Oval Office", weiß Michael Moore

Der Filmemacher Michael Moore hat eine bessere Wahlkampfstrategie als alle US-Präsidentschaftskandidaten zusammen. Zum dritten Mal meldet sich der 62-Jährige in der Debatte um Donald Trump zu Wort. Und dieses Mal hat es etwas von einem Gnadenschuss.

Er wisse mit absoluter Sicherheit, dass Donald Trump nie habe Präsident werden wollen. Dass der Erfolg seiner Kandidatur ihn selbst überrascht habe. Und deshalb sabotiere er sich nun selbst, schreibt Moore wunderbar lakonisch auf seiner Website. Und entwirft wie bereits im offenen Brief an Ivanka Trump ein schlüssiges Szenario.

In Wahrheit habe Trump nur seine TV-Karriere pushen wollen. Er wollte mehr Geld vom Sender NBC, für den er "The Apprentice" und "The Celebrity Apprentice" zum Hit gemacht hat. Doch NBC habe sich geziert, und so habe der Immobilien-Milliardär und ultimative "deal maker" seine Position stärken wollen, indem er als Präsidentschaftskandidat angetreten sei. Selbstverständlich habe er nicht Präsident werden wollen. Es sei ihm nur um die Ankündigung gegangen, "ein paar megalomane Kundgebungen mit ein paar Zehntausend Fans, bis die ersten Hochrechnungen ihn als - 'was sonst' - Gewinner zeigen würden", schreibt Moore. Und dann hätte er jeden Vertrag kriegen können. Mit so vielen Millionen Dollars wie er will.


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Donald Trump vom Erfolg überrannt

Doch dann kam der 16. Juni 2015, schreibt Moore. Trump hielt - unvorbereitet und ohne Wahlkampfteam - seine Rede, in der er Mexikaner als "Vergewaltiger" und "Drogendealer" beschimpfte und ankündigte, eine Mauer bauen zu wollen, um sie "draußen zu halten". Zu Trumps Entsetzen allerdings trieb das nicht seinen Preis nach oben, sondern NBC setzte ihn an die Luft. Und das galt nicht nur für "The Apprentice", sondern auch für seine Schönheitswettbewerbe Miss USA und Miss Universe. "BOOM", schreibt Moore.

Das habe Trump nicht erwartet, und so habe er reagiert, wie wohl jeder von uns: Er machte weiter, andere Sender würden schlauer sein, wenn sie sähen, wie viele Millionen Amerikaner ihn zum Anführer haben wollen. Denn er war ja sicher, dass er "NIEMALS" der Kandidat der Republikaner und erst recht NIEMALS  Präsident werden würde. "Natürlich nicht. Das würde er ja auch nicht wollen! Der Job des Präsidenten bedeutet schließlich Arbeit und Langeweile, und du musst im Ghetto von Washington DC wohnen, in einem kleinen, feuchten, langweiligen Haus mit nur zwei Stockwerken. Ein zweiter Stock ist kein Penthouse!" Aber darüber habe Trump sich nicht wirklich Sorgen machen müssen, es würde ja eh nicht passieren.

Aber dann habe der Erfolg ihn überrannt. "Er hat etwas ausgelöst in diesem Land. Ausgerechnet bei den Leuten, die das Gegenteil von Milliardären sind." Und plötzlich wollte ihn jede TV-Show haben. Warum sollte er da noch Talkshow-Host sein wollen?! Doch die Begeisterung darüber habe sich nur kurz gehalten, so Moore. Es folgte der "Oh shit!"-Moment, in dem Trump klar geworden sei, dass er tatsächlich von den Republikanern nominiert würde - "Und mein reiches, schönes Leben ist verdammt noch mal vorbei!"


"Ich hasse das hier!"

Betrachte man Trumps Gesicht, könne man das sehr genau ablesen: "Ich hasse das hier! Ich will meine Show wiederhaben!" Aber dafür sei es zu spät, schreibt Moore. Trump sei wie beschädigte Ware, eine irreparable Marke, weltweit eine Lachnummer - und, was noch schlimmer sei, bald ein Verlierer.

Deshalb, so Moores Theorie, arbeite Trump in den vergangenen Wochen an der Selbst-Demontage - von den Kahns bis zur Ermunterung von Waffenfanatikern, auf Clinton zu schießen. "Vielleicht ist er doch nicht so dumm und irre, wie wir denken." Vielleicht sei das eine Strategie, um das Rennen endlich zu verlassen, das er eh nie zu Ende führen wollte. Warum sonst hätte er nun damit angefangen, bereits die Schuld für seine Niederlage zu verteilen. "Trump will den Job nicht - und was noch wichtiger ist - er kann und will am 8. November nicht als Verlierer dastehen", schreibt Moore. "Vertrauen Sie mir, ich habe einen Nachmittag mit ihm verbracht. Eher würde er die Clintons UND die Obamas zu seiner nächsten Hochzeit einladen, als das Loser-L auf der Stirn zu tragen."

Wenn Michael Moores Strategie der sich selbst erfüllenden Prophezeiung aufgeht, sollte eigentlich klar sein, wer wirklich die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika verdient.

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