Luftangriffe oder Gespräche Wie Donald Trump im Iran vorgehen könnte

Donald Trump hat dem Mullah-Regime im Iran bereits mit einem Militäreinsatz gedroht
Donald Trump hat dem Mullah-Regime im Iran bereits mit einem Militäreinsatz gedroht
© Lenin Nolly / Sipa / Action Press
Wegen der gewaltsamen Reaktion des Mullah-Regimes auf die Proteste im Iran hat sich Donald Trump mit den Demonstranten solidarisiert. Was könnte der US-Präsident ausrichten?

"Hilfe ist unterwegs", hat US-Präsident Donald Trump am Dienstag den Iranerinnen und Iranern zugesagt, die seit gut zwei Wochen gegen das Mullah-System auf die Straße gehen. Wie genau die Unterstützung aussehen könnte, verriet Trump nicht. Experten sehen eine Reihe von Optionen, warnen aber auch vor einer Eskalation.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit eines US-Militäreinsatzes?

Damit hat Trump dem Iran mehrfach gedroht. Die US-Waffen seien "bereit und geladen", erklärte der Präsident Anfang Januar angesichts der Berichte über zahlreiche Getötete bei den Massenprotesten. Am Freitag sagte er, die USA würden den Iran "dort sehr hart treffen, wo es weh tut". Das bedeute aber keinen Einsatz von Bodentruppen, betonte der Präsident.

Wie könnte eine Intervention dann aussehen?

Trumps Sprecherin Karoline Leavitt nannte Luftangriffe am Montag eine Möglichkeit. Sie seien eine der "vielen Optionen", die auf dem Tisch lägen. Trump selbst verwies im Gespräch mit dem Sender CBS auf die US-Luftangriffe auf drei iranische Atomanlagen vom Juni, mit denen Washington in den Zwölftagekrieg mit Israel eingriff.

Welche Ziele kämen nun infrage?

Der Iran-Experte Ray Takeyh von der Denkfabrik Council on Foreign Relations hält US-Luftangriffe auf Stützpunkte der iranischen Revolutionsgarden oder anderer Sicherheitskräfte für denkbar. Die Eliteeinheit wird für die gewaltsame Niederschlagung der Proteste und hunderte, wenn nicht tausende Tote verantwortlich gemacht. Eine solche US-Intervention könnte vielen Iranern die Angst nehmen und "Zögerliche dazu bringen, eine Teilnahme an den Protesten zu erwägen", sagt Takeyh.

Welche Risiken gibt es?

Die Direktorin des Nahost-Programms bei der Londoner Denkfabrik Chatham House, Sanam Vakil, warnt, "eine Intervention könnte dem paranoiden iranischen Regime in die Hände spielen". Es bestehe die Gefahr eines noch härteren Durchgreifens gegen die Proteste. Der Iran drohte inzwischen mit der Hinrichtung von Demonstrierenden. Darauf von dem CBS-Reporter angesprochen, sagte Trump zunächst, er habe von möglichen Exekutionen bisher nichts gehört. Auf Nachfrage ergänzte er: "Wir werden sehr entschlossene Maßnahmen ergreifen, wenn sie so etwas tun."

Könnte der Iran Vergeltung üben?

Damit hat die Führung in Teheran den USA bereits gedroht. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf nannte US-Militärstützpunkte in der Region und US-Schiffe "legitime Ziele". Nach Angaben des Senders ABC haben die USA derzeit rund 30.000 Soldaten im Nahen Osten und am Persischen Golf stationiert. Zudem sind demnach sechs US-Kriegsschiffe in der Region im Einsatz, allerdings kein Flugzeugträger mehr. Das größte solche Schiff, die "USS Gerald R. Ford", hatte Trump im Konflikt mit Venezuela in die Karibik beordert. Die US-Regierung rief derweil alle Bürgerinnen und Bürger auf, den Iran zu verlassen.

Welche Rolle spielt die Diplomatie?

Trump erklärte alle Gespräche am Dienstag vorerst für beendet. "Ich habe alle Treffen mit iranischen Vertretern abgesagt, bis das sinnlose Töten von Demonstranten aufhört", schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. Sprecherin Leavitt hatte noch am Montag betont, die Diplomatie sei "immer die erste Option für den Präsidenten".

Zielt Trump auf einen Regierungswechsel im Iran?

Hierzu äußerte sich Trump vage. Er verwies zwar auf das Beispiel Venezuelas, wo das US-Militär Anfang Januar Präsident Nicolás Maduro sowie seine Ehefrau gefangen genommen und in die USA gebracht hatte. Zugleich scheint der Präsident die Iraner selbst am Zug zu sehen. Auf Truth Social appellierte er an die Demonstrierenden: "Übernehmt eure Institutionen."

Welche Mittel hat Trump noch?

Er könnte den Druck auf Verbündete des Iran erhöhen. Am Montag verkündete Trump US-Strafzölle von 25 Prozent gegen "jedes Land, das Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran tätigt". Dazu könnten China zählen, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak, aber auch der Nato-Partner Türkei. Das Weiße Haus bestätigte die Liste bisher nicht.

AFP
Shaun Tandon / Stephanie Lob / cl

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