Irans Staatsoberhaupt und Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump tot. "Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot", schrieb der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social. Aus dem Iran lag dafür zunächst keine Bestätigung vor. Das sei die "größte Chance für das iranische Volk, sein Land zurückzuerobern", betonte Trump. Er kündigte an, die Bombardierungen im Iran würden weitergehen, bis Frieden in der Region und in der ganzen Welt einkehre.
Chamenei habe sich den hochspezialisierten Geheimdiensten nicht entziehen können, sagte er weiter. Trump verwies dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit Israel. "Es gab nichts, was er oder die anderen mit ihm getöteten Anführer tun konnten".
Trump gab an, man höre, dass viele iranische Militärs und weitere Sicherheitskräfte nicht mehr kämpfen wollten und die USA um Straffreiheit ersuchten. "Wie ich vergangene Nacht gesagt habe: "Jetzt können sie Straffreiheit haben, später gibt es nur noch den Tod!"". Trump äußerte die Hoffnung, die Revolutionsgarden und die Polizei würden sich friedlich mit den "iranischen Patrioten" zusammentun. Innerhalb nur eines Tages sei das Land "weitgehend zerstört" worden.
Bereits bevor er den Tod Chameneis bekanntgab, war Trump in einem Telefoninterview des Senders ABC News auf die mutmaßlich nächste Führung im Iran angesprochen und gefragt worden, ob ein neuer Anführer identifiziert worden sei. Nach Angaben des Senders sagte Trump daraufhin: "Ja. Wir haben eine sehr gute Vorstellung davon."
Jubelrufe in Teheran
Ebenfalls vor Trumps Post war bereits nach Berichten über Chameneis Tod in Teheran spontan Jubel ausgebrochen. Bewohner der iranischen Hauptstadt berichteten von Menschen, die vor Freude aus ihren Fenstern schrien. Die Nachricht war unter anderem von iranischen Exilmedien verbreitet worden, die im Iran über Satellit empfangen werden können. Auf den Straßen waren Hupkonzerte zu hören.
Seit Samstagmorgen haben Israel und die USA den Iran erneut angegriffen. Dabei wurde von Israel auch Chameneis Amtssitz in einem Hochsicherheitsbereich der Hauptstadt Teheran bombardiert. Ein vom iranischen Nachrichtenkanal Sabrin-News veröffentlichtes Satellitenfoto zeigte das vollständig zerstörte Areal des als "Beyt" bekannten Bereichs. Es war jedoch unklar, ob sich Chamenei zum Zeitpunkt der Attacke dort aufgehalten hatte.
Folgen für die Islamische Republik
Sein Tod könnte erhebliche Folgen für das politische System der islamischen Republik haben. "Damit wäre erstmal die zentrale Figur, auf die alles zusammenläuft, ausgeschaltet", sagte der Professor für Islamwissenschaften, Simon Wolfgang Fuchs, von der Hebräischen Universität in Jerusalem der Deutschen Presse-Agentur. "Auf der anderen Seite ist Iran natürlich kein Regime, das nur auf eine Familie baut oder auf einen ganz engen Kreis an Leuten, an denen alles hängt", schränkte er ein. Chamenei habe zudem angeordnet, für alle führenden Positionen im Staat mindestens vier Stellvertreter zu ernennen, damit Befehlsketten nicht unterbrochen würden. Das gelte auch für sein eigenes Amt.
Wer Chamenei nachfolgen könnte, ist unklar. Öffentlich hatte sich der Religionsführer dazu nicht geäußert. Dem Staatsapparat dürfte es zudem schwerfallen, mitten im Krieg das Machtgefüge neu zu ordnen. Nach der Verfassung müsste der sogenannte Expertenrat, ein Gremium aus 88 einflussreichen Geistlichen, den Nachfolger bestimmen. In den vergangenen Jahren war immer wieder sein Sohn Modschtaba genannt worden, der bislang kaum in der Öffentlichkeit stand.
Ausbau zur Regionalmacht - Aber: "Tod dem Diktator"
Der Religionsführer prägte in den vergangenen Jahrzehnten wie kein anderer die iranische Außen- und Innenpolitik und baute das Land mit den einflussreichen Revolutionswächtern, einer elitären und ideologischen Streitmacht, zu einer Regionalmacht aus.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs im Herbst 2023 stand die Islamische Republik mehrfach am Rande eines offenen Kriegs. Im vergangenen Jahr attackierte Israels Militär den Iran gemeinsam mit den USA. Auch nichtstaatlichen Verbündeten des Irans versetzte Israel empfindliche Schläge, etwa der Hisbollah im Libanon und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen - der Sturz des syrischen Langzeitmachthabers Baschar al-Assad schwächte darüber hinaus die Stellung Teherans in der Region.
Nach innen regierte Chamenei mit harter Hand. Kritik an seiner Person wurde nicht geduldet, Proteste gegen das islamische Herrschaftssystem ließ er wiederholt blutig niedergeschlagen. Bei den schwersten Massenprotesten seit Jahren wurden im Januar nach Angaben des Aktivistennetzwerks HRANA mehr als 7.000 Menschen getötet, unter ihnen auch mehr als 200 Staatskräfte. Ausgelöst worden waren die Demonstrationen durch die massive Wirtschaftskrise. Einer der Protestrufe galt Chamenei: "Tod dem Diktator".