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Waffenhandel im Netz: Mit diesen absurden Tricks werden Schalldämpfer online gehandelt – auch bei Amazon

Trotz laxer Waffengesetze ist der Kauf von Schalldämpfern in den USA streng limitiert. Trotzdem gehen die Lauf-Aufsätze reihenweise über den digitalen Ladentisch. Indem man sie einfach mit absurden Ausreden zu etwas anderem erklärt.

In Filmen kommen Schalldämpfer deutlich häufiger vor als im Alltag (Symbolbild)

In Filmen kommen Schalldämpfer deutlich häufiger vor als im Alltag (Symbolbild)

Getty Images

Die Freiheit des amerikanischen Waffenrechtes ist berühmt. Und das nicht erst seit Michael Moore in "Bowling for Columbine" in einer Bank ein Gewehr zur Kontoeröffnung geschenkt bekam. In einem Punkt sind die US-Behörden aber sehr streng: Der Verkauf von Schalldämpfern ist streng geregelt. Mit absurden Tricks umgehen aber viele Verkäufer die Regeln - und verkaufen die Waffen-Aufsätze einfach als Alltagsgegenstände.

So seien etwa Schalldämpfer bei verschiedenen Händlern als "Lauf-Hülle", als "Lösungsmittel-Filter" oder gar als "Taschenlampen-Verlängerung" verkauft worden, berichtet der Tech-Blog "The Verge". Selbst auf der amerikanischen Amazon-Seite sind als "Lösungsmittel-Sammler" gelistete Gegenstände zu kaufen, die sich mit wenig Aufwand zu Schalldämpfern umbauen lassen.

Strenge Regeln - mit Spielraum

Der Grund für die Tricksereien ist die strenge Reglementierung der Geräusch-Unterdrücker. Während beim Kauf einer Schusswaffe oft der Ausweis ausreicht, muss man den Kauf von Schalldämpfern erst beantragen. Die Genehmigung kann über ein Jahr dauern, so "The Verge". Und selbst danach muss jeder einzelne gekaufte Schalldämpfer registriert werden.

Die Ersatz-Gegenstände dagegen sind frei verkäuflich. Auch der Umbau in einen Waffen-Aufsatz ist nicht verboten - solange man den dann registriert. Das geht zudem noch schneller. "Es kostet 450 Dollar und mehr als ein Jahr Zeit, einen Schalldämpfer zu registrieren"; erklärte Bob Folkestead, Gründer des "Lösungs-Mittel-Fänger"-Herstellers Quiet Bore gegenüber "The Verge". "Kauf eines meiner Produkte und du hast die Genehmigung in zwei bis drei Wochen."

Der Verkauf der Bauteile ist auch deshalb legal, weil das FBI eine recht schwammige Definition eines Schalldämpfers nutzt. So sei es möglich, Gegenstände zu bauen, die zwar einem Schalldämpfer entsprechen, aber nicht als einer gelten. "Die ATF (Behörde zur Regulierung von Alkohol, Tabak und Schusswaffen, Anmerkung der Redaktion) hat uns quasi allen einen Freifahrtsschein gegeben", so ein ehemaliger Mitarbeiter, der heute eine Sicherheitsfirma betreibt.

Kaum Alltagsrelevanz

Ein Grund dafür dürfte der enorme Aufwand der Genehmigungen sein. Die Regulierung begann bereits 1934, als der Einsatz der Geräte bei Verbrechen zunahm. Seit dem spielen sie aber kaum eine Rolle. Lediglich 153 Gerichtsfälle hätten zwischen 1995 und 2004 mit Schalldämpfern zu tun gehabt, zeigte eine Studie 2007. Die meisten befassten sich allerdings mit dem reinen Besitz: Nur in acht Fällen war damit geschossen worden.

Kein Wunder, dass viele die Entkriminalisierung der Aufsätze fordern. "Man kann schlecht argumentieren, dass die Behörden den Besitz eines Gegenstandes verfolgen sollen, wenn der dann gar nicht in Verbrechen genutzt wird", erklärte ein weiterer ehemaliger ATF-Beamter "The Verge". 

Dass die Schalldämpfer so selten Verwendung finden, dürfte auch in der falschen Darstellung von Schussgeräuschen in den Medien liegen. Wenn James Bond schießt, ist der Knall kaum zu hören, ungedämpfte Pistolen erlauben in Film und TV immer noch ein normales Gespräch. In Wahrheit sind echte Schüsse mit bis zu 150 Dezibel aber fast 30 Mal lauter als ein startendes Flugzeug. Und selbst der Schalldämpfer schränkt das immer noch nur in Maßen ein: Der niedrigste gemessene Wert ist mit 117 dB immer noch so laut wie eine Kettensäge.
Quellen: The Verge, Amazon, Western Criminology

mma