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US-Waffenkultur: Sturmgewehr als Hauptpreis: Grundschul-Cheerleader verteilen Tickets für Tombola

Schusswaffen sind in der US-Kultur tief verwurzelt. Wie tief, das zeigt ein Fall aus Ohio. Eine Sportvereinigung wollte dort die Vereinskasse füllen - indem sie Sturmgewehre verloste. Erst als kleine Kinder Lose verteilen sollten, schlugen Eltern Alarm.

Das Sturmgewehr G36 gehört seit 1996 zur Standardausrüstung jedes Bundeswehrsoldaten

Das Sturmgewehr G36 gehört seit 1996 zur Standardausrüstung jedes Bundeswehrsoldaten

Es ist eine Veranstaltung, wie es sie bei Sport- und anderen Vereinen täglich gibt: Um etwas Geld in die Kasse zu bringen, verkauft man Tickets zu einer Verlosung. Die Spender bekommen so die Chance auf einen Preis - und alle sind zufrieden. Doch während wohl kaum jemand auf die Idee käme, auf einer Veranstaltung für einen Kindersportverein Sextoys oder Schnaps zu verlosen, hatte man in Ohio mit schweren Waffen deutlich weniger Probleme.

Als der "New Richmond Junior Lions Football" seine aktuelle Spendenaktion plante, wollte man dort wohl attraktive Preise verlosen - und entschied sich für schweres Geschütz. Bei der Fußballmannschaft wurde eine Glock-Pistole gewählt, das Cheerleader-Team verloste mit ein AM15-Sturmgewehr. Dass die Preise kein Zufall sind, zeigte der Name der Verlosung: "NRJLF Cheer Gun Raffle Fundraiser" (NRJLF Cheerleader Waffen-Verlosung Spendenaktion) prangte auf den Tickets. Und das, obwohl die Tickets von Kindern verkauft wurden.

Kinder, die Waffen verlosen

"Das ist doch absurd. Wir lassen Grundschüler Sturmgewehre verkaufen. Aber warum?", regte sich Heather Chilton, die Mutter einer der Cheerleader, im Lokalsender "WXIX" auf. "Ich glaube ja nicht, dass etwas mit den Waffen passiert. Aber sagen wir mal, eines der High-School-Kinder hier bekommt das AM15 in die Hände und begeht ein Schulmassaker. Soll ich dann diejenige sein, die seinem Vater das Siegerticket verkauft hat?"

Eine Waffengegnerin ist Chilton nicht. Sie habe selbst welche, verriet sie dem TV-Sender "WCPO". Sorgen mache sie sich eher darum, dass ihre Tochter im in der Waffenfrage durchaus erhitzten Klima auf einen Waffengegner treffen könnte. "Wir wissen nicht, ob Bob am Ende der Straße etwas gegen Waffen hat. Warum sollte ich meine Tochter zu einem Waffengegner schicken? Er kennt dann ja unsere Gesichter." Zudem gehe es auch um das Prinzip: "Unsere Kinder sollten damit nichts zu tun haben. Punkt. Sie sollen Cheerleader sein."

Wenig Widerstand

Freiwillig war die Verteilung der Tickets nicht: Jedes Kind solle mindestens zehn Tickets verkaufen, so eine Broschüre, die dem zu CBS gehörenden TV-Sender "WKRC" vorliegt und vom Vereinsvorstand als echt bestätigt wurde. Davon seien jeweils fünf für die Waffen- und eine Geschenkkorb-Tombola vorgesehen. Immerhin nahmen die Organisatoren die Sorgen der Mütter ernst: Eine von ihnen setzte durch, dass ihre Tochter nur Geschenkkörbe verlosen musste.

Dem Verein hat die Aktion nicht geschadet. "Seit das in der Presse gelandet ist, sind die Ticket-Verkäufe deutlich angezogen", erklärte Vereinsleiter Robert Wooten gegenüber "WKRC". Er verstehe die Sorgen, erklärte der Vater von fünf Kindern. Trotzdem will er die zum vierten Mal stattfindende Waffen-Tombola durchziehen, sie für das nächste Mal aber noch einmal mit dem Verein überdenken. Der Widerstand scheint allerdings eher gering: Bisher hätten sich nur zwei Elternpaare beschwert. 
Quellen: WKRC, WXIX, WCPO

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