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Aufgeheizte Stimmung Angst vor einem Bürgerkrieg – warum auch Liberale in den USA die Waffenläden stürmen

Nach Parler-Leak: Neue Videos vom Sturm auf das US-Kapitol aufgetaucht.
Sehen Sie im Video: Neue Videos von Kapitol-Erstürmung machen die Runde.






Neue Aufnahmen vom Sturm auf das US-Kapitol in Washington D. C. am 06. Januar 2021.


Die Videos zeigen die Ereignisse in der US-Hauptstadt aus Sicht von randalierenden Trump-Anhängern.


"USA! USA! USA! USA! USA!"


Die Clips stammen von der rechten, inzwischen nicht mehr erreichbaren, Social-Media-Plattform "Parler" und wurden von dort geleakt.


Eine Hackerin, bekannt unter dem Twitternamen „Donk_enby“, und Helfer sichern vor der Abschaltung der Plattform rund 56 Terabyte an Daten und veröffentlichen diese im Internet – darunter Millionen Videos und Fotos, teilweise mit anhängenden GPS-Daten, und bereits gelöschte Postings.


Parler war aufgrund von Gewalt-, Mord- und Bürgerkriegsaufrufen wenige Tage nach dem Sturm auf das Kapitol durch den Serverbetreiber Amazon vom Netz genommen worden.


Die geleakten Informationen gelten im Zusammenhang mit der Strafverfolgung rund um die Ereignisse in Washington D. C. als Goldgrube für das FBI.



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Die Stimmung in den USA ist explosiv. Viele fürchten einen Bürgerkrieg. Nun kaufen sogar Menschen Waffen, die eigentlich Gegner des Waffenkults sind. Sie glauben, keine andere Wahl zu haben.

Die amerikanische Mittelschicht bewaffnet sich wie noch nie. Ob großkalibrige Revolver, die zuverlässige Glock-Pistole oder gleich ein Sturmgewehr mit der AR-15-Architektur. Die Waffenläden können die Nachfrage kaum bedienen. Einerseits ist das wegen des Regierungswechsels nicht verwunderlich. Viele US-Bürger erwarten, dass die Biden-Administration versuchen wird, den Waffenerwerb zu erschweren. Sie decken sich also vorher ein.

Dazu kommt spätestens seit der Erstürmung des Kapitols die Angst, die USA würden kurz vor dem Bürgerkrieg stehen. Neben den üblichen Waffensammlern, Survival-Preppern und Jägern reihen sich nun auch Leute in die Schlange ein, die vor wenigen Jahren den Gedanken an eine eigene Waffe entrüstet von sich gewiesen haben.

Fast fünf Millionen Amerikaner haben sich in den letzten zwölf Monaten ihre erste Schusswaffe gekauft, das ist die größte Waffenkaufwelle in der Geschichte des Landes. Munition ist vielerorts ausverkauft. Teure Modelle, deren Qualität den Militäranforderungen entspricht, sind kaum zu bekommen. Der britische Telegraph hat sich bei den liberalen Erstkäufern umgesehen.

Waffentraining für Lehrer in Texas

Kauf in Hauspuschen 

Einer ist der Bauunternehmer Brad Vercosa aus Long Island. Lange hat er mit sich gerungen, ist immer wieder an Jimmy's Sport Shop vorbeigegangen, dann war es soweit. Noch in Hauspuschen trat er morgens an den Tresen. Die Erstürmung des Kapitols durch Pro-Trump-Demonstranten am 6. Januar gab den Anstoß. Vercosa hat sich für eine großkalibrige Shotgun entschieden. Diese Schrot-Waffen sind ideal für ungeübte oder ängstliche Schützen, man muss nur in etwa in Richtung des Angreifers zielen, um ihn zu stoppen. "Das Klima, in dem wir uns befinden, gibt mir definitiv das Gefühl, dass ich mich schützen sollte. Es könnte einen Bürgerkrieg geben, es könnte alles Mögliche passieren."

Der Shop-Inhaber Jimmy Gong sagt, seine Kunden bilden den ganzen Kosmos der New Yorker Vorstadtbewohner ab. Die Mentalität der Einheimischen hat wenig mit der Waffenlobby der NRA zu tun. "Eine Waffe wird immer mehr zum Mainstream wie der Kauf eines Autos", sagt er. "Ich glaube, die Leute sind im Moment im Panikmodus."

Angst vor den Nachbarn

Am anderen Ende des Landes in Burbank, Kalifornien das gleiche Bild. Der 21-jährige Elliott Smith wartet darauf, seine erste Schusswaffe zu kaufen. Die Szenen aus dem Capitol brachten auch ihn ins Waffengeschäft. "Es ist nur meine Vorsichtsmaßnahme", sagt er. "Meine Absicht ist, dass ich sie nicht benutzen würde, es sei denn, es gäbe einen Bürgerkrieg."

Shop-Inhaber James Janya hat noch nie so einen "Anstieg der Kunden" bemerkt. Der Ex-Marine schätzt, dass etwa 80 Prozent seiner Kunden zum ersten Mal eine Waffe gekauft haben. Auch der Anteil an Frauen sei stark gestiegen. "Jeder hat im Moment Angst", sagt er. "Die Geschäfte machen zu. Die Kriminalität nimmt zu. Die Leute sagen: 'Stellt die Polizei ein.' Und wer soll mich dann beschützen? Deshalb kaufen die Leute Waffen."

Eric Fletcher von Ammo & Guns in Burbank sieht das ganze politische Spektrum in seinem Laden. "Wir sehen hier eine bunte Mischung, darunter auch Leute, die in Kleidung kommen, auf der Dinge stehen wie: 'BLM' oder 'FTP' (F--- the Police)", sagt Fletcher. Ein anonymer Erstkäufer sagte der Zeitung in Texas, dass er die Idee des Waffenbesitzes abscheulich fand - aber als Linker in einem zutiefst konservativen Staat mit der höchsten Anzahl an registrierten Waffen in den USA fühle er sich zunehmend bedroht. "Ich habe das Gefühl, dass ich keine große Wahl hatte", erklärt er. "Die Leute da draußen, die Waffen wirklich lieben, sprechen jetzt offen darüber, Leute wie mich zu töten."

Quelle: Telegraph

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