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Anti-Terror-Einsatz: Makaberer Rekord: Sniper trifft IS-Kämpfer in 3540 Metern Entfernung

Einem kanadischen Scharfschützen soll ein schauriger Rekord gelungen sein - ein bestätigter Treffer über die unglaubliche Entfernung von 3540 Metern. Das Ziel soll ein IS-Kämpfer gewesen sein.

Kanadische Scharfschützen auf einer Ausbildungsmission

Kanadische Scharfschützen auf einer Ausbildungsmission

Im Kreis der Scharfschützen werden befremdliche Rekordlisten geführt. Die bekanntesten sind die mit den meisten bestätigten "Abschüssen", sprich: getöteten Gegnern. In letzter Zeit tritt diese Liste etwas in den Hintergrund, denn niemand kann die Zahlen aus dem Zweiten Weltkrieg erreichen. Außerdem möchte das Militär, welches diese Rekorde aus PR-Gründen verbreitet, dass möglichst viele eigene und verbündete Kämpfer die Top-Plätze belegen. Doch die 160 Toten des bekannten US-Snipers Chris Kyle haben wohl schon zahlreiche lokale Schützen in den Schatten gestellt.

Die neue "Königsdisziplin" der Scharfschützen aus dem Westen ist daher die Distanz. Einen Treffer über 3540 Metern, wie jetzt im Irak, unter den Bedingungen des Krieges gab es noch nie. "Dieser Schuss hat einen Angriff des Islamischen Staats auf irakische Truppen gestoppt. So mussten keine Bomben eingesetzt werden, die eventuell zivile Opfer gefordert hätten. Es war eine präzise Anwendung von Gewalt. Weil es so weit weg war, hatten die bösen Typen keine Ahnung, was geschah", sagte eine Quelle im kanadischen Militär der "The Globe and Mail".

Aktuelle Version der McMillan TAC-50.

Aktuelle Version der McMillan TAC-50.

Durch Videos bestätigt

Der Abschuss wurde durch unabhängige Daten bestätigt. "Wir haben Daten über den Vorgang. Das sind keine Vermutungen. Wir hatten einen zweiten Beobachter mit einer entsprechenden Ausrüstung. Wir können den Schuss exakt zuordnen." Die Entfernung ist 1000 Meter größer als der bisherige Rekord. Im Jahr 2009 traf der Brite Craig Harrison einen Taliban-Kämpfer aus einer Distanz von 2475 Metern. "Kanada hat ein erstklassiges System von Scharfschützen. Es ist nicht nur der Schütze. Wir arbeiten mit Teams. Es gibt auch einen Beobachter. Das erfordert besondere Fähigkeiten, die nicht jeder hat", rühmt die anonyme Quelle die kanadischen Militärs.

GoPro rettet Kameramann das Leben

Team aus Schützen und Spotter

Schon im Zweiten Weltkrieg arbeiteten Scharfschützen häufig mit einem Beobachter. In den Konflikten der heutigen Welt werden allerdings gern alle Soldaten, die gezielt schießen, als Sniper bezeichnet. Schützen, die eine weitreichende Waffe wie die hier verwendete McMillan TAC-50 benutzen, werden stets von einem Beobachter begleitet. Das unhandliche Gewehr, das nur einzelne Schüsse zulässt, böte keinen angemessenen Schutz, sollte der Sniper in ein Gefecht auf kurze Entfernung verwickelt werden. Die McMillan TAC-50 ist ein spezielles Scharfschützengewehr über lange Entfernungen. Es verschießt Patronen im Kaliber 12,7 × 99 Millimeter – eine Patrone ist etwa 14 Zentimeter lang. 

 Fünf Stück befinden sich im Magazin, nachgeladen wird über ein manuelles Repetiersystem. Die Präzision des Waffenbaus und der Spezialmunition erlauben derartige Schüsse. Im letzten Jahr machte der russische Hersteller Lobaev mit einem Schießstand Treffer über 4000 Meter Reklame für die SVLK 14S "Sumrak" (Dämmerung).

Erdkrümmung spielt eine Rolle

Für einen Schuss über eine derart lange Entfernung bedarf es einer guten Ausbildung und großer Fachkenntnisse. Die mathematischen Berechnungen werden heutzutage von einem Computer erledigt. "Bei so einer Distanz muss man nicht nur die ballistischen Eigenschaften der Munition berücksichtigen, sondern auch den Wind beziehungsweise die verschiedenen Windrichtungen auf der Strecke. Außerdem muss man von einer erhöhten Position aus feuern. Bei dieser Entfernung macht sich bereits die Erdkrümmung bemerkbar", sagte der ungenannte Militär dem Blatt.

Terror-Experte

Elf Sekunden bis zum Einschlag

Und natürlich muss das Ziel stillhalten, das Projektil benötigt etwa elf Sekunden bis zum Einschlag. Bei 3540 Metern Entfernung dürfte das Opfer den Knall des Abschusses nicht mehr hören können. Die lange Flugzeit ist auch der Grund, warum es so selten Treffer aus so großen Entfernungen gibt. Einerseits gibt es nur wenige Gegenden, bei denen der Schütze eine Gegend in drei bis vier Kilometer Radius einsehen und kontrollieren kann. Anderseits muss ein menschliches Ziel sitzen oder still stehen. Zwar ist es möglich, die Bewegung zu berechnen. Das funktioniert bei einem Fahrzeug aber weit präziser, als bei einem marschierenden Menschen, dessen Oberkörper bei jedem Schritt schwankt und dessen Gang von jedem Stein auf dem Boden abgelenkt werden kann.

Ende der Scharfschützen-Ära

Auch wenn nun ein neuer makaberer Rekord gelungen ist: Die Ära der Langdistanz-Scharfschützen und ihrer Todeslisten geht zu Ende. Die Zukunft wird Präzisionsgewehren gehören, die auf computergesteuerte Scharfschützen-Lafetten montiert sind – der Spotter markiert dann nur noch das Ziel auf einem Tablet, der Schuss wird von der Maschine berechnet und ausgeführt.


Korrektur: Die genannten elf Sekunden beruhen auf den Angaben der militärischen Quelle. Tatsächlich sollte das benutzte Geschoss maximal fünf Sekunden für die Distanz benötigen. 



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