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Donald Trump "Die Kriminalität in Deutschland ist auf ein unglaubliches Niveau gestiegen"

Donald Trump bei seiner Rede in der Youngstown State University im US-Bundesstaat Ohio
Hillary Clinton will die Angela Merkel Amerikas werden": Donald Trump bei seiner Rede in der Youngstown State University im US-Bundesstaat Ohio
© Jeff Swensen/AFP
Donald Trump hat zuletzt viel einstecken müssen. Auf jeden seiner Angriffe folgten schwere Konter. Nun hat der US-Präsidentschaftskandidat in einer außenpolitischen Rede Angela Merkel attackiert - mit einer gewagten Behauptung.

Die Umfragewerte sind im Keller, die Geduld in seiner republikanischen Partei mit ihrem Kandidaten geht in Richtung Null. Der Kopf seiner Wahlkampfmaschine muss sich Schwarzgeld-Vorwürfen in der Ukraine erwehren. Donald Trump braucht dringend positive Energie, wenn er in den verbleibenden 85 Tagen bis zum Wahltag am 8. November nicht weiteren entscheidenden Boden gegen seine Kontrahentin Hillary Clinton verlieren will. Was ist da sicherer, als eine harte Gangart gegen Terroristen anzukündigen?

"Trump hat die Bindung zur Realität verloren"

Natürlich blieb Trump auch bei seiner minutiös vom Teleprompter abgelesenen außenpolitischen Rede am Montag (Ortszeit) in Youngstown, Ohio nicht bei der Wahrheit. Mit der Nato, die er noch ein paar Tage vorher als irrelevant gescholten hatte, wolle er nun zusammenarbeiten. Das Militärbündnis habe nämlich aufgrund seiner Kritik seine Strategie geändert. "Nach meinen Kommentaren haben sie ihre Politik geändert", sagte er allen Ernstes.

"Trump hat die Bindung zur Realität verloren", urteilt Jason Easley vom Politblog PolicusUSA. Das "Wall Street Journal", den konservativen Republikanern grundsätzlich nicht feindlich gesinnt, gibt Trump nur noch drei Wochen. "Wenn sie es nicht schaffen, Herrn Trump dazu zu bringen, seine Vorstellung bis Anfang September zu ändern, dann haben die Republikaner keine andere Wahl, als ihren Kandidaten abzuschreiben und sich auf die Rennen um den Senat und um das Abgeordnetenhaus sowie auf andere Wahlen zu konzentrieren", heißt es in einem Kommentar des Blattes.

Donald Trump: "Die Kriminalität in Deutschland ist auf ein unglaubliches Niveau gestiegen"

Anti-Terror-Rede bleibt ohne größere Aussetzer

Trump wirkte am Montag angeschlagen. Er musste stellenweise sehr genau hinschauen, um lesen zu können, was ihm der Teleprompter vorgab. Sein Gesicht sah grau aus, die Worte fielen langsam. Der Auftritt korrespondiert mit dem, was Trump-Vertraute an US-Medien durchstechen: Der Kandidat sei "erschöpft und verstört", genauso wie viele der Leute um ihn herum, berichtete die "New York Times" kürzlich. Trump fühlte sich bemüßigt zu reagieren: "Ich genieße den Wahlkampf", erklärte er via Twitter.

Immerhin schaffte der 70-Jährige seine Anti-Terror-Rede ohne einen jener größeren Aussetzer, die ihn in den vergangenen Wochen schwer in die Bredouille brachten. Er bezichtigte zwar Präsident Barack Obama und seine damalige Außenministerin Hillary Clinton, den Boden für die Terroristen des Islamischen Staates, etwa in Libyen oder im Iran bereitet zu haben. Aber er wiederholte nicht mehr seine groteske Anschuldigung, Obama sei der Gründer des IS.

Donald Trump attackiert Angela Merkel

Dafür musste diesmal die deutsche Kanzlerin Angela Merkel herhalten. Ihre Flüchtlingspolitik sei "eine Katastrophe für Deutschland und die Menschen in Deutschland", erklärte Trump. "Die Kriminalität ist auf ein Niveau gestiegen, das niemand geglaubt hat, je zu sehen." Und Hillary Clinton, Trumps Kontrahentin im Rennen um das Weiße Haus, sei "ein Desaster". Sie wolle nämlich, "die Angela Merkel Amerikas" werden und ungezügelt Flüchtlinge ins Land lassen.

Trump selbst trat dafür ein, Einwanderer einer Gewissensprüfung zu unterziehen. Sie müssten "extrem" getestet werden und beweisen, dass sie die Verfassung der Vereinigten Staaten lieben. Und wenn er Präsident sei, werde er sein Außenministerium anweisen, diejenigen Regionen in der Welt zu definieren, aus denen nicht einmal diese Tests ausreichend seien und insofern Migration in die USA nicht möglich sei. 

Das alles klingt ein wenig so, als würde sich da jemand in Trumps ehemaliger Reality-Fernsehshow "The Apprentice" darum bewerben - nur mit vertauschten Rollen. Den Richterjob hatte am Montag Vizepräsident Joe Biden inne - und der senkte den Daumen erwartungsgemäß nach unten. Hillary Clinton habe über Außenpolitik schon mehr vergessen, als Trump und sein gesamtes Team jemals wissen werden.

mad/Michael Donhauser, DPA

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