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Trump holt Steve Bannon Jetzt dürfte der Wahlkampf richtig hässlich werden

Bildkombo Donald Trump (r.) und Stephen K. "Steve" Bannon
Donald Trump hat sich Stephen K. "Steve" Bannon (l.) in sein Team geholt. Der bisherige Chef der Website Breitbart steht für die konsequenteste Form politischer Rücksichtslosigkeit.
© Kirk Irwin/Getty Images, Darren Hauck/Getty Images
Noch gut 80 Tage bis zur Wahl. Unversehens ist Donald Trump unter schweren Druck geraten, einmal mehr baut er nun sein Team um. Was bedeutet das für den US-Wahlkampf?

Einlenken? Niemals! Mit aller Kraft will Donald Trump aus der Defensive, holt sich illustre Verstärkung an die Teamspitze. Es ist der Versuch eines Neustarts, aber der Weg ist derselbe.

Warum baut Trump sein Team um?

Das dürfte mehrere Gründe haben. Zum einen war Trump angeblich genervt von seinen Beratern, die ihn friedlicher trimmen wollten, präsidentieller. Dass er möglicherweise selber ein Problem ist, kommt für Trump nicht in Frage. "Lasst Trump Trump sein!" - nach diesem Motto seines früheren Mitarbeiters Corey Lewandowski möchte der Unternehmer am liebsten weiter agieren. Zweitens stottert seine Kampagne, die Umfragewerte aller wichtigen Staaten sehen finster aus. Drittens muss Paul Manafort aus der Schusslinie, bisher Chef des Wahlkampfs, toxisch belastet von Verstrickungen in millionenschwere Beratungsgeschäfte in der Ukraine.

Wen holt er in sein Team?

Stephen K. "Steve" Bannon, bisher Chef der Website Breitbart, wird Chef des gesamten Stabes. Breitbart operiert radikal am äußerst rechten Rand. Die Seite kämpft seit Jahren erbittert gegen die Clintons, ist sich für keine Verschwörungstheorie zu schade. Ben Smith, Chefredakteur von Buzzfeed: "Breitbart? Kein Journalismus. Medienaktivismus." Mit Wucht zieht Breitbart auch gegen das Establishment zu Felde - wohlgemerkt das der Republikaner. Bannon steht für die konsequenteste Form politischer Rücksichtslosigkeit. Als eine Art stiller Berater rät er Trump seit Monaten: Sei noch mehr der Außenseiter, geh noch mehr Deinen ureigenen Weg.

Wie wird sich das auf den Wahlkampf auswirken?

Es dürfte noch hässlicher werden. "Große Veranstaltungen, brutale Kämpfe mit Clinton, größtmögliche Betonung von Nationalismus und Populismus" - das erwartet die "Washington Post". Trump ist schwer angeschlagen, sucht sein Heil offenkundig in noch mehr Kompromisslosigkeit, als wäre der Wahlkampf 2016 nicht schon ausreichend heftig. Außerdem will der Reality-TV-Experte noch viel mehr Fernsehpräsenz. Was mag das für das Niveau bedeuten? 

Trump holt Steve Bannon: Jetzt dürfte der Wahlkampf richtig hässlich werden

Was bedeuten die Änderungen für Trumps bisheriges Team?

Manafort bleibt "Chefstratege", ist aber tatsächlich mindestens degradiert - auch wenn er die Neuen offiziell brav willkommen hieß. Die Installierung von Kellyanne Conway dagegen dürfte von Trumps Kampagne insgesamt eher aufrichtig begrüßt werden. Conway ist eine echte "Pollster", Spezialistin für Umfragen und Daten, zudem sehr TV-präsent. Dem Solisten Trump waren die wichtigen Wählerdaten und -erhebungen bisher fast gänzlich egal, ganz anders als Clintons Stab.

Wie wird die Partei reagieren?

Trumps Kampagne ist in einer kritischen Phase. Der Führung der Republikaner wird seit Tagen nachgesagt, sich klammheimlich bereits von ihrem schwierigen Spitzenmann loszueisen. Das Gerücht hält sich, die Partei wolle ihre Gelder lieber weg von Trump und hin auf Kongresskandidaten lenken, um sie aus einem möglichen Abwärtssog des Milliardärs zu retten. Mit seinem neuen Schachzug verschärft Trump einmal mehr seinen Konfrontationskurs in der Partei, will seinen Weg klar alleine gehen, Gesetzesmäßigkeiten bisheriger Wahlkämpfe weiter ignorieren. Er sagte in Wisconsin: "Ich bin, wer ich bin. Ich werde nicht einschwenken. Man muss man selbst sein."

mad/Martin Bialecki, DPA

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