Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
es gibt ein wunderschönes Lied der Sängerin Judith Holofernes (früher Frontfrau der Band Wir sind Helden) mit dem Titel: „Der Krieg ist vorbei.“ Es geht um Krieg und Frieden, Zerstörung und Wiederaufbau, Loslassen und Neuanfang. Darin heißt es: „Ich weiß nur, wie man anfängt, nicht wie man aufhört.“ Ich finde, das beschreibt eine existenzielle Menschheitserfahrung ganz gut. Und gerade beschreibt es besonders gut Donald Trump.
Dem US-Präsidenten fiel es nicht besonders schwer, einen Krieg im Iran anzuzetteln. Wie aus Militärkreisen zu hören ist, war die Faktengrundlage dafür ausgesprochen dünn. Mittlerweile hält der Irankrieg seit mehr als drei Monaten an – und Donald Trump findet einfach keinen Ausweg. Zwar haben sich die USA und der Iran auf eine Waffenruhe geeinigt, die wird aber von beiden Seiten immer wieder verletzt. Die große Frage lautet: Wann beendet Trump den Krieg – und vor allem wie?
Falle Irankrieg: Wie kommt Donald Trump da bloß wieder raus?
Die ursprüngliche Erwartung des Präsidenten war wohl, mit dem Iran kurzen Prozess zu machen. Schon wenige Tage nach Beginn des Kriegs Ende Februar verkündete Trump, der Sieg stehe kurz bevor. Verteidigungsminister Hegseth hatte mal erzählt, der Krieg könne bis zu acht Wochen dauern. Beides stellte sich als Fehleinschätzung heraus – nicht die einzige. Immer wieder macht Trump Ankündigungen, die er nicht einhalten kann. Stößt über Truth Social wilde Drohungen aus, um dann doch einzulenken. Verkündet Ultimaten, die er immer wieder verlängert. Er wirkt wie ein Prokrastinierer, der eine unliebsame Aufgabe wochen- und monatelang vor sich herschiebt.
Gerade verbreitet Trump wieder Optimismus und stellt in Aussicht, dass es in den nächsten Tagen eine Einigung mit dem Iran geben könnte: „Es kann natürlich auch sein, dass es nicht dazu kommt, man weiß es ja nicht – aber wenn es passiert, könnte es zum Beispiel am Wochenende passieren.“ Doch auch davon redet der Republikaner nun schon seit geraumer Zeit, ohne dass etwas passiert. Experten halten die Chancen angesichts der ständigen Eskalationen für gering.
Die Lage ist kompliziert und festgefahren, auch für einen selbsternannten „Dealmaker“ wie Trump keine einfache Aufgabe. Doch der Präsident hat zu oft verbal Erwartungen geschürt, die er mit seinen Handlungen nicht erfüllen konnte. Einen großen Teil seiner Glaubwürdigkeit – falls es bei Donald Trump so etwas gibt – hat er damit verloren. Auch in den eigenen Reihen wackelt sein Standing gewaltig. Gerade hat das Repräsentantenhaus dafür gestimmt, die Macht des Präsidenten im Hinblick auf den Irankrieg einzuschränken. Möglich wurde das nur durch vier Stimmen von republikanischen Abgeordneten. Die US-Amerikaner sind ohnehin längst kriegsmüde, falls sie überhaupt mal hinter dem Angriff standen. Und sie werden mit jedem Einkauf und jeder Tankfüllung immer müder.
Donald Trump rühmt sich gern, in seiner zweiten Amtszeit schon acht Kriege beendet zu haben. Dass das maximal teilweise stimmt, ist das eine Problem. Das andere ist, dass er es ausgerechnet bei seinem eigenen Krieg nicht schafft.
Ich verabschiede mich heute von Ihnen, dies war mein letzter morgenstern. Vielen Dank für Ihr Interesse in den vergangenen Wochen! Ab Montag wird Sie mein Kollege Phil Göbel in den Tag begleiten.
Lukas Podolski nimmt Abschied
Zeit für ein leichteres Thema. Wenn man Ablenkung von den harten Nachrichten dieser Welt sucht, ist man bei Lukas Podolski meistens an der richtigen Stelle. Der frühere Nationalstürmer ist gefühlt immer gut drauf und hat einen lustigen Spruch parat.
2006 begeisterte er zusammen mit Bastian Schweinsteiger und seinen anderen Teamkollegen das ganze Land, und Podolski war der letzte aus dem Sommermärchen-Kader, der noch Profifußball spielte. In diesem Sommer hängt aber auch er die Schuhe an den Nagel. Meine Kollegin hat ihn getroffen und gefragt, ob das nicht vielleicht sogar einen Lukas Podolski ein wenig traurig macht.
5-Minuten-Talk: Crunchtime in der Rentenreform
In der Rentenreform geht es langsam in die entscheidende Phase – es wird wohl auch Zeit. Die Expertenkommission befindet sich in der Schlusskurve ihrer Arbeit. Alle paar Tage werden derzeit mögliche Anpassungen diskutiert: Rente mit 70, Koppelung an die Lebenserwartung, Abschaffung der Rente mit 63.
Es bleibt ein emotionales Thema, das die Kommission rational bearbeiten soll. Bis zum Sommer soll das Gremium Vorschläge unterbreiten – wenn diese einstimmig ausfallen, will Arbeitsministerin Bas sie auch „so umsetzen“. Andernfalls, hört man da heraus, droht wieder Konflikt. Reift da etwas Gutes heran oder zerbricht die Koalition daran?
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Freitag, dem 5. Juni 2026
- Russlands Präsident Wladimir Putin hält eine Rede beim St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum und beantwortet Fragen auf einem Podium
- Die CDU Mecklenburg-Vorpommern trifft sich zum Landesparteitag. Im September wird in dem Bundesland gewählt, am Samstag wird Friedrich Merz erwartet.
- Rock am Ring und Rock im Park läuten den Festival-Sommer ein. Beide Festivals sind mit 90.000 bzw. 80.000 Besuchern ausverkauft.
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Eltern können zwischen Privatschulen und öffentlichen Einrichtungen für ihre Kinder wählen. Bildungsexperten sehen darin Gefahren. Welche Wahl ist die richtige?
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Eugen Epp