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Nach geplatztem Gerichtsprozess: Mit dieser miesen Masche will Bill Cosby sein Image retten

Es ist unglaublich dreist: Bill Cosby, dem rund 60 Frauen sexuellen Missbrauch vorwerfen, will künftig Vorträge darüber halten, wie sich diese Vorwürfe vermeiden lassen. Die Opferanwälte sind entsetzt.

Bill Cosby

Schauspieler Bill Cosby 

Rund 60 Frauen beschuldigen Schauspieler Bill Cosby der sexuellen Nötigung. Die meisten Vorwürfe liegen Jahrzehnte zurück und sind deshalb verjährt, doch im Fall der 44-jährigen Andrea Constand kam es zur Anklage. Die Kanadierin wirft Cosby vor, sie 2004 in seinem Haus in Philadelphia mit Tabletten betäubt und sich dann an ihr vergangen zu haben. Weil sich die Geschworenen trotz sechstägiger Beratung nicht auf ein Urteil einigen konnte, endete der Strafprozess ergebnislos. Cosby ist gegen Kaution auf freiem Fuß, bleibt aber angeklagt. Der zuständige Richter wünscht eine Neuauflage des Prozesses in spätestens vier Monaten.

Bill Cosby sieht sich selbst als Opfer der Justiz

Die Zeit bis dahin gedenkt Bill Cosby nun für eine Art Tournee zu nutzen, um sein Image zu retten. Für die mutmaßlich von ihm missbrauchten Frauen dürfte sie dagegen wie blanker Hohn klingen. Der 79-Jährige könne es nicht abwarten, wieder zu arbeiten, teilte sein Sprecher Andrew Wyatt dem konservativen TV-Sender WBRC mit. Cosbys absurde Idee: Für Juli plane er mehrere Auftritte in diversen Rathäusern, wo er vor jungen Leuten über das Thema sexuelle Nötigung sprechen möchte. Nicht etwa, um Reue zu zeigen und über Vergewaltigungen aufzuklären, sondern er wolle darüber informieren, "wie man Missbrauchsvorwürfe verhindern könne". Ziel ist offenbar, Cosby als Justizopfer darzustellen.

"Die Gesetze haben sich verändert", sagte eine weitere Sprecherin Cosbys. "Schon das Streifen einer Schulter, eigentlich alles kann als sexuelle Nötigung verstanden werden. Die Sache ist größer als Bill Cosby." Dann folgen Sätze, die noch dreister sind: Junge Menschen, besonders junge Sportler, seien heutzutage betroffen, "und sie müssen wissen, was sie erwartet, wenn sie ausgehen und Party machen und Dinge tun, die sie nicht tun sollten."

Diese Darstellung ist besonders pikant, denn in den USA gibt es seit Jahren eine öffentliche Debatte über die Häufung von Vergewaltigungen, die von Sport-Stipendiaten an Universitäten begangen werden. Erst im vergangenen Jahr sorgte das milde Urteil gegen den Schwimmer Brock Turner für einen Skandal, der Staat Kalifornien verschärfte daraufhin das Strafrecht.

Andrea Constand, die Bill Cosby mit ihrer Klage jetzt vor Gericht brachte, war jahrelang Basketball-Trainerin der Frauenmannschaft an der Temple University in Philadelphia. Dort hatte der Entertainer einst selbst studiert. Bei einem Ehemaligen-Treffen im Jahr 2004 lernten sich Cosby und Constand kennen.

Opfer-Anwältin verurteilt die Pläne Bill Cosbys scharf

Rechtsanwältin Gloria Allred, die 33 der mutmaßlichen Cosby-Opfer vertritt, nannte die geplanten Auftritt des Entertainers einen offensichtlichen Versuch, die Jury eines zweiten Verfahrens zu beeinflussen. Unter den gegebenen Umständen sollte Cosby keine Workshops zum Thema sexuelle Nötigung abhalten, sagte Allred und fügte hinzu: "Wenn er es tut, dann wäre folgender Hinweis der beste, den er den Zuhörern geben kann: Setze niemals Frauen unter Drogen und belästige sie nicht, dann musst du dir auch keine Sorgen machen, dafür angeklagt zu werden."

Bill Cosby Fakten
jum