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Urteil wegen sexueller Nötigung Spektakulärer Richterspruch: Warum Bill Cosby jetzt aus dem Gefängnis entlassen wurde

US-Schauspieler Bill Cosby tritt nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis gemeinsam mit seinem Sprecher Andrew Wyatt und seine Anwältin Jennifer Bonjean vor die Presse
Sehen Sie im Video: Spektakuläre Wendung nach Richterspruch – Bill Cosby ist wieder frei.




Das Oberste Gericht von Pennsylvania hat das Urteil gegen den ehemaligen US-Schauspieler Bill Cosby aufgehoben. Der mittlerweile 83-Jährige war zu drei bis zehn Jahren Haft verurteilt worden, weil er nach Ansicht des Gerichts im Jahr 2004 eine Universitätsangestellte unter Drogen gesetzt und sexuell genötigt hatte. Es war der erste Prozess nach der #MeToo-Bewegung, in der Frauen mit ihren Erfahrungen von sexuellen Übergriffen durch Männer in Machtpositionen an die Öffentlichkeit gegangen waren. Cosby wurde im Jahr 2015 angeklagt, nachdem er nur Tage vor der zwölfjährigen Verjährungsfrist verhaftet worden war. Offenbar habe es aber einen früheren Deal mit einem Staatsanwalt gegeben, der eine Verurteilung ausgeschlossen habe. Cosby hätte in dieser Sache also gar nicht erst angeklagt werden dürfen, hieß es vom Höchstgericht. Bereits im Mai hatte Cosby versucht, auf Bewährung freizukommen. Doch dies war ihm verwehrt worden, weil er sich geweigert hatte, an einem Programm für Sexualstraftäter teilzunehmen. Er beteuerte stets seine Unschuld. Insgesamt saß der ehemalige Komiker, Sänger und Schauspieler, unter anderem bekannt aus der Fernsehserie „Die Bill Cosby Show", drei Jahre im Gefängnis.
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Bill Cosbys mutmaßliche sexuellen Vergehen wurden vor Gericht gut belegt – und führten schließlich zur Verurteilung. Doch nun kippte eine Formalie sein Urteil und brachte den 83-Jährigen wieder auf freien Fuß. Die Reaktionen sind hitzig.

Bill Cosby wird von einem Mitarbeiter seines Teams gestützt, als er über das Grundstück seines Zuhauses bei Philadelphia geht. Der 83-Jährige ist wacklig auf den Beinen, doch streckt den Arm nach oben und macht das Victory-Zeichen. Der US-Starschauspieler, der in Ungnade fiel und zum ersten Verurteilten der #MeToo-Ära wurde, ist seit Mittwoch wieder ein freier Mann. Das höchste Gericht im US-Bundesstaat Pennsylvania hatte seine Verurteilung wegen sexueller Nötigung aufgrund eines Verfahrensfehlers überraschend gekippt.

"Ungewollter dreijähriger Urlaub"

"Er ist extrem glücklich, zu Hause zu sein und freut sich darauf, mit seiner Frau und seinen Kindern zusammen zu sein", sagte Cosbys Anwältin Jennifer Bonjean bei einer improvisierten Pressekonferenz auf dem Anwesen des Ex-Entertainers, der nur Stunden zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war. Cosby selbst äußerte sich zunächst nicht. Ein anderer seiner Anwälte bezeichnete die Zeit seines Mandanten im Gefängnis als "ungewollter dreijähriger Urlaub, um den Herr Cosby nie gebeten hatte".

Cosby hätte nicht angeklagt werden dürfen

Die Richter in Pennsylvania hatten ihre aufsehenerregende Entscheidung am Mittwoch in einer 80-seitigen Stellungnahme mit einer früheren Vereinbarung zu Cosby erklärt. Wegen des Deals eines früher mit dem Fall befassten Staatsanwalts hätte Cosby in dieser Sache gar nicht erst angeklagt werden dürfen, hieß es. Der Prozess dürfe auch nicht noch einmal aufgerollt werden. In den Jahren zuvor waren zahlreiche Anträge auf Berufung und vorzeitige Haftentlassung von anderen Gerichten abgelehnt worden.

Entscheidung sorgte für Schock 

Die jetzige Entscheidung überraschte Viele in den USA und sorgte weithin für Schock und Ratlosigkeit. "Ich bin wütend, diese Nachricht zu hören. Ich kenne persönlich Frauen, die dieser Mann mit Drogen bewusstlos gemacht und vergewaltigt hat. Schande über das Gericht für diese Entscheidung", kommentierte die Schauspielerin Amber Tamblyn auf Twitter. Die #Metoo-Aktivistin und Schauspielerin Rosanna Arquette nannte die Entscheidung "widerlich". Phylicia Rashad, die Cosbys Frau in der Cosby-Show spielte, reagierte dagegen erfreut: "Ein schreckliches Unrecht wurde korrigiert", schrieb sie.

Bill Cosby war Amerikas Vorzeigevater

Bill Cosby galt einst als Superstar und Amerikas Vorzeige-Vater, dann wurde er zum ersten berühmten Verurteilten der Ära #MeToo, der weltweiten Bewegung gegen sexuelle Belästigung. Mehr als 60 Frauen hatten Cosby sexuelle Übergriffe unterschiedlicher Art vorgeworfen. Im Prozess ging es allerdings nur um einen einzigen Fall aus dem Jahr 2004. Die Jury sah es als erwiesen an, dass Cosby eine Frau mit Tabletten hilflos gemacht und dann sexuell genötigt hatte. Der Entertainer hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Bill Cosby Fakten

Cosbys Urteil hatte Signalwirkung

2018 war Cosby wegen sexueller Nötigung zu einer Strafe von mindestens drei und höchstens zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil hatte in der Ära von #MeToo auch Signalwirkung. Seit dem vergangenen Jahr ist der frühere Hollywood-Mogul Harvey Weinstein verurteilter Sexualstraftäter, im August soll der Prozess gegen den Musiker R. Kelly wegen ähnlicher Anschuldigungen starten.

Er sei unschuldig und empfinde "keine Reue".

Cosby saß seit September 2018 als Insasse "NN7687" in der Anstalt "SCI Phoenix" mit rund 2400 Insassen in Pennsylvania. Sport und Ansprachen an die Mitinsassen bestimmten dort den Alltag des fast Blinden, hieß es von seinem Sprecher. Das Lebenswerk des Schauspielers scheint überschattet – Cosby aber bestand immer darauf: Er sei unschuldig und empfinde "keine Reue".

yak dpa

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