Moshammer-Prozess Angeklagter bricht zusammen


Mit erheblicher Verzögerung hat vor dem Münchner Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Moshammer-Mörder Herisch A. begonnen. Der Angeklagte musste sich vom Gerichtsarzt behandeln lassen.

Unter großem Interesse der Öffentlichkeit hat am Mittwoch vor dem Landgericht München I der Prozess um den gewaltsamen Tod des Münchner Modemacher Rudolph Moshammer begonnen. Angeklagt wegen Mordes ist der 25 Jahre alte Iraker Herisch A., der kurz nach dem Gewaltverbrechen Anfang dieses Jahres festgenommen worden war.

Der Prozess gegen Herisch A. begann mit knapp einer halben Stunde Verzögerung, da sich der Angeklagte schlecht fühlte und minutenlang mit dem Arm in die Seite gepresst heftig atmend auf seinem Stuhl saß. Kurzzeitig verließ er mit dem Gerichtsarzt und seinen Anwälten nochmals den Saal. Zuvor hatte sich der 25-Jährige minutenlang dem Blitzlichtgewitter der Fotografen gestellt. Der mit dunkelbraunem Anzug und hellem Hemd bekleidete Herisch A. wirkte verunsichert. Mit aufeinandergepressten Lippen stand der dunkelhaarige Mann vor dem Pulk aus Fotografen und Kamerateams. "Wie geht es Ihnen heute?", rief ein Reporter. Der Angeklagte schwieg aber, stützte sich mehrfach mit zitternden Händen an dem Tisch vor ihm ab und senkte den Kopf. Zum Prozessauftakt kündigte Herisch A. an, aussagen zu wollen.

Staatsanwalt: Mord aus Habgier

Nach Verlesung der Anklageschrift entschuldigte sich der 25- Jährige für die Tat. "Es war ein großer Fehler von mir", sagte er in der Übersetzung eines Dolmetschers. Er kündigte an, nicht nur zu seiner Person, sondern auch zur Sache auszusagen. Die Staatsanwaltschaft hat in ihrem Plädoyer dem Angeklagten Mord aus Habgier vorgeworfen. "Der Angeschuldigte handelte in der Absicht, sich Vermögenswerte seines Opfers - vornehmlich Geld - anzueignen", sagte Staatsanwalt Martin Kronester.

Der Tatverdächtige hatte keine 48 Stunden nach der Tat gestanden, den homosexuellen Modemacher am 14. Januar im Streit um die Bezahlung seiner Liebesdienste mit einem Elektrokabel erdrosselt zu haben. Die Polizei war ihm durch einen genetischen Fingerabdruck auf die Spur gekommen. Nach seiner Aussage bei der Polizei wurde der Iraker von Moshammer in dessen Rolls-Royce am Hauptbahnhof angesprochen und fuhr mit ihm in dessen Haus nach Grünwald. Der Modemacher habe ihm 2000 Euro für Sex geboten, dann aber nicht bezahlen wollen. Daraufhin warf Herisch A. laut Anklage das Elektrokabel um den Hals von Moshammer und erdrosselte den 64-Jährigen. Die Ermittler sehen Habgier als Motiv der "heimtückischen Tat".

Urteil Mitte November erwartet

Ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handelt, muss letztendlich das Gericht klären. Bei Mord droht dem Angeklagten lebenslange Haft, bei Totschlag fünf bis maximal 15 Jahre Freiheitsstrafe. 42 Zeugen und fünf Sachverständige will die Kammer hören, darunter einen Psychiater und einen Rechtsmediziner. Der Prozess ist auf zehn Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 16. November gefällt werden. An diesem Tag feiert Herisch A. seinen 26. Geburtstag.

Reuters, DPA DPA Reuters

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