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Mysteriöses Verschwinden: Dirie soll sexuell bedrängt worden sein

Das Verschwinden der somalischen Frauenrechtlerin Waris Dirie bleibt weiterhin rätselhaft. Drei Tage galt das Ex-Model in Brüssel als vermisst. Was genau in der Zwischenzeit geschah, bleibt unklar. Diries Anwalt und ihr Manager erheben jetzt gegen einen Taxifahrer den Vorwurf der Vergewaltigung.

Noch am Freitag erklärte Diries Manager Walter Lutschinger, "Missverständnisse" und mangelnde Französischkenntnisse hätten zum Verschwinden der Frauenrechtlerin Waris Dirie geführt.

Nun kommen Lutschinger und Diries Anwalt Gerold Ganzger, der auch das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch vertritt, mit einer ganz neuen Version daher: Danach soll Dirie nach ihrer Rückkehr am Freitag erzählt haben, dass sie am vergangenen Dienstagabend von einem Taxifahrer nach einer langen Irrfahrt durch Brüssel sexuell bedrängt und anschließend zwei Tage lang in seinem Haus in der Stadt festgehalten worden sei. Dirie-Manager Walter Lutschinger sagte, der Mann habe versucht, seine Klientin zu vergewaltigen. Dies sei ihm jedoch nicht gelungen. Dirie sei draraufhin am Montag in Wien von einem Arzt untersucht und in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Dort soll Dirie mehere Tage unter Beobachtung bleiben. "Waris Dirie ist vor kurzem stationär in einem Spital aufgenommen worden", sagte ihr Anwalt, Gerald Ganzger, der Nachrichtenagentur APA. Sie müsse wegen Verletzungen behandelt werden, die sie sich während ihrer zweitägigen Odyssee möglicherweise durch die Gewalt eines belgischen Taxifahrers zugezogen habe.

Dirie sei nach ihrer Aussage bei der belgischen Polizei am Freitag im Hotel in Weinkrämpfe ausgebrochen und habe einen Nervenzusammenbruch erlitten. Den belgischen Behörden gegenüber habe sie nichts über den Vorfall erzählt, weil sie "nicht mehr darüber reden", sondern nur mehr "ihre Ruhe" haben wollte. "Ich glaube, sie ist einfach schwer schockiert gewesen", sagte Lutschinger am Sonntagabend in Wien.

Dirie selbst hatte ihr Verschwinden als "Missverständnis" heruntergespielt. Nach der am Sonntagabend vorgestellten Version ihres Verschwindens hatte sich die Afrikanerin, die als UN-Sonderbotschafterin weltweit gegen die weibliche Genitalverstümmelung kämpft, am vergangenen Dienstagabend nach einem Discobesuch in Brüssel tatsächlich verirrt. Sie hatte weder Geld noch ihr Handy bei sich. Nach der vergeblichen Suche nach ihrem Hotel mit Hilfe der Polizei sei sie mit dem Taxifahrer stundenlang durch die Stadt gefahren.

Der Mann habe ihr schließlich angeboten, sie bei sich übernachten zu lassen. In seinem Haus am Stadtrand Brüssels habe er seine Kundin dann bedrängt und sie zu vergewaltigen versucht, so Lutschinger. Dabei habe er ihr Verletzungen an den Schultern sowie Kratzspuren an den Beinen beigebracht. Die nächsten zwei Tage blieb sie in dem Haus eingesperrt, bis der Taxifahrer sie schließlich zurück in die Stadt brachte, wo er sie unbehelligt aussteigen ließ. Lutschinger hatte der Agentur wenige Stunden zuvor die ursprüngliche Aussage Diries ausdrücklich bestätigt, wonach das Ex-Model zwei Tage lang durch Brüssel geirrt sei, weil sie ihr Hotel nicht mehr gefunden habe.

Die belgische Zeitung "Le Soir" zitierte hingegen aus Polizeikreisen, wonach "Waris Dirie am Freitagabend den Eindruck machte, als wenn sie sich in den letzten Tagen eher gut amüsiert hat".

DPA/jum / DPA