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Namens-Wirrwarr: Jolies Baby heißt wie eine Ranch

Shiloh Nouvel und Kingston James McGregor sind die neusten Namenskreationen der US-Stars. Wer dabei eher an eine Ranch und an einen Inselstaat denkt, als an Kindernamen, liegt zwar richtig, ist aber absolut out.

Auf die Idee, ihr Kind nach einem Ort zu nennen, dürften die wenigsten Deutschen kommen. Wenn "Bitterfeld" an die Tafel gerufen würde oder "Celle" ihre Hausaufgaben mal wieder nicht gemacht hat, würde dies in der Schule auch ein wenig seltsam klingen. Bei Prominenten scheint die Namensgebung nach Ortschaften aber im Trend zu liegen, auch wenn sich diese noch auf englische Städtenamen beschränkt. Jüngstes Beispiel: Gwen Stefani nennt ihren Sohn, den sie am Freitag zur Welt gebracht hat, Kingston - wie die Hauptstadt Jamaicas. Angelina Jolies Mädchen, das am Samstag das Licht der Welt erblickte, heißt Shiloh - wie etwa 40 Ortschaften quer über die USA verteilt.

Mit ihrer außergewöhnlichen Namensgebung befinden sich die Paare in bester Gesellschaft: Helen Hunt ließ sich bei dem Namen ihres Töchterchens "Makena'lei" von dem Ort auf Hawaii inspirieren. Und legendär ist bereits der Namen des ersten Sohnes von David und Victoria Beckham: Brooklyn - angeblich nach dem Ort der Zeugung benannt.

Keine Peter mehr

Kein Star, der etwas auf sich hält, würde seine Kinder heute mit langweiligen Namen wie Michael, Eric, Joel und Peter in die Welt hinaus schicken - so etwas traute sich vor Jahrzehnten nur der Hollywood-Star Kirk Douglas. Prominente sind die Aristokraten des 21. Jahrhunderts und was wäre ein besserer Ritterschlag als einen exotischen Namen für das Neugeborene.

Für Psychologen bieten dagegen die Namensverirrungen der Stars einen wunderbaren Einblick in die Seele der Eltern. Schauspieler und andere Künstler sähen es geradezu als ihre Pflicht an, bei ihren Sprösslingen erfinderisch zu sein: "Sie drücken dadurch ihre Kreativität aus und gleichzeitig ihre Angst. Ein normaler Name wäre eine Art intellektuelle Kapitulation", sagte Jenn Berman, eine klinische Psychologin in Beverly Hills, die regelmäßig mit Stars arbeitet, der "New York Times" vor kurzem.

Der Druck, sich mit dem Namen seines Kindes aus der Masse hervorzuheben ist bei dem derzeitigen Babyboom in Hollywood allerdings besonders groß. "Als Star muss man noch härter daran arbeiten, sich durch Spezialwissen oder einen ausgewählten Geschmack von der Masse zu distanzieren. Auf eine gewisse Weise ist es so etwas wie Magersucht. Jeder kann schlank sein. Wenn man berühmt ist, muss man noch schlanker sein", sagte die Autorin eines Buchs für Babynamen. Deshalb hat wohl auch die Schauspielerin Shannyn Sossamon ("Ritter aus Leidenschaft") ihren ersten Sohn «Audio Science Clayton» genannt.

"Ich heiße wie eine Frucht"

Dass die Hauptdarsteller des modernen Starkults dabei oft Realität und Fantasie nicht mehr auseinander halten könnten, beweist die Genese der Namensgebung für "Romeo", den zweiten Sohn von Fußballstar David Beckham und seiner Frau Victoria: Nicht der Held der Shakespearschen Tragödie "Romeo und Julia" stand für den Namen Pate, sondern eine Fernsehpersiflage, in der zwei stark an die Beckhams erinnernde Figuren ihren Sohn Romeo tauften. Auch für den jüngsten Beckham-Sohn "Cruz" musste das Paar Gespött einstecken: Der Name bedeutet im Spanischen Kreuz und wird eigentlich nur für Mädchen verwendet.

Ob diese kreative Namensflut Fluch oder Segen für die Kinder ist, sei dahin gestellt. Öffentlich gemeckert hat zumindest Peaches Honeyblossom Geldof bereits. Sie sei in der Grundschule wegen ihres Namens oft ausgelacht worden. "Ich heiße wie eine Frucht. Das macht doch keinen Sinn", beschwerte sich die heute 17-Jährige vor einiger Zeit schon. Die Erwachsenen sehen das anders: "Jeder mit einem ausgefallenen Namen, den ich kenne, liebt das sehr. Nur die Langweiler, die ’Dave’ heißen, finden das schlecht", sagte der amerikanische Komiker und Magier Penn Jillette. Deshalb lehnte er sich auch weit aus dem Fenster und nannte sein Töchterchen Moxie CrimeFighter (etwa: Verbrechensbekämpfer). Vielleicht freundet sie sich später mal mit dem Sohn von Schauspieler Jason Lee ("Vanilla Sky") an, der heißt nämlich Pilot Inspektor Riesgraf-Lee. Kann sein, dass er seinen Vater eines Tages hassen wird.

Mai/DPA / DPA