Nicolas Sarkozy So schont der Präsident die Reisekasse


Der Urlaub von Präsident Sarkozy empört Frankreich: Nicht, dass er sich dabei turtelnd mit seiner Freundin Carla Bruni fotografieren lässt, sondern dass die Reise offenbar vom Geschäftsmann Vincent Bolloré finanziert wird, sorgt für Unmut.

Von Luxor sollte es am Donnerstag zum Badeort Scharm el Scheich ans Rote Meer weitergehen: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy macht Urlaub in Ägypten. Mit dabei ist auch seine neue Freundin, das Ex-Model Carla Bruni. Doch nicht die Urlaubsfotos, die ihn turtelnd mit der zehn Jahre jüngeren Bruni zeigen, erhitzen die Gemüter in Frankreich, sondern dass er sich die Reise von einem Industriemagnaten bezahlen lässt.

Für den Flug nach Luxor soll Sarkozy sich die Maschine seines Freundes Vincent Bolloré ausgeliehen haben. Bolloré stammt aus einer bretonischen Industriellenfamilie und verdient sein Geld als Corporate Raider (sogenannte Heuschrecke). Bereits im Mai 2007 benutzte der französische Staatschef eine Yacht Bollorés auf dessen Kosten, was ihm schon damals harsche Kritik einbrachte. Entsprechend hart ging die unabhängige Tageszeitung "Le Monde" deshalb mit Sarkozy ins Gericht: "Es ist schon etwas fragwürdig, dass der Präsident der Republik sich für die Klatschpresse bei einem angeblichen Privatbesuch in Ägypten mit seiner neuen Gefährtin fotografieren lässt. Es ist aber eindeutig nicht in Ordnung, dass sich der Staatschef erneut eine Reise von dem Geschäftsmann Vincent Bolloré organisieren lässt", schrieb das Blatt in seiner Donnerstagsausgabe.

Der Präsident trete eher wie (der frühere italienische Ministerpräsident) Silvio Berlusconi auf als wie ein General de Gaulle, heißt es weiter. "Der General hätte niemals öffentlich Nähe zu einem Industrie-Manager gezeigt. Und es wäre unvorstellbar, dass ein amerikanischer Präsident das Privatflugzeug eines mächtigen Industriellen benutzt." Der Status des Staatschefs stünde auf dem Spiel, befürchtet "Le Monde" und rät Sarkozy zu mehr Würde: "Dieses Amt erfordert tagtäglich eine würdige Haltung, damit sein Ansehen gewahrt bleibt." Auch die frühere Konkurrentin um das Präsidentenamt, die Sozialistin Ségolène Royal, wirft Sarkozy in einer Stellungnahme vor, er stelle die Unabhängigkeit und die Würde des Präsidentenamtes infrage: "Nicolas Sarkozy muss damit aufhören, uns mit seinem prahlerischen Benehmen zu provozieren", schrieb Royal.

"Ich bedauere, mich fragen zu müssen, welche Gegenleistungen Herr Bolloré, der ein schlauer Geschäftsmann ist, erwarten darf", fragte der sozialistische Abgeordnete Arnaud Montebourg. Bollorés ist derzeit dabei, sich ein Medienimperium in Frankreich aufzubauen und ist bei der Vergabe von Lizenzen teilweise auch vom Wohlwollen des Staates abhängig.

Bis zum 31. Dezember ist Sarkozy noch in Ägypten unterwegs. Für den Flug nach Scharm el Scheich soll er sich erneut den Privatjet Bollorés geborgt haben. Im Badeort selbst wird das Paar dann erst mal nicht auf den Freund aus Frankreich angewiesen sein. Dort nächtigt das Paar in der Privatvilla des Scheichs von Abu Dhabi. Am Sonntag und Montag ist ein offizieller Besuch Sarkozys in Kairo geplant, womit der Rückflug wohl zu Lasten des französischen Steuerzahlers gehen wird.

Mai/DPA DPA

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